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    Die Vorteile des Hybridroggens

Hybridroggen sorgt für Stabilität in modernen Fruchtfolgen

Hybridroggen bringt einige Eigenschaften mit sich, die Antworten auf die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Getreideanbau liefern. Sein gutes Nährstoffaneignungsvermögen sichert den Ertrag auch unter den Restriktionen der Düngeverordnung, die Trockentoleranz hilft die zunehmende Frühsommertrockenheit zu überstehen und seine hohe Widerstandskraft gegenüber vielen Pflanzenkrankheiten sorgt für einen gesunden Bestand, auch nach Wegfall weiterer fungizider Wirkstoffe. Der Trend enger weizenbetonter Fruchtfolgen ist an seine Grenzen geraten, der Stoppelweizenanbau muss in den meisten Regionen der Vergangenheit angehören. Auf dieser Seite ist dargestellt, warum auch Landwirte auf mittleren und besseren Standorten mit dem Hybridroggenanbau erfolgreich sind.

Stetiger Zuchtfortschritt lässt die Roggenerträge weiterhin ansteigen

Seit der Zulassung der ersten Hybridroggensorten im Jahr 1984 ist der Zuchtfortschritt des Hybridroggens im Vergleich zu Populationssorten und anderen Getreidearten stetig und überdurchschnittlich hoch. Beim Roggen als Fremdbefruchter ist die Hybridzüchtung bereits etabliert, bei anderen Getreidearten steckt sie noch in den Kinderschuhen. Derzeit ist Roggen die einzige Getreideart, bei der die Hybridzüchtung wirtschaftliche Mehrerträge gegenüber den besten Liniensorten liefert. Moderne Hybridroggensorten haben heute einen ertraglichen Vorteil von über 20 % gegenüber Populationsroggen. In unserer interaktiven Ergebnisgrafik können Sie entdecken, wie unsere Sorten in ihrer Region abschneiden.

Hybridroggen ist die ertragsstärkste Getreideart

Oft wird vermutet, dass Roggen ertragsschwächer ist als andere Getreidearten, was schlichtweg daran liegt, dass er aufgrund seiner Robustheit oft auf ertragsschwachen Standorten angebaut wird. Eine Analyse der Getreideerträge in den Landessortenversuchen hat ergeben, dass Hybridroggen auf leichten, aber auch auf besseren Böden die ertragsstärkste Kultur ist. Dabei sind unter optimalen Bedingungen ohne Weiteres auch Erträge von über 100 dt/ha möglich.

Kosteneffizienz und Ressourcenschonung eng verbunden

Hohe Hybridroggenerträge können bei geringem Input erwirtschaftet werden. Der Hybridroggen hat ein besonders ausgeprägtes Wurzelwerk, wodurch die Wasser-/ Nährstoffaufnahme effizienter ist als bei anderen Getreidearten. Seine hohe Widerstandskraft gegenüber vielen Pflanzenkrankheiten reduziert die Fungizidintensität gegenüber anderen Getreidearten. In den letzten Jahren hat die KWS Hybridroggenzüchtung besonders in der Braunrostabwehr große Erfolge erzielt. Während ältere Sorten vom Bundessortenamt mit einer mittleren bis hohen Braunrostanfälligkeit beschrieben sind, ist die Anfälligkeit moderner Hybriden als sehr gering bis gering bewertet.

Wassereffizienz immer bedeutender

In 2018 hatten viele Regionen in Deutschland mit einer ausgeprägten Frühsommertrockenheit zu kämpfen. Hybridroggen hat einen geringen Wasserbedarf, den er einerseits der guten Durchwurzelung (s. Abbildung) zu verdanken hat, andererseits ist der Wasserverbrauch des Roggens aufgrund der kleineren Blattfläche geringer. Roggen benötigt ca. 100 l weniger Wasser pro kg Erntegut als beispielsweise Weizen. Damit kann der Hybridroggen Trockenphasen länger unbeschadet überstehen.

Nährstoffeffiziente Getreideart

Mit der Novellierung der Düngeverordnung hat die Bedeutung der Nährstoffeffizienz der Kulturarten zugenommen. Auf der einen Seite profitiert der Hybridroggen durch sein hervorragendes Nährstoffaneignungsvermögen. Mit seinem ausgeprägten Wurzelsystem kann der Hybridroggen Nährstoffe effizienter verwerten als andere Getreidearten. Andererseits profitiert er durch seine Ertragshöhe und -stabilität. Roggen entzieht sicher die gedüngten Nährstoffmengen und sorgt somit für eine Einhaltung der strengen N- und P-Salden (ab 01.01.2018: 50 kg N/ha und Jahr; 10 kg P2O5/ha und Jahr).

