Aufwind im östlichen Rye Belt

Roggenfeld

08.01.2019

Der weltweite Roggenmarkt ist im laufenden Vermarktungsjahr knapp versorgt. Vor allem im östlichen "Rye Belt" (Roggenanbaugürtel) ist ein weiterer Preisanstieg zu erwarten. Daher kann mit dem Verkauf des eingelagerten Roggens aufgrund des knappen Angebots noch gewartet werden. Im westlichen Rye Belt ist ein kurzfristiger Preisanstieg aufgrund des hohen Preisniveaus nicht zu erwarten. Hier sollte die Vermarktung mit Teilmengen fortgesetzt werden. Insgesamt ist der Preistrend für den Roggenmarkt in 2019 durch die engen Versorgungsbilanzen positiv zu beurteilen.

Aufwind im östlichen Rye Belt

Nach einer anhaltenden Seitwärtsbewegung in den vergangenen Monaten bewegten sich die Kurse an den internationalen Getreidemärkten Mitte Dezember leicht nach oben. In Chicago stieg der Kurs für den Dezemberweizen um 10 $/t auf 195 $/t. In den Seehäfen am Golf von Mexiko erhöhten die US-Exporteure die Gebote für den Soft Red Winter um 11 $/t auf 228 $/t und für den Hard Red Winter um 16 $/t auf 247 $/t. Auch russischer Weizen ist mittlerweile teuer. In den Schwarzmeerhäfen wurden für Brotweizen Richtung Ägypten Preise fob von 242 $/t (212 €/t) genannt. In Paris kletterte der Kurs für den Märzweizen um 7 €/t auf 207 /t und im Exporthafen Rouen auf 212 €/t. Die positive Stimmung am Weizenmarkt hat sich im östlichen Rye Belt auch auf den Roggenmarkt übertragen. Nach der Lethargie zu Beginn der Vermarktungssaison haben sich dort die Preise nach oben bewegt. Im Folgenden werden die Hintergründe für den Preisanstieg und die Marktaussichten für die kommenden Wochen analysiert.

Aufgrund des weltweiten Rückgangs der Weizenproduktion gegenüber dem Vorjahr um 30 Mio. t auf 733 Mio. t wurde bereits in der Ernte ein knapperes Angebot von Brotweizen für die Wintermonate erwartet. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) hat den weltweiten Weizenhandel im Dezemberbericht gegenüber dem Vormonat um 1,5 Mio. t auf 177 Mio. t (Vj. 181 Mio. t) zurückgenommen. Die aktuellen Handelsabschlüsse rund um den Globus sind die ersten Vorboten für die veränderte Angebotslage. Das rückläufige Angebot am Weltmarkt wird auch an den geringen Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen Herkünften deutlich: Während in den USA und Argentinien für einfachen Brotweizen 230 $/t gefordert werden, sind dies am Atlantik und in den Schwarzmeerhäfen mittlerweile 240 $/t. Dabei muss beachtet werden, dass die Schwarzmeerhäfen gegenüber der Atlantikküste noch einen Frachtvorteil haben. In den kommenden Wochen geht der Blick auf die Südhalbkugel, auf der die Druschsaison beginnt. In Australien wird dürrebedingt eine kleinere Ernte eingefahren. Das USDA hat gegenüber der Novemberprognose die Produktion nochmals um 0,5 Mio. t auf 17 Mio. t (Vj. 21 Mio. t) reduziert. Die Exporte wurden sogar um 1 Mio. t auf 10,5 Mio. t (Vj. 14 Mio. t) reduziert. Erschwerend kommen aktuell noch die Regenfälle in der Ernte hinzu. Es wird befürchtet, dass Futterweizen statt Brotweizen geerntet wird. In Argentinien wächst hingegen eine sehr gute Ernte heran. Allerdings dämpften in der beginnenden Ernte Frost und Hagel in der Provinz Buenos Aires die Erwartungen. Die tatsächlichen Auswirkungen können noch nicht beziffert werden. Infolge der Ausdehnung der Fläche um 200.000 ha auf 6 Mio. ha schätzt das USDA die Weizenernte auf 19,5 Mio. t (Vj. 18,5 Mio. t). In der USDA-Prognose sind die aktuellen Witterungsereignisse aber noch nicht berücksichtigt. Die argentinischen Getreidebörsen in Buenos Aires und Rosario schätzen die Weizenernte derzeit zwischen 18,7 und 19 Mio. t.

