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    Expertenwissen

Stoppelbearbeitung – eine Bearbeitung mit hohen Anforderungen

In Kooperation mit PD Dr. Joachim Brunotte, Thünen-Institut für Agrartechnologie, Braunschweig

Kurzscheibenegge (Foto: Brunotte)

Kurzscheibenegge (Foto: Brunotte)

Sommer 2024

Die heutigen Anforderungen an die Bodenbearbeitung sind vielfältig und umfassen die Realisierung von Bodenschutz, die Reduzierung von Kranheitspotenzialen und die Einsparung von Kosten. Das Ziel sollte immer sein, der Folgekultur die bestmöglichen Startbedingungen bei der Aussaat bereitzustellen.

Bei der Strohverteilung ansetzen

Die Strohverteilung durch den Mähdrescher spielt eine entscheidende Rolle, da sie nicht nur den Beitrag zum Bodenschutz und die Qualität der Stroheinarbeitung beeinflusst, sondern auch direkte Auswirkungen auf den Feldaufgang und die Ertragsentwicklung der Folgefrucht hat. Zu viel Stroh an der Oberfläche kann u.a. bei Zinkenschar-Sämaschinen zur Verstopfung oder Haufenbildung führen, Scheibensämaschinen rollen über das Stroh, sodass bei Trockenheit das Saatgut nicht ans Keimwasser kommt. In der Folge wird die Keimung gehemmt und die Keimpflanzen (z.B. Raps) müssen lange Hypokotyle bilden, um an die Bodenoberfläche zu kommen. Eine so geschwächte Pflanze kann anfälliger für Frost und Krankheiten werden und somit besteht die Gefahr eines ungleichmäßigen Feldaufgangs.

Hohe Stroherträge, zunehmende Arbeitsbreiten der Mähdrescher und das Dreschen am Hang führen jedoch oft zu einer ungleichmäßigen Strohverteilung. Insbesondere bei Arbeitsbreiten eines Mähdreschers von mehr als 6 m nimmt der Variationskoeffizient, ein Maß für die Strohquerverteilung, stark zu. Dies kann zu erheblichen Problemen bei der Folgebearbeitung führen, zumal das Stroh nicht gleichmäßig über das Feld verteilt ist. Um diesem Problem zu begegnen, sind Anpassungen an den Einstellungen des Mähdreschers notwendig. Eine mögliche Lösung besteht in der Modifikation der Häckslereinstellung und der Spreuverteileinrichtung. Moderne Zentrifugalverteiler sind bei Arbeitsbreiten > 9 m erforderlich.

Strohverteilung (Foto: Brunotte)

Strohverteilung (Foto: Brunotte)

Kommt es doch zu ungleichmäßig verteiltem Stroh, dann lässt es sich nur schwer nachverteilen. Geeignet dafür ist ein Strohstriegel, direkt nach dem Mähdrusch eingesetzt. Durch die hohe Arbeitsgeschwindigkeit von über 15 km/h kann bei einer diagonalen Bearbeitung von mindestens 30° die Strohverteilung verbessert werden. Sobald das Stroh in den Boden eingearbeitet ist, ist eine Nachverteilung sehr viel schwerer möglich – es schwimmt an der Oberfläche.

Je länger die Stoppeln sind, desto weniger wird das Stroh von den nachfolgenden Bearbeitungsgeräten in den Bearbeitungshorizont eingemischt und umso höher ist der Strohbedeckungsgrad. Der Strohanteil nimmt in der oberen Krume (0 - 5 cm) deutlich zu, je länger die Stoppel wird (Abb. 1). Bei einer Stoppellänge von 30 cm sind etwa zwei Drittel des Strohs in dem oberen Krumenbereich zu finden. Auch durch eine nachfolgende tiefe Grundbodenbearbeitung kann das Stroh kaum tiefer als 15 cm eingearbeitet werden.

Abb. 1: Strohverteilung im Bearbeitungshorizont in Abhängigkeit von der Strohlänge

Quelle: Hanse Agro aus LOP 07/2020

Quelle: Hanse Agro aus LOP 07/2020

Ansprüche an die Stroheinarbeitung abhängig von der Folgefrucht

Die Stroheinarbeitung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Fruchtfolge, dem Bodenbearbeitungssystem (mit/ohne Pflug) und der gewünschten Rottegeschwindigkeit des Strohs. Wie in der Abb. 2 zu sehen, ist ein beschleunigter Strohabbau bei einer folgenden Winterung (Raps/Getreide) entscheidend und bei einer folgenden Sommerung (Zuckerrübe, Mais, Kartoffeln, Erbsen, Getreide) ist ein verzögerter Strohabbau anzustreben.

