FIT 4 Frost – sicher abgefroren aus dem Winter!

Zwischenfrucht-Mischungen KWS FIT4NEXT

Kurzinfo

09.07.2020

Zwischenfrucht-Mischungen haben die verschiedensten Aufgaben zu erledigen und Ansprüchen zu genügen. Dies haben wir in unserem neuen Portfolio KWS FIT4NEXT berücksichtigt. Eine Frage hat nach der vergangenen Zwischenfruchtsaison 2019/2020 die Praktiker besonders beschäftigt: das Abfrierverhalten der Arten und Mischungen. Wir stellen Ihnen die 4 wesentlichen Einflussfaktoren vor.

1. Arten- und Sortenwahl

Wie gut ein Zwischenfrucht-Mischungsbestand abfriert, wird maßgeblich über die verwendeten Komponenten bestimmt. In den KWS FIT4NEXT Mischungen werden knapp 20 Arten und noch mehr Sorten verwendet. Ebenso vielfältig sind die Reaktionen auf Frost. Abbildung 1 zeigt, wie die Arten tendenziell reagieren. Diese Bewertung bezieht sich auf eine Entwicklungsphase, die eher Masse-betont ist und in der alle Arten etwa gleich entwickelt sind. Auf unterschiedliche Entwicklungsphasen komme ich später noch zu sprechen. Der Tatarische Buchweizen oder das Ramtillkraut reagieren bereits auf niedrige einstellige Temperaturen im Plusbereich mit einem Zelltod. Kleinere Frostereignisse lassen diese beiden Arten sehr sicher abfrieren. Viele weitere Arten wie der Leindotter, der Lein oder der Gelbsenf reagieren angemessen auf Frost. Andere Arten wie der Ölrettich benötigen längere und/oder stärkere Einzelfrostereignisse. Innerhalb der Art gibt es auch Sortenunterschiede. Im Extrem können diese auch über die hier angegebenen Spannen hinausgehen. Bei Senf und Ölrettich beispielsweise kann dies auch mit einer frühen Entwicklung bzw. mit einer zeitigen Blüte zusammenhängen.
Einmalige Frostereignisse in Kombination mit Regenerationsphasen mit wüchsigen Temperaturen führen nicht zum gewünschten Abfrieren. Das hat auch das vergangene Jahr gezeigt. Die Pflanzen können sich erholen und weiterwachsen. Sicher sind Zeiträume mit beispielweise mehreren Nächten Frost oder auch Dauerfrostereignissen.

Abbildung 1: Abfrierverhalten verschiedener nicht winterharter Zwischenfruchtarten im Vergleich

Abfrierverhalten verschiedener nicht winterharter Zwischenfruchtarten im Vergleich

2. Aussaatvorbereitung und Bestandsetablierung

Bereits das Etablieren einer Zwischenfrucht-Mischung gestaltet sich von Jahr zu Jahr hin und wieder zu einer Herausforderung und ist nicht zum Nulltarif zu bekommen. Je mehr Sie an Mühe und Sorgfalt in die Aussaatvorbereitung und Aussaat investieren (können), desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ein gutes Ergebnis erzielen. Sie können nach der Artenwahl hier ebenfalls sehr früh den Grundstein für das spätere, einfachere „Verschwinden“ der Zwischenfrucht-Mischung legen. Ein guter Start, der für einen gut entwickelten und homogenen Bestand sorgt, verbessert auch das Abfrierverhalten. Von daher sollte an der Aussaat(technik) nicht gespart werden: eine Drillsaat lässt ein besseres Ergebnis erwarten als das Ausbringen mit einem Schleuderstreuer.
Lassen es die Zeit und die Wasserversorgung zu, sollte im Idealfall das Ausfallgetreide bereits einmal vor der Zwischenfruchtaussaat zum Auflaufen gebracht werden. Ein noch besseres Ergebnis hat in mehreren Versuchen die Saat nach dem Pflügen im Vergleich zum Grubbern gebracht.

3. Aussaatstärke

Anders als im Hauptfruchtanbau können höhere Aussaatstärken und damit Bestandesdichten viele Vorteile bringen - dichtere Bestände und schwächer entwickelte Einzelpflanzen. Die schwächere Entwicklung ist in dem Fall kein Nachteil. Sie sorgt dafür, dass die Frostempfindlichkeit tendenziell steigt. Bestes Beispiel ist der Ölrettich. Zu niedrige Aussaatstärken und damit kräftig entwickelte Einzelpflanzen haben unter Umständen sehr ausgeprägte Stängel und Rettichkörper zur Folge. Sowohl die massiven Stängel, insbesondere aber die großen Rettiche, erschweren oder verhindern sogar ein Abfrieren bei nicht ausreichendem Frost. Damit fällt diese sonst hervorragende Zwischenfruchtart etwas in Ungnade, da auch eine spätere Beseitigung mit Herbiziden schwierig ist. Hier hilft eine erhöhte Aussaatstärke. Ist eine Befahrbarkeit gegeben, kann sich ein zusätzlicher Walzgang (beim Greening auf die zulässige Technik achten) im Winterhalbjahr lohnen. Dadurch wird der Stängel abgeknickt, beschädigt und spätere Fröste helfen, die gesamte Pflanze zum Absterben zu bringen.

