Hybriden versus innovative KWS Wintergersten

Gerstenfeld

04.09.2019

In Deutschland werden zur Ernte 2019 ca. 1,36 Mio. ha Wintergerste angebaut. Traditionell im Norden verstärkt mehrzeilige und im Süden überwiegend zweizeilige Wintergerste. Seit einigen Jahren sind auch Hybridgersten in Deutschland im Anbau. Der Markanteil wird mit ca. 10 % eingeschätzt. Die vermeintlichen Vorteile haben wir uns im Folgenden genauer angeschaut.

Ertragsvergleich

Die Ergebnisse der Landessortenversuche 2016 - 2019 zeigen auf 355 Standorte einen maximalen Vorteil der Hybridgersten gegenüber der KWS Wintergersten von 0,6 %
(siehe Abb. 1).

Auf Basis des bundesweiten Ertragsdurchschnittes der Wintergerste vom Statistischen Bundesamt, Saatgutpreisen von 70 €/Unit bei Hybridgerste und 50 €/dt bei Liniengerste und einem Konsumpreis von 16 €/dt Wintergerste ist der bereinigte Erlös der KWS Wintergerste um ca. 74 €/ha höher (siehe Tabelle 1). Die aktuelle Ertragsleistung der Hybriden reicht also bei Weitem nicht aus, um die höheren Saatgutkosten auszugleichen.

Spätsaateignung

Durch den Klimawandel und intensiven Ackerbau spielen Probleme wie resistenter Ackerfuchsschwanz oder der vermehrte Flug von virusbeladenen Thripsen und Läusen eine größere Rolle im Anbau der Wintergerste. Gerade im Hinblick auf Verzwergungsviren kann die Verlegung des Aussaatzeitpunktes der Wintergerste in die zweite Oktoberwoche ein Lösungsansatz sein. Ein signifikanter Minderertrag bei Linien in der Spätsaat konnte in mehrjährigen Versuchen von KWS Getreide nicht beobachtet werden. Über 34 Standorte in 9 Jahren war der Minderertrag bei den geprüften Sorten von KWS mit 1,3 dt/ha nicht signifikant (siehe Abb. 2). Bei Wettbewerbsversuchen wird von einem Minderertrag von bis zu 3,3 dt/ha bei Hybridgersten berichtet.

Zusätzlich sollten dabei die erhöhten Aussaatkosten bei einer späten Saat berücksichtigt werden. Bei gleichem Ertrag und erhöhter Aussaatstärke von 250 keimfähigen Körnern/m² (Hybride) und 350 keimfähigen Körnern/m² (Linie) sind die Aussaatkosten bei der Hybride fast doppelt so hoch wie bei einer KWS Hochertragssorte. Dies wirkt sich natürlich auf den bereinigten Erlös aus, der bei einer KWS Sorte hier um 103 €/ha höher ist als bei einer Hybride (siehe Tabelle 2).

Ackerfuchsschwanzunterdrückung

Die späte Aussaat bietet nicht nur Vorteile im Hinblick auf Verzwergungsviren, sondern insbesondere auch im Hinblick auf Ackerfuchsschwanzunterdrückung. Es bleibt ausreichend Zeit zur Bodenbearbeitung, sodass der Ackerfuchsschwanz mehr Zeit zur Keimung hat, wodurch die Wirkung der mechanischen und chemischen Bekämpfung verbessert wird. In Bezug auf dieses Thema hat die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein einen Versuch durchgeführt. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass ohne den Einsatz von Herbiziden in der Kontrolle und in der normalen Saatzeit die Anzahl der Ackerfuchsschwanz-Ähren bei KWS MERIDIAN niedriger sind als bei der Hybride SY Galileoo (siehe Abb. 3).

Aus dem Heimatland des Ackerfuchsschwanzes:

"6-zeilige Wintergerste kann die Ackerfuchsschwanzpopulation auf dem Acker reduzieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um eine Hybride oder eine Liniengerste handelt, wirtschaftlicher ist der Anbau der mehrzeiligen Liniengerste.“


John Miles, Product Development Manager, KWS UK

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Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass Hybridgerste sich bis jetzt weder ertraglich noch unter schwierigen Aussaatbedingungen (Spätsaat) und auch nicht bei der Feldhygiene (Ackerfuchsschwanzunterdrückung) gegen die innovative mehrzeilige Wintergerstenzüchtung von KWS durchsetzen konnte. Im Gegenteil: Der Anbau von Hybridgerste wirkt sich bislang sogar negativ auf die Wirtschaftlichkeit des Gerstenanbaus aus.

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Henning Hansen
Henning Hansen
KWS Produktmanager Weizen und Gerste
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