Situation der Getreidebestände nach dem Winter

25.02.2021

In diesem Jahr haben wir mal wieder einen Winter erlebt, der seinen Namen auch verdient hat. Mit frostigen Temperaturen ab dem Jahreswechsel und anhaltenden Schneefällen bis ins Tiefland hinein war Deutschland fast komplett vom Wintereinbruch betroffen.

Doch stellt sich nun bei vielen Landwirten die Frage: Wie haben meine Getreidebestände den Winter überstanden?

Dabei ist die Wahrheit auf dem Feld zu finden. Auf jedem Schlag muss der Zustand der Einzelpflanzen und die Bestandesdichte kontrolliert werden.

Folgende Auswinterungsereignisse können auftreten:

Folgen

In diesem Jahr müssen unsere Getreidebestände unter der teilweisen sehr mächtigen Schneedecke seit Anfang Januar leiden.

Bei Wintergerste ist davon auszugehen, dass es vermehrt zu Schneeschimmel und Typhula kommt.

Handlungsempfehlung

Kontrolle der Bestände auf Schadsymptome

Sind einzelne Triebe oder der Vegetationskegel noch grün?

Wenn ja: Bestand wird sich erholen und kann wiederaufgebaut werden.

Wenn nein: Geruchsprobe an der Pflanzenwurzel (riecht frisch oder muffig vergammelt).

Zusätzlich sollten einzelne Pflanzen ausgegraben und bei Zimmertemperatur aufgetaut werden. Zur Reduktion der Transpiration müssen die Blätter und Wurzeln auf zwei Zentimeter gekürzt werden. Anschließend werden die Pflanzen in feuchtes Küchenpapier und Plastikbeutel gelegt und bei Zimmertemperatur und ausreichend Licht aufbewahrt. Nach 3 - 5 Tagen zeigen vitale Pflanzen grüne Triebspitzen. Die Weizenpflanzen brauchen etwas länger als Gerste (LLF MV 2016).

Behalten Sie Ihre Bestände im Auge, um voreilige Umbruchentscheidungen zu vermeiden. Die Wirtschaftlichkeit einer jeden Neuansaat ist im Vorhinein genau zu kalkulieren.

Tipps zur Andüngung

Die Andüngung wird witterungsbedingt später ausfallen als in den vorherigen Jahren. Beachten Sie die Vorgaben der aktuell geltenden DüV und der länderspezifischen Regelungen: Keine Düngemaßnahme, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, schneebedeckt oder gefroren ist -> Aufbringverbot.

Grundsätzlich muss entschieden werden, ob der Bestand den standortspezifischen Ansprüchen an Pflanzen/m² und starken Trieben/Pflanze entspricht. Verwenden Sie bei schwachen Beständen schnellwirkenden Stickstoffdünger mit Schwefel (z. B. SSA) und halten Sie dabei den pH-Wert im Auge.

Chemische Behandlung

Schwache Bestände mit 1 - 2 Trieben je Pflanze können durch eine gezielte Wachstumsreglermaßnahme mit Chlormequatchlorid ab einem Entwicklungsstadium BBCH 25 die Bestockung anregen (bitte Handlungsempfehlungen beachten).

Für einen gezielten Fungizideinsatz beachten Sie bitte die regional auftretenden Krankheiten. Bei Gerste wird eine frühzeitige, breite Absicherung ab BBCH 30/31 gegen Netzflecken, Mehltau, Zwergrost und Rhynchosporium empfohlen.

Bei Weizen empfiehlt sich eine gezielte Maßnahme gegen Mehltau, Gelbrost und Halmbruch.

Wenn Sie weitere Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, mich zu kontaktieren.

Inga Jürgens
Inga Jürgens
Vertriebsberaterin nördliches Mecklenburg-Vorpommern inkl. Prignitz
E-Mail senden
KONTAKT