Die „Läuse-Gefahr“ ist noch nicht vorbei!

Ausfallgetreide als grüne Brücke unbedingt beseitigen! (KWS LOCHOW, 2020)

Ausfallgetreide als grüne Brücke unbedingt beseitigen! (KWS LOCHOW, 2020)

Besonders bei milder Witterung zwischen September und November können wir mit einem zunehmenden Druck durch Läusebefall rechnen. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit dem Verzwergungsvirus ist hoch.

Typische Symptome des Gelbverzwergungsvirus auf den Gerstenflächen sind gelbe Verfärbungen der Blätter und Verzwergung der Pflanzen. Bei früh gesätem Getreide können diese Symptome vereinzelt im Herbst auftreten, aber vor allem im Frühjahr werden der gestauchte Wuchs und die Verfärbung sichtbar. Auch der Weizen kann von diesem Virus befallen werden. Die Weizenflächen sehen im Herbst ähnlich aus, jedoch wird im Frühjahr die Rotspitzigkeit der Blätter sichtbar. Ebenso kann der Roggen von dem Gelbverzwergungsvirus befallen werden. Jedoch ist er die robusteste Kultur gegenüber dem Virus und zeichnet auch im Frühjahr kaum. Das Weizenverzwergungsvirus wird meist verwechselt mit dem Gelbverzwergungsvirus, da sich die Schadbilder sehr ähneln. Doch durch den Weizenverzwergungsvirus verfärben sich die Fahnenblätter leuchtend gelb und nicht rot. Der Befall beginnt zumeist am Feldrand und es bilden sich sogenannte „Elefantenspots“, diese verlaufen beim heranschreitenden Befall ineinander.

Das Gelbverzwergungsvirus wird vor allem durch die Große Getreideblattlaus, Haferblattlaus und Bleiche Getreideblattlaus übertragen. Im Falle des Winterweizens findet die Übertragung durch eine bestimmte Zikadenart der sogenannten Wander-Sandzirpe statt.

Wichtig:

Gerade mit der endenden Maisernte, der fortlaufenden Ernte der Zuckerrüben und dem oftmals vor Kurzem stattgefundenen letzten Grünlandschnitt werden die jungen Getreidebestände immer lukrativer für die Läuse. Aus diesem Grund gilt weiterhin eine erhöhte Beobachtungsintensität, vor allem bei Frühsaaten im September!

Die Insekten sind insbesondere von Ende Mai bis Anfang Oktober aktiv. Wenn die Vermehrungsrate von den genannten Insekten zu hoch ist und ein Nahrungsmangel entsteht, werden vor allem geflügelte Weibchen gebildet. Diese fliegen zu dem Ausfallgetreide und Gräsern, wo sie sich zu Weibchenmüttern weiterentwickeln, welche wiederum das Wintergetreide besiedeln. Die Vermehrungsrate ist zwischen 20 °C bis 25 °C am höchsten. Bei niedriger Temperatur wird die Vermehrungsrate geringer. Aus diesem Grund sollte die Normal- und Spätsaat angestrebt werden, da in dieser Zeit der temperaturabhängige Zuflug bzw. die Vermehrungsrate von Blattläusen und Zikaden deutlich geringer als in der Frühsaat ist.

Aber nicht nur der Aussaattermin, sondern auch eine optimale Insektizidbehandlung ist für die Verminderung von Virusinfektionen notwendig. Da Insektizide nur eine Wirkungsdauer von ca. 7 Tagen haben, sollte auf Befallsschwellen geachtet und nicht prophylaktisch behandelt werden. Die Befallsschwelle liegt im Herbst bei 10 % Befallshäufigkeit, d. h., dass jede 10. Pflanze befallen sein muss, bevor man ein Insektizideinsatz in Erwägung zieht. Als bewährter und zugelassener Wirkstoff für diese Insektizidbehandlung ist u. a. lambda-Cyhalothrin zu nennen. Um einen bestmöglichen Spritzerfolg zu generieren, sollte die Anwendung während der Abendstunden und bei hoher Aktivität der Zikaden erfolgen, um möglichst viele von Ihnen zu erfassen.

Zusammengefasst:

Achten Sie vor allem in Septembersaaten auf einen eventuellen Läusezuflug. Gerade mit der endenden Maisernte, der fortlaufenden Ernte der Zuckerrüben und dem oftmals vor kurzem stattgefundenen letzten Grünlandschnitt siedeln oftmals Läuse in die Getreidebestände über. Beseitigen Sie außerdem Ausfallgetreide, um grüne Brücken zu vermeiden (falls noch nicht geschehen). Oftmals lassen sich diese Maßnahmen mit einer Spurennährstoffdüngung kombinieren

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