Unterschiedlich stark entwickelte Rettiche aufgrund unterschiedlicher Bestandesdichten. (KWS LOCHOW, 2020)

Unterschiedlich stark entwickelte Rettiche aufgrund unterschiedlicher Bestandesdichten. (KWS LOCHOW, 2020)

4. Aussaattermin

Der vielleicht eindrucksvollste Effekt kann durch die Wahl eines angepassten Aussaattermins erzielt werden. In der Zwischenfruchtsaison 2019/2020 haben wir am Standort Einbeck verschiedene Zwischenfrucht-Mischungen in Exaktversuchen mit unterschiedlichen Aussaatzeitpunkten getestet. Gesät wurde mit einer Getreideparzellen-Sämaschine. Die Aussaattermine waren angelehnt an die ortsüblichen Gegebenheiten und fanden statt am 02. August, 20. August und 13. September. Wie auch an anderen Standorten zu der Zeitwar die Wasserverfügbarkeit sehr begrenzt. Dennoch entwickelten sich bis zum Winteranfang alle Bestände in Abhängigkeit vom Aussaattermin sehr gut.
Beeindruckend war der erste Termin, bei dem nahezu alle Sommerungen noch die
Blüte erreichten. Der letzte Termin erreichte noch geschlossene, je nach Art, mind.
knöchelhohe Bestände. Der mittlere Termin reihte sich mit einem üppigen Biomasseaufwuchs dazwischen ein. Schaut man sich den Temperaturverlauf anhand des Temperaturdiagramms der benachbarten Wetterstation in Wetze an (Abbildung 2), sieht man, dass es ab Ende September bis zum Jahreswechsel nur sehr wenige Frostereignisse gab.

Abbildung 2: Temperaturdiagramm der Wetterstation Wetze, Einbeck.

Abbildung 2: Temperaturdiagramm der Wetterstation Wetze, Einbeck.

Das gleiche gilt auch für fast das gesamte erste Quartal 2020. Die meisten der Frostereignisse waren Nachtfröste. Es gab weniger als eine Handvoll Tage, an der die Tagesmitteltemperatur unter Null blieb, und dann auch nur ganz knapp. Unterm Strich war das ein extrem milder Winter, der den Einfluss des Aussaattermins und damit der Pflanzenentwicklung auf die Frosttoleranz der Arten und Mischungen hervorragend herausstellte.

Anhand der Mischung KWS FIT4NEXT RAPS N-FIX (Bilder 1-6) lässt sich beispielhaft der Einfluss des Aussaattermins auf das Abfrierverhalten der Arten und Mischungen sehr gut nachvollziehen. Die spät gesäten Varianten sind nahezu unbeschadet ins Frühjahr gegangen. Bei den früh gesäten Varianten waren bereits vorm Jahreswechsel frostempfindliche Arten geschädigt oder ausgefallen. Lediglich einzelne Arten wie der Tatarische Buchweizen, das Ramtillkraut und die Sonnenblumen waren komplett verschwunden. Die Tatsache, dass generativ weit entwickelte Pflanzen empfindlicher gegenüber Minustemperaturen sind, gilt für alle Arten und ist leider auch manchmal im Hauptfruchtanbau zu beobachten. Bei Zwischenfrüchten nützt es Ihnen. Dadurch können Sie unter Umständen im Frühjahr auf Extramaßnahmen wie Mulchen oder den Einsatz eines Totalherbizides verzichten.

Selbstverständlich muss ein früher Aussaattermin in Ihren Betriebsablauf passen, sowie die Vorfrucht und die Bodenfeuchte Ihnen die Wahl lassen. Bei extrem früher Aussaat kann die Gefahr bestehen, dass Einzelarten oder -pflanzen noch Samen bilden.

Wie Versuche der Landwirtschaftskammer Niedersachsen 2019 gezeigt haben, sind aber in diesem Fall die meisten Zwischenfrüchte mit den verfügbaren Herbiziden in der Hauptfrucht zu kontrollieren. Die Ergebnisse haben wir auch auf unserer FIT4NEXT veröffentlicht.

Eine zu frühe Blüte der Pflanzen sollte verhindert werden, wenn resistente Senf oder
Ölrettiche zur Nematodenreduzierung angebaut werden. Ansonsten verringert
sich der Effekt zu früh. Was ebenfalls für eine zeitige Aussaat spricht: Je länger die
Vegetationszeit, desto besser kann sich das Wurzelsystem und die oberirdische
Biomasse entwickeln. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit der bestmöglichen
Nährstoffaufnahme und -konservierung. Was hieße das rückwirkend aus den gesammelten
Daten für den Standort Einbeck in 2019 betrachtet? Antwort: Eine Aussaat in
der ersten Augusthälfte hätte vermutlich das beste Abfrierergebnis gebracht und die
weiteren Anbauziele erfüllt.

Bild 1 - 6: Abfrierverhalten am Beispiel der Mischung KWS FIT4NEXT RAPS N-FIX bei unterschiedlichen Aussaatterminen

Bild 1 - 6: Abfrierverhalten am Beispiel der Mischung KWS FIT4NEXT RAPS N-FIX bei unterschiedlichen Aussaatterminen

Das neue Programm der KWS für Zwischenfrucht-Mischungen

Weitere Infos zu den Mischungen finden Sie unter FIT4NEXT

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Markus Molthan
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