Andüngung der Wintergetreidekulturen

Hybridroggen KWS SERAFINO am 25. Februar 2020 im Landkreis Rendsburg-Eckernförde (Aussaat: 07. Oktober 2019)

Hybridroggen KWS SERAFINO am 25. Februar 2020 im Landkreis Rendsburg-Eckernförde (Aussaat: 07. Oktober 2019)

06.03.2020

Der Herbst 2019 hat aktuell sehr unterschiedlich weit entwickelte Wintergetreidebestände gebracht. Saattermine ab Ende September sind aufgrund der nicht stattgefundenen Winterruhe teilweise weit entwickelt.

Die möglichen Saattermine Anfang bis Ende Oktober haben, je nach Niederschlagsintensität und der nicht stattgefundenen Winterruhe, ebenfalls vielerorts gut entwickelte Wintergetreidebestände hervorgebracht. Waren die Aussaatbedingungen ab Ende Oktober nicht optimal, tun sich viele Bestände bisher noch schwer. Die anhaltende Staunässe in vielen Regionen ist ebenfalls für eine positive Entwicklung störend. Aktuell steht die Andüngung der Wintergetreidekulturen an. Dies ist jedoch durch die hohen Niederschlagsmengen bisher unmöglich. Sollten sich trockene „Schönwetterphasen“ ergeben, die eine Befahrbarkeit der Flächen zulassen, sollte zeitnah mit der Andüngung begonnen werden.

Was ist bei der Andüngung zu beachten?

  • Die Anzahl ährentragender Halme und Kornzahl pro Ähre werden beeinflusst
  • Es müssen ausreichend kräftige Triebe erzeugt werden bzw. erhalten bleiben
  • Nmin-Wert nicht bei der Andüngung berücksichtigen, erst bei späteren Gaben
  • Eine frühe 1. Gabe (vor BBCH 25) fördert die Bestockung bei dünnen und späten Beständen
  • Eine späte 1. Gabe (ab BBCH 25) fördert die Ährenbildung bei Nebentrieben und die allgemeine Ährchenanlage

Winterweizen:

  • Höhe der Andüngung: je nach Bestandesentwicklung zwischen 40 kg und 80 kg N/ha
  • Es muss eine sorten- und standortspezifisch optimale Triebdichte erstellt werden
  • Ziel: zu Schossbeginn (BBCH 30) einen Bestand mit einer Anzahl von kräftigen Trieben zu realisieren, die der zweifachen bis zweieinhalbfachen Zielährenzahl entspricht
  • Insgesamt muss bis zum Schossbeginn ca. 50 kg - 60 kg N/ha aufgenommen werden

Wintergerste:

  • Höhe der Andüngung: je nach Bestandesentwicklung zwischen 40 kg und 60 kg N/ha
  • Extreme Spätsaaten sollten höher angedüngt werden
  • Bei zweizeiligen Wintergerstensorten fördert die N-Gabe zur Bestockung besonders die Bestandesdichte
Bitte beachten:
  • Vor allem bei milden Wintern wird häufig eine reduzierte Startgabe ausgebracht, wenn die Bestände sich zu Vegetationsbeginn gut präsentieren. Häufig haben die Kulturen die Böden im Winter auch stark an verfügbarem Stickstoff entleert, die Stickstoff-Nachlieferung kann also stark eingeschränkt sein, was bei einer verminderten Andüngung zu Stickstoff-Mangel und einer unerwünschten Triebreduktion führen kann!
  • Gut bestockte Bestände haben über den Winter ausreichend Stickstoff entzogen, wodurch aktuell die Nachlieferung eingeschränkt sein kann. Sollen alle Seitentriebe erhalten werden, ist die 1. Gabe nicht zu reduzieren.
  • In Gebieten mit knapper Wasserversorgung und übermäßig üppigen Beständen, kann es im Frühjahr sinnvoll sein die 1. Gabe zeitlich etwas nach hinten zu verlagern. Unnötig angelegte Triebe, die im Vorsommer Wasser entziehen, werden auf diese Weise wieder reduziert.

Winterroggen/Triticale:

  • Abhängig vom Bestand im Frühjahr, möglichst frühe Andüngung (früher Wachstumsbeginn beim Winterroggen)
  • Höhe der Andüngung: je nach Bestandesentwicklung zwischen 40 kg und 80 kg N/ha

Zur Düngesaison 2020 ist im Norden und Osten Deutschlands aufgrund der Niederschlagsmengen im Herbst und Winter mit tendenziell niedrigeren Nmin-Werten zu rechnen. Die Smin-Werte werden aus besagten Gründen ebenfalls niedriger ausfallen als normal.

In den einzelnen Regionen präsentieren sich die Nmin-Werte abhängig von Vorfrucht und Bodenart unterschiedlich. Im Durchschnitt über die Gebiete Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland liegen die meisten Werte im niedrigen und normalen Bereich (30- 50 kg N-min). In einzelnen Regionen (Bsp. Rheinhessen) ist allerdings auch mit vergleichsweise hohen Nmin-Werten zu rechnen, in Baden-Württemberg dagegen mit normalen Nmin-Werten zu rechnen (siehe NID).

Daher informieren Sie sich in jedem Fall vor Ort über die standortbezogenen Nmin-Werte!

Denken Sie deswegen bitte an eine ausreichende Schwefelgabe bei der Andüngung (20 kg - 30 kg S/ha) und ebenfalls an eine ausreichende Versorgung mit Grundnährstoffen. Hier ist die Kalium-Düngung hervorzuheben: Die Kaliumversorgung hat entscheidenden Einfluss auf den Wasserhaushalt der Pflanze. Bei optimaler Kaliumversorgung kann das Wasser von der Pflanze effizient genutzt und in Ertrag umgesetzt werden. Kalium erhöht die Zellfestigkeit der Pflanzen. Hierdurch sinkt die Lager- und Pilzanfälligkeit, was sich wiederum positiv auf den Ertrag auswirkt.