Wie schnell das Stroh verrottet, hängt vom Spleißgrad, der Strohlänge und der Einarbeitungstiefe des Strohs ab. Dabei ist zu beachten, dass 10 cm langes Stroh langsamer verrottet als 3 cm kurzes Stroh und dass das Stroh auf der Bodenoberfläche am langsamsten verrottet.

Abb. 2: Arbeitsgänge Konservierender Bodenbearbeitung in der Fruchtfolge

Quelle: Eigene Darstellung nach Brunotte, Getreidemagazin 2003

Quelle: Eigene Darstellung nach Brunotte, Getreidemagazin 2003

In der Getreidestoppel Gräser bekämpfen

Bei der Getreidestoppel liegt der Schwerpunkt darauf, Ausfallsamen von Gräsern und Unkräutern zu bekämpfen. Häufig treten Probleme mit Windhalm, Ackerfuchsschwanz, Flughafer und Weidelgräsern auf. Dies kann verschiedene Ursachen haben, u.a. suboptimale Bedingungen für die Anwendung von Bodenherbiziden im Herbst sowie blattaktiver Wirkstoffe im Frühjahr. Zusätzlich führt Trockenheit im Frühjahr dazu, dass sowohl Winter- als auch Sommergetreidearten unterdurchschnittlich bestocken. Dadurch können Schadgräser und Unkräuter aufgrund geringerer Bestandsdichten und fehlender Beschattung die Kultur überwuchern und Samen produzieren. Dies führt dazu, dass sich das Samenpotenzial im Boden an vielen Stellen vermehrt.

Über 95 % der Samen von Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Trespenarten keimen in einer Bodentiefe von etwa 3 cm. Daher ist es wichtig, eine möglichst flache Bearbeitung anzustreben (maximal 2 - 3 cm), um die Samen nicht zu tief zu vergraben. Wenn zu tief gearbeitet wird, befinden sich die Samen unter Lichtabschluss und treten in eine sekundäre Keimruhe ein, wodurch sie konserviert werden.

Zur gleichmäßigen Nachverteilung des Strohs kann auch ein schwerer Striegel eingesetzt werden, da die Zinken eine sanfte Bodenbewegung ermöglichen. Alternativ können eine flach eingestellte Kurzscheibenegge mit Nachläufer oder eine Messerwalze verwendet werden. Beide Optionen gewährleisten ebenfalls eine flache Bearbeitung, wenn sie korrekt eingestellt sind. Grubber sind nur bedingt geeignet, da sie bei niedriger Arbeitstiefe keine gleichmäßige Bearbeitung des gesamten Bodens ermöglichen. Eine weitere Möglichkeit bieten auch Großfederzinkeneggen, wobei Gänsefußschare bei flacher Einstellung das Stroh eher zusammenschieben.

Flache Bodenbearbeitung – CrossCutter Disc

Flache Bodenbearbeitung – CrossCutter Disc

Bodenbearbeitung nach der Rapsernte

Nach der Ernte von Raps steht die Förderung der Keimung von Unkräutern und Ausfallraps im Mittelpunkt der Bodenbearbeitung. Ein weiteres Ziel ist es, das Risiko von Krankheiten und Schädlingen zu minimieren. Da natürliche Bodenfeuchtigkeit und Tau in der Regel nicht ausreichen, um eine ausreichende Samenkeimung zu gewährleisten, zielt die Bearbeitung darauf ab, die vorhandenen Rapsstängel und -schoten zunächst zu zerkleinern, damit die Samen aus den Schoten mit dem Boden in Kontakt kommen können. Für diesen Zweck eignen sich hauptsächlich schwere Walzen, aggressiv arbeitende Striegel sowie Schlegel- oder Sichelmulcher. Diese Geräte stellen sicher, dass die Samen nicht in den Stoppeln hängen bleiben und direkt mit dem Boden in Berührung kommen, ohne dabei verschüttet zu werden. Alternativ können auch Kurzscheibeneggen verwendet werden, die jedoch so flach wie möglich (< 5 cm) arbeiten sollten. Auch ist eine angemessene Rückverfestigung des Bodens durch entsprechende Nachläufer wichtig.

