Angebot und Nachfrage ausgeglichen

Roggenfeld

21.11.2018

Insgesamt befindet sich der Getreidemarkt im „Rye Belt“ (Roggenanbaugürtel) und weltweit in einem sehr ruhigen Fahrwasser. Auf dem aktuellen Preisniveau sind Angebot und Nachfrage ausgeglichen. Kurzfristig sind keine großen Preissprünge zu erwarten. Deutlich ist aber weiterhin, dass die Roggenvorräte im Rye Belt zum 30. Juni 2019 auf ein sehr niedriges Niveau fallen werden. Insbesondere im östlichen „Rye Belt“ kann die Versorgungslage eng werden. Daher ist es ratsam Roggen weiter einzulagern.

Geteilter Roggenmarkt

Weltweit ist in den vergangenen Wochen Ruhe an den Getreidemärkten eingekehrt. Ob der Blick sich auf die Börsen von Chicago bis Paris richtet oder in die Seehäfen am Golf von Mexiko, im Schwarzen Meer oder an die europäische Atlantikküste, die Preisentwicklung zeigt das gleiche Bild. In Chicago bewegte sich in den vergangenen Wochen der Weizenkurs zwischen 180 und 190 US$/t und in Paris zwischen 198 €/t und 202 €/t. Der Hard Red Winter fob Golf von Mexiko wurde Mitte November für 204 €/t gehandelt, der Mahlweizen fob Rouen für 205 €/t und in den Schwarzmeerhäfen für 200 €/t. Angebot und Nachfrage halten sich im „Rye Belt“ bei dem aktuellen Preisniveau die Waage. Die Verkäufer und Käufer sind regelmäßig am Markt aktiv. Dabei befürchten weder die Verkäufer aufgrund des eingeschränkten weltweiten Angebots einen Preisverfall, noch erwarten die Käufer aufgrund der komfortablen Vorratssituation zu Beginn des Vermarktungsjahres einen Preisanstieg. Allerdings lenkt insbesondere die aktuelle Schätzung im Novemberbericht des amerikanischen Landwirtsministeriums (USDA) den Blick auf die Lage in China.

Basierend auf den Daten des NBS China (National Bureau of Statistics of China) hat das USDA die Versorgungsbilanzen für China stark korrigiert. Die Korrektur wurde für die Jahre 2007/08 bis 2017/18 vorgenommen. Gegenüber dem Oktoberreport wurden die chinesischen Lagervorräte im USDA-Bericht zum 30. Juni 2019 für Mais, Weizen und Reis um insgesamt 174 Mio. t auf 465 Mio. t angehoben. Damit würden 61 % der weltweiten Vorräte von 764 Mio. t in China lagern. Das Erstellen der chinesischen Versorgungsbilanz ist ein Puzzlespiel. Die veröffentlichten Daten des NBS China sind meist unvollständig. China veröffentlicht z. B. für Mais nur Produktionsdaten. Die Verbrauchsdaten werden vom USDA auf Basis von Handelsbilanzen, der Tierproduktion, dem Verbrauch von Eiweißfuttermittel und anderer statistischer Daten geschätzt. Am Ende bleiben viele Fragezeichen. Aufgrund des hohen Einflusses auf die weltweiten Versorgungsbilanzen werden die Schätzungen der chinesischen Handelsbilanzen stark diskutiert. In China leben mit 1,4 Mrd. Menschen 18 % der weltweiten Bevölkerung. Die chinesischen Landwirte produzieren laut Prognose in 2018 539 Mio. t Getreide und Reis. Dies sind 21 % der weltweiten Produktion. Der Verbrauch für die menschliche Ernährung, die Tierproduktion und die industrielle Verwertung wird in 2018/19 auf 561 Mio. t geschätzt. Damit liegt der Verbrauch höher als die Produktion. Die Differenz wird durch Importe von 26 Mio. t ausgeglichen. Gleichzeitig werden 3 Mio. t exportiert. Insgesamt sollen die Vorräte um 1 Mio. t in China steigen. Dabei sollen die Weizenvorräte um 13 Mio. t auf 144 Mio. t steigen und die Reisvorräte um 3 Mio. t auf 113 Mio. t, während die Maisvorräte um 15 Mio. t auf 208 Mio. t fallen sollen. Die schwindelerregend hohen chinesischen Zahlen werden deutlich, wenn das Verhältnis Vorrat zu Verbrauch betrachtet wird. Bei Weizen beträgt das Verhältnis 117 %, bei Futtergetreide 70 % und 79 % bei Reis. Für Gesamtgetreide wären es 83 %. China kann laut offiziellen Zahlen den Getreideverbrauch für 10 Monate allein über die Vorräte sicherstellen. Bei diesen Zahlen könnte China einige „Missernten“ in Folge abpuffern. Bei diesen gigantischen Vorräten stellt sich schnell die Frage der Güte der Lagerhaltung und des nationalen Lagermanagements.