Stickstoffbedarf

Unter Annahme der Bedarfs- und Entzugswerte aus der Düngeverordnung erreicht der Hybridroggen bereits die geringsten N-Salden aller Getreidearten. Häufig ist der Proteingehalt im Hybridroggen geringer als in der Düngeverordnung vorgesehen (11-12 % Rohprotein bei 86 % TS). Dadurch ist eine Düngung auf 150 kg N / ha inkl. Nmin bei einer Ertragserwartung von 80 dt / ha ausreichend, zugelassen wären 180 kg N / ha. Dies kann zusätzlich Luft in der N-Bilanz verschaffen. In der Tabelle ist dargestellt, wie viel Kilogramm N (Korn + Stroh) bei einem praxisüblichen Rohproteingehalt entzogen werden. Demgegenüber steht die maximal zulässige N-Düngung.

Vergleich N-Entzug auf Praxisniveau mit zulässiger N-Düngung

Vergleich N-Entzug auf Praxisniveau mit zulässiger N-Düngung

Sinnvolle Verwertung höherer P-Mengen

Während der N-Entzug von zwei Faktoren, dem Proteingehalt und dem Kornertrag, abhängt, wird der P-Entzug über den reinen Kornertrag berechnet. Hier sind die Entzugswerte für alle Getreidearten nahezu gleich. Lediglich bei Strohbergung werden die Entzüge für Roggen, aufgrund des etwas höheren Strohanteils, höher angesetzt. Besonders in den Veredlungsregionen ist der P-Gehalt der organischen Dünger der limitierende Faktor für die maximale Ausbringmenge.

Veredlungsbetriebe, die mit ihrem Getreideanbau möglichst hohe P-Entzüge realisieren müssen, sollten auf die Ertragshöhe und -stabilität des Hybridroggens setzten. Ausführliche Informationen zur Roggendüngung finden Sie in unserem Beratungsbereich.

Düngerstreuer Roggen

Einsparpotenzial im Pflanzenschutz

Abbildung: Braunrostanfälligkeit moderner Hybridroggensorten im Vergleich zu CONDUCT

Abbildung: Braunrostanfälligkeit moderner Hybridroggensorten im Vergleich zu CONDUCT

Bei zunehmenden Resistenzen gegenüber Pflanzenschutzmitteln und dem Wegfall von Wirkstoffen aus verschiedenen Gründen wird eine robuste Kulturpflanze immer wichtiger. Im Weizen- und Gerstenanbau machen in erster Linie die Krankheiten Seporia tritici und Ramularia Probleme. Die erfolgreiche Behandlung beider Krankheiten ist zunehmend vom Wirkstoff Chlorthalonil abhängig. Diese beiden resistenzgefährdenden Krankheiten spielen im Roggenanbau keine Rolle. Auch die Widerstandskraft gegenüber Braunrost, der Leitkrankheit des Hybridroggens, ist deutlich gestiegen. In der oberen Abbildung ist der Zuchtfortschritt in der Braunrostabwehr dargestellt. Da es in Deutschland bei anderen Züchtern seit 2015 keine Neuzulassungen im Hybridroggen mehr gab, endet die graue Linie in diesem Jahr. Bei neueren Roggensorten ist im Roggenanbau häufig nur eine Fungizidmaßnahme nötig. Schauen Sie sich in unserem Beratungsbereich an, wie Roggenkrankheiten bekämpft werden können.

Hybridroggen: Getreide mit Zukunft

Geringere Dünger- und Pflanzenschutzaufwendungen sparen nicht nur Geld, sondern schonen auch die Umwelt. Durch seine Effizienz hat der Roggen den kleinsten „CO2- Fußabdruck“ aller Getreidearten! Diese weichen Faktoren werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Unter Nachhaltigkeitsaspekten ist Hybridroggen die effizienteste Getreideart.

Wie steht es um die Mykotoxine im Hybridroggen?