Auflaufraps

Auflaufraps

Verdunstung vermeiden

Am effektivsten kann Verdunstung durch eine gleichmäßige Strohschicht an der Bodenoberfläche vermieden werden. Die Notwendigkeit, die Kapillarität zu unterbrechen, spielte eine große Rolle, als früher das Stroh komplett für die Viehhaltung abgefahren wurde.

Da aber nach der Ernte irgendwann eine Folgefrucht bestellt werden muss, kann das Augenmerk nicht allein auf die Vermeidung der Verdunstung gelegt werden. Folgen Winterungen muss aufgrund des kurzen Zeitfensters dann doch relativ bald mit einer flachen Stoppelbearbeitung begonnen werden. Schwerstriegel bzw. Kurzscheibeneggen liefern hier eine gute Arbeit. Auf eine gezielte Rückverfestigung ist bei jedem Arbeitsgang zu achten, um ein unkontrolliertes Austrocknen zu verhindern und einen ebenen Acker für den folgenden Arbeitsgang herzurichten.

Beschleunigter Strohabbau

Beschleunigte Zersetzung von organischen Reststoffen, hauptsächlich aus Ernteresten, hat einen zusätzlichen Einfluss auf die Etablierung der nachfolgenden Kultur. Wenn nicht zersetzte Erntereste haufenweise im Saatbett verbleiben, können sie das Keimen hemmen und werden als "Stickstoffräuber" betrachtet, da der von den Mikroorganismen für den Strohabbau verbrauchte Stickstoff vorerst nicht für die Kulturpflanze verfügbar ist. Zusätzlich können Krankheitserreger wie Septoria tritici, Drechslera tritici-repentis, Pseudocercosporella herpotrichoides (Halmbrecher) und Fusariosen in den Ernteresten überdauern und unter günstigen Bedingungen im Herbst die neu ausgesäten Pflanzen infizieren. Daher ist es wichtig, Stroh und Stoppeln beim zweiten Bodenbearbeitungs-Durchgang intensiv und gleichmäßig in den Boden einzumischen, um die Zersetzung zu fördern. Schwergrubber mit einem Strichabstand von 25 - 28 cm und 50 - 80 mm breiten Meißel- bzw. Wendelscharen eignen sich für die Einmischung des Strohs am besten. Je höher der Strohertrag, umso tiefer muss es im Sinne des Verdünnungseffektes eingearbeitet werden: 90 - 100 dt/ha Stroh sollten in jedem Fall in die obersten 15 cm Krume eingearbeitet werden. Nur so kommt es zum Humusaufbau und Keimung und Wurzelentwicklung der Folgekultur sind nicht beeinträchtigt.

Tiefe Bodenbearbeitung – Schwergrubber (Foto: Brunotte)

Tiefe Bodenbearbeitung – Schwergrubber (Foto: Brunotte)

Fazit

Die Basis für eine gleichmäßige Verteilung des Strohs bietet die sachgerechte Einstellung des Häckslers am Mähdrescher. Der Strohstriegel kann das Stroh in gewissem Maße nachverteilen und ist aufgrund seiner oberflächennahen Arbeit wichtig, um den Strohabbau bei Sommerungen zu verzögern und den Boden zu schützen.


Die Bodenbearbeitung nach Getreide sollte nicht die Ungräser vergraben, sodass sie den Bodensamenvorrat erhöhen, sondern durch flaches Arbeiten die Samen zur Keimung anregen. Dafür stehen verschiedene, gezielt arbeitende Bodenbearbeitungsgeräte zur Verfügung. Beim Raps steht der Bodenschluss von Ausfallraps und Unkräutern im Vordergrund, um deren Keimung hervorzurufen. Durch flaches Bearbeiten sollte die Verdunstung reduziert werden. Der beschleunigte Strohabbau durch tieferes und gleichmäßiges Arbeiten ist vor allem wichtig, um Krankheitserreger zu bekämpfen, Pflanzenwachstum zu fördern und Stickstoff für die Kulturpflanze zu halten.


Eine zielorientierte Stoppelbearbeitung spielt eine entscheidende Rolle, da sie das Stroh gleichmäßig in den Boden einarbeitet. Dies dient dem Ziel, das Infektionspotenzial für Pflanzenkrankheiten zu minimieren und die Etablierung der Folgefrucht vorzubereiten.

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Wiebke Lenge
Wiebke Lenge
Teamleiterin Produktmanagement Getreide / Produktmanagerin Roggen
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