Im Schatten der chinesischen Statistiken und der Seitwärtsbewegung bei Weizen, Gerste und Mais hält im „Rye Belt“ die Ruhe am Roggenmarkt an. Auffällig bleibt weiterhin das sehr große Preisgefälle zwischen dem östlichen und dem westlichen „Rye Belt“. Während die Landwirte in Russland knapp 100 €/t erzielen, wird in Deutschland ab Station bis zu 190 €/t bezahlt. Der Unterschied zwischen Ost und West liegt in der unterschiedlichen Verwendung des Roggens. In Deutschland wird Roggen neben der menschlichen Ernährung, als Futtermittel, in Biogasanlagen und in der Ethanolproduktion eingesetzt. Roggen kann damit Weizen, Gerste und Mais ersetzen. Der Roggenpreis orientiert sich damit an dem Ersatzwert, wobei in Jahren des Angebotsüberhangs ein Abschlag auf den Ersatzwert vorgenommen wird. Im östlichen „Rye Belt“ löst dagegen Roggen trotz wissenschaftlicher Versuche weiterhin bei vielen Landwirten in der Verwendung als Futtermittel ein ungutes Gefühl aus. Der Absatz Richtung industrieller Verwertung wie Biogasanlagen oder Ethanolproduktion fehlt. Die Folge ist eine starke Unterbewertung des Roggens.

In Russland konnte in den vergangenen Wochen am Binnenmarkt im Gegensatz zum Exporthafen ein leichter Aufwärtstrend beobachtet werden. Der Brotweizenpreis stieg von 10.860 RR/t (141 €/t) auf 11.250 RR/t (148 €/t) und der Futterweizen von 9.330 RR/t (121 €/t) auf 9.830 RR/t (129 €/t) und der Brotroggen von 7050 RR/t (91 €/t) auf 7.440 RR/t (98 €/t). Die Getreidelagerung hat sich für die landwirtschaftlichen Betriebe in Russland in diesem Jahr gerechnet. Seit Anfang August ist zum Beispiel der Roggenpreis um 1.820 RR/t (24 €/t) gestiegen. Allerdings zeigt die hohe Preisdifferenz zwischen Roggen und Weizen weiterhin eine starke Unterbewertung des Roggens. Dies ist sehr erstaunlich, da die Roggenvorräte in 2018/19 von 270.000 t auf 115.000 t fallen sollen. Das Verhältnis Vorrat zu Verbrauch beträgt am 30. Juni 2019 nur noch 7,5 %. Damit reichen die Vorräte im Inland nicht einmal für einen Monat. Der Übergang der Versorgung von der eingelagerten Ernte 2018 zur Ernte 2019 ist damit in Russland gefährdet. Das Schließen der Lücke durch Importe aus den Nachbarländern erscheint aufgrund der dortigen niedrigen Vorräte wenig wahrscheinlich. In Weißrussland beträgt das Verhältnis Vorrat zu Verbrauch 6,3 % und in der Ukraine 12,5%. Die absolute Summe der Vorräte ist in Weißrussland mit 41.000 t und in der Ukraine mit 49.000 t insgesamt niedrig. Insgesamt sind aufgrund der Größe der Länder und damit der Transportentfernung die logistischen Herausforderungen zur Versorgung der regionalen Mühlen zu beachten. Es ist zu erwarten, dass daher die Differenz zwischen dem Preis ab Station landwirtschaftlicher Betrieb und dem Preis franko Roggenmühle im Laufe des Vermarktungsjahres zunehmen wird. Trotz der zunehmenden Transportkosten sind weiterhin steigende Roggenpreisen im ersten Halbjahr 2019 zu erwarten.