Deutlich knapper ist der weltweite Gersten- und Roggenmarkt versorgt. Die Vorräte bei Gerste sind weltweit in den vergangenen drei Jahren 8,9 Mio. t auf 17,4 Mio. t gesunken. Das Verhältnis Vorrat zu Verbrauch beträgt bei einem jährlichen Konsum von 143 Mio. t nur noch 12,2 %. Die Vorräte haben damit nur noch eine Reichweite von 1,5 Monaten. Noch enger ist das Verhältnis bei Roggen. Die weltweite Produktion ist im Dezember vom USDA nochmals um 65.000 t auf 10,5 Mio. t gesenkt worden. Die US-Analysten haben nach Meldungen aus Kanada die dortige Ernte von 300.000 t auf 235.000 t gesenkt. Dies steht im Vergleich zum dreijährigen Durchschnitt von 360.000 t. Weltweit sollen die Roggenvorräte gegenüber dem Vorjahr um 181.000 t auf 1,06 Mio. t fallen. Damit sinkt das Verhältnis Vorrat zu Verbrauch auf 9,9 %. Dabei fällt auf, dass die Vorräte außerhalb der EU-28, in der 730.000 t zum 30. Juni 2019 lagern sollen, auf ein Minimum sinken sollen. In der Prognose der weltweiten Versorgungsbilanz schlagen sich bereits die niedrigen Erntemengen im starken Rückgang des Verbrauchs im Vorjahresvergleich um 2 Mio. t auf 10,7 Mio. t nieder. Am Ende kann nicht mehr Ware verbraucht werden als produziert wurde und im Lager liegt. Daher ist es im gesamten Rye Belt für die Mühlen ratsam Roggen sich bereits jetzt bis zur Ernte 2019 zu sichern. Unabhängig vom Preis wird am Ende der Saison regional Ware fehlen. Im Gegensatz zur Mehlproduktion können die Mischfutterindustrie, die Ethanolwerke und die Biogasanlagen auf andere Getreidearten ausweichen.

Bemerkenswert ist die weltweite Handelsbilanz. Beim Roggen ist der Welthandel mit 3 % der Produktion mit Vergleich zum Weizen mit 24 % marginal. Im laufenden Vermarktungsjahr sinkt der Welthandel gegenüber dem Vorjahr von 469.000 t auf 335.000 t. Davon fallen allein auf den Handel von Kanada mit den USA, Japan und Südkorea 150.000 t. Weitere 100.000 t exportiert die EU-28. Bei einem Importbedarf der USA von 200.000 t ist zu erwarten, dass die EU-28 nach Kanada der zweitgrößte Lieferant sein wird. Die USA hat auf der Importseite einen Weltmarktanteil von 60 %. Aber auch die EU- 28 soll 50.000 t importieren. Als Lieferanten stehen die östlichen Nachbarländer Ukraine, Russland und Weißrussland zur Verfügung. Mit Ausnahme von Kanada baut kein Land auf der Welt Roggen für den internationalen Markt an. Aufgrund der knappen Vorräte könnte hier eine Marktlücke entstehen.

Das knappe Angebot führte in Russland in den vergangenen 4 Wochen zu einem Anstieg der Roggenpreise um 750 RR/t (10 €/t) auf 8.190 €/t (109 €/t). Gegenüber dem Erntepreis von 5.620 RR/t (72 €/t) ist der Roggen sogar um 2.570 RR/t (37 €/t) gestiegen. Die Roggenlagerung war daher bereits in den ersten 5 Monaten der Lagerperiode hoch wirtschaftlich. Allerdings ist der Roggenpreis im Vergleich zum Weizenpreis immer noch zu niedrig. Bei einem Preis für Futterweizen von 10.150 RR/t (135 €/t) wäre der Einsatz im Mischfutter sehr rentabel. Bereits bei einer Preisdifferenz zum Futterweizen von 450 bis 750 RR/t ist der Einsatz von Roggen in der Fütterung sinnvoll. Im Vergleich zum Erntezeitraum ist die Differenz von 2.650 RR/t (34 €/t) auf 1.960 RR/t (26 €/t) gefallen. Damit war der Preisanstieg für Roggen höher als für Futterweizen. Durch die knappe russische Roggenversorgung sind im ersten Halbjahr 2019 weitere Preissteigerungen zu erwarten. Daher ist es ratsam den Roggen weiter einzulagern.