Früheren Generationen machte der Mutterkornanteil des Roggens Sorgen, da der Roggen als Fremdbefruchter von Natur aus eine höhere Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn hat als andere Getreidearten. Durch Einkreuzung von Genen aus Wildroggen ist es der KWS Roggenzüchtung schon vor vielen Jahren gelungen, die Pollenschüttung der PollenPlus-Sorten soweit zu verstärken, dass die Mutterkornabwehr deutlich verbessert wurde.

In der Abbildung wird das Pollenschüttungsvermögen zweier Sorten miteinander verglichen. Durch eine starke Pollenschüttung findet eine schnelle Befruchtung in der Roggenblüte statt. Je schneller diese stattfindet, umso geringer ist die Gefahr einer Mutterkorninfektion.

Dass die PollenPlus Genetik einen Unterschied macht, belegen auch die Einstufungen des Bundessortenamtes. Während die Sorten anderer Züchter mit bestenfalls einer mittleren Mutterkornanfälligkeit ausgestattet sind, haben die PollenPlus-Sorten zum Teil sogar eine geringe Mutterkornanfälligkeit. In der weiteren Abbildung ist die Mutterkornabwehr und das Ertragsvermögen der PollenPlus-Sorten genau dargestellt.

Fusarium spielt beim Hybridroggen eine untergeordnete Rolle

Vergleich der DON Gehalte in Weizen- und Roggenproben

Vergleich der DON Gehalte in Weizen- und Roggenproben

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft führt jährlich ein Deoxynivalenol (DON)-Monitoring von Weizen und Roggen durch. In der Abbildung sind die Ergebnisse der Untersuchung für die Jahre 2006 – 2017 dargestellt. In nahezu jedem Jahr sind die durchschnittlichen DON-Gehalte im Weizen höher als im Roggen.

Die schlechtesten Weizenproben lagen in 8 von 12 Jahren über dem gesetzlichen Grenzwert von 1250 μg/kg. Beim Roggen war es in der Vergangenheit genau umgekehrt, hier langen in 8 von 12 Jahren selbst die schlechtesten Proben unterhalb des Grenzwertes.

Andere Getreidekrankheiten führen lediglich zur Ertragsminderung. Bei Fusarium und Mutterkorn kommt es bei zu hohem Befall zu einer Kontamination des Getreides, die dieses schädlich für den aufnehmenden Organismus und unverkäuflich macht. Durch den Anbau von PollenPlus Hybridroggen sind beide Mykotoxinquellen im aktuell bestmöglichen Ausmaß reduziert.

Doch wohin mit dem Roggen?

Etwa zwei Drittel der deutschen Roggenernte gehen in den Futtertrog. Während der Roggen in früheren Zeiten besonders als Billigmacher im Mastschweinefutter galt, zeigen neueste Studien, dass besonders die früher verteufelten Bestandteile des Roggens, wie Pentosane und andere Ballaststoffe, einen besonderen Wert in der Tierernährung haben. Sie tragen zur Sättigung und damit zur Zufriedenheit der Tiere bei, ihr Abbauprodukt Butyrat (Buttersäure) hilft die Salmonellenbelastung zu senken und wirkt in der Ebermast der Bildung des durch Skatol induzierten Ebergeruchs entgegen. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft deutlich höhere Anteile Roggen in der Schweinehaltung gebraucht werden. Dabei ist explizit auch die Sauenhaltung gemeint. Die PollenPlus-Technologie macht es möglich, dass die Mutterkornbelastung auch ausreichend für die Sauenhaltung reduziert wird. Geringe Mutterkorngehalte sind eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Roggenfütterung. Die Tierhaltung reagiert heute sehr sensibel auf jegliche Mykotoxinbelastung. Um den Mutterkorngehalt möglichst gering zu halten, sollten die Produzenten ausschließlich auf PollenPlus-Sorten setzen. Die KWS unterstützt wissenschaftliche Studien, die die Vorteile des Roggens in der Schweinefütterung herausstellen.

Die Einengung der Fruchtfolge in den letzten zehn Jahren hat uns die ackerbaulichen Grenzen aufgezeigt. Restriktionen, wie die Düngeverordnung, schränken die Reparaturmöglichkeiten ein. Es ist Zeit die Vorteile des Hybridroggenanbaus zu nutzen. In unserem Schaubild „Mit PollenPlus Hybridroggen nachhaltig in die Zukunft“ finden Sie alle Vorteile des Roggen anschaulich zusammengefasst.