Auch in der Ukraine sind die Preise leicht gestiegen. Für Brotweizen wird franko Mühle 6.250 UAH/t (201 €/t) bezahlt. Dies sind 130 UAH/t (4 €/t) mehr als im Oktober und 180 UAH/t (6 €/t) mehr als in der Ernte. In der Ukraine hatte der Weizenpreis bereits in der Ernte angezogen und stieg daher zu Beginn der Lagerperiode kaum noch an. Auch der Roggenpreis erhöhte sich seit Anfang August nur um 400 UAH/t (13 €/t) auf 3.950 UAH/t (127 €/t). Ähnlich wie beim östlichen Nachbarn ist der Roggen stark unterbewertet. Daher sollte die Ware erst im 1. Halbjahr 2019 verkauft werden, wenn die Knappheit am Markt nicht mehr zu übersehen ist.

Während in Polen der Weizenmarkt leicht nach oben zeigt, bewegt sich der Roggenmarkt seitwärts. Der Preis für Brotweizen ist franko Mühle um 30 PLN/t (7 €/t) auf franko Mühle 855 PLN/t gestiegen. Allerdings schwanken die Preise in Abhängigkeit der Qualität und der Region zwischen 820 bis 890 PLN/t. Mit einem leichten Preisabschlag von 10 bis 30 PLN/t ist Futterweizen am Markt weiterhin gefragt. Damit ist die Preisdifferenz zu Mais, der zwischen 700 – 760 PLN/t (163 – 176 €/t) liegt, hoch. Dies könnte den Futterweizenpreis in den kommenden Wochen unter Druck setzen. Besonders die Importe vom ukrainischen Mais für 700 PLN/t bremsen die Preisentwicklung. Erfreulich ist in Polen die Zunahme der Exportaktivitäten. Mittlerweile sind 755.000 t Getreide exportiert worden. Dies steht im Vergleich zu 525.000 t im Vorjahr. Trotz der niedrigen Roggenernte wurden bereits 70.000 t exportiert. Der Preis für Brotroggen ist weiterhin mit 750 PLN/t (175 €/t) und für Futterroggen mit 705 PLN/t (164 €/t) stabil.

Gestützt wird der polnische Markt durch die Exporte Richtung Deutschland. In den östlichen Produktionsgebieten Deutschlands wird Brotroggen zwischen 175 und 185 €/t geboten. Vereinzelt werden Preise von 190 €/t ab Station genannt. In den deutschen Verbrauchsregionen im Norden, Westen und Süden wird franko Mühle Brotroggen 205 und 210 €/t notiert. Regional liegt der Preis für Brotroggen dabei oberhalb des Preises für Brotweizen. Roggen bleibt bis zur Ernte 2019 aufgrund des knappen Angebots seitens der Mühlen gefragt.

Im Gegensatz zum deutschen Markt haben die Getreidepreise in Dänemark leicht nachgegeben. Nach der Dürre in den Sommermonaten hat sich der Getreidemarkt damit beruhigt. Der Brotweizenpreis fiel um 10 DKK/t (1,5 €/t) auf 1.655 DKK/t (222 €/t), der Futterweizenpreis um 40 DKK/t (5 €/t) auf 1.475 DKK/t (198 €/t), der Brotroggen um 40 DKK/t auf 1.455 DKK/t (195 €/t) und der Futterroggen um 50 DKK/t (6,5 €/t) auf 1.315 DKK/t (176 €/t). In Dänemark ist damit Futterroggen weiterhin ein attraktives Futtermittel.

Den kompletten Marktbericht von Dr. Reimer Mohr lesen Sie hier.

Marktpreise

Deutschland Nord, West, Süd

210 €/t
Brotroggen

Deutschland Ost

190 €/t
Brotroggen

Russland (geliefert frei Erfasser)

98 €/t
Brotroggen


Polen (geliefert frei Erfasser)

175 €/t
Brotroggen

Dänemark (ab Hof)

195 €/t
Brotroggen

Ukraine (ab Hof)

127 €/t

Stand November 2018, Preise aus dem Marktkommentar von Dr. Reimer Mohr.