Im Gegensatz zum russischen Markt bewegte sich der ukrainische Markt nahezu seitwärts. Der Brotweizenpreis blieb bei 6.275 UAH/t (200 €/t) franko Verarbeiter nahezu stabil. Der Roggenpreis stieg im gleichen Zeitraum um 100 UAH/t (3 €/t) auf 4.050 (129 €/t). Der Roggenpreis stieg in der Ukraine seit der Ernte um 500 UAH/t (16 €/t). Durch das deutliche höhere Startniveau in der Ernte fiel der Preisanstieg geringer als in Russland aus. In Anbetracht des niedrigen Roggenpreisniveaus im Vergleich zum Weizenpreis und dem Preis für Brotroggen im Nachbarland Polen ist auch in der Ukraine ein weiterer Preisanstieg zu erwarten. Der Roggen sollte daher vorerst im Lager bleiben. Allein die sehr niedrigen Vorräte von 39.000 t zum 30. Juni 2019 werden bei einer weiteren Abwärtskorrektur zu Preisphantasien führen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Nachbarländer auch sehr enge Versorgungsbilanzen aufweisen.

Im Gegensatz zum östlichen Rye Belt sind die Roggenpreise in Polen in den letzten Wochen leicht rückläufig. Der Preis für Brotroggen fiel franko Verarbeiter von 755 PLN/t (175 €/t) auf 740 PLN/t (172 €/t) und der Futterroggen von 705 PLN/t (164/t) auf 690 PLN/t (160 €/t). Dagegen blieb der Brotweizenpreis mit 855 PLN/t (200 €/t) und der Futterweizenpreis mit 845 €/t (196 €/t) stabil. In Polen ist bereits Anfang Dezember am Getreidemarkt Ruhe eingekehrt. Die Mühlen und Mischfutterwerke sollen bis in den Februar hinein ausreichend Ware gekauft haben. Die Exporte laufen für Getreide wie im Vorjahr insgesamt sehr langsam. Neben 801.000 t Weizen in den ersten 5 Monaten des Vermarktungsjahres wurden auch 85.000 t Roggen über die Seehäfen exportiert. Als Käufer kommen die skandinavischen Länder in Frage, in denen die Roggenernten sehr niedrig ausgefallen sind. In Dänemark fiel die Produktion laut Coceral von 733.000 t auf 478.000 t, in Finnland von 110.000 t auf 42.000 t und in Schweden von 150.000 t auf 89.000 t. Auch in den drei baltischen Staaten fiel die Produktion insgesamt um 47.000 t auf 180.000 t. Insbesondere in Finnland besteht ein Zuschussbedarf. Aber auch Polen hat mit 2,3 Mio. t (Vj. 2,7 Mio. t) eine niedrige Ernte eingefahren. Aufgrund des Preisgefälles zu Deutschland fließt auch Ware Richtung Westen.

In den östlichen deutschen Bundesländern werden für Brotroggen ab Station zwischen 175 und 180 €/t bezahlt. Vereinzelt werden in frachtgünstigen Regionen Richtung Westdeutschland bei guter Verhandlung Preise von 185 bis 190 €/t genannt. In den westdeutschen Verbrauchsregionen hat sich der Preis in den vergangenen Wochen nicht bewegt. Dort werden weiterhin zwischen 205 und 210 €/t franko Mühle bezahlt. Damit liegt der Preis für Brotroggen knapp unter dem Weizenpreis. Die ersten Preisnennungen für die Ernte 2019 sind in den östlichen Überschussregionen mit 155 bis 165 €/t in Anbetracht der knappen Vorräte seitens der Käufer vorsichtig kalkuliert.

Im Gegensatz zum deutschen Markt zeigt der dänische Roggenmarkt leicht nach oben. Der Preis für Brotroggen stieg franko Verarbeiter 1.455 DKK/t (195 €/t) auf 1.475 DKK/t (198 €/t) und der Futterroggen von 1.315 DKK/t (176 €/t) auf 1.335 DKK/t (179 €/t). Für Brotroggen wird damit nahezu der Preis für Futterweizen von 1.485 DKK/t (199 €/t) bezahlt. Damit spiegelt der Markt die Knappheit von Brotroggen wieder, sodass er in der Mischfutterration nicht wettbewerbsfähig ist und somit der Mühlenindustrie zur Verfügung steht. Dagegen ist der Futterroggen bei einer Preisdifferenz von 150 DKK/t (20 €/t) im Futtertrog ein wirtschaftliches Futtermittel. Aufgrund der hohen Preisdifferenz zum Futterweizen ist es ratsam den Futterroggen weiter zu lagern.

Den kompletten Marktbericht von Dr. Reimer Mohr lesen Sie hier.