Genetische Vielfalt erhalten – Diversität fördern

Dr. Klaus Oldach ist Vorzüchter - Pre-Breeder - bei KWS. Seine Hauptaufgabe ist es, genetisches Pflanzenmaterial mit Potenzial zu finden, das in die Züchtung eingebracht werden kann. „Als Pre-Breeder ist es mein Ziel, genetische Vielfalt zu erhalten und Diversität zu fördern. In dieser Funktion leiste ich eine wichtige Vorarbeit, bevor der eigentliche züchterische Prozess beginnt.“

Pre-Breeding – erklären Sie doch mal, was das eigentlich ist und wie ein Pre-Breeder arbeitet?
Aufgabe eines Pre-Breeders ist es unter anderem, für genetische Vielfalt im Zuchtmaterial zu sorgen. Das Einbringen neuer Eigenschaften bringt eine neue Genetik mit sich, wie sie noch nicht oder nicht mehr im Zuchtmaterial zu finden ist. Genetische Vielfalt ist und bleibt eine entscheidende Grundlage unserer Züchtung und KWS unterstützt daher gezielt ein professionelles und integriertes Pre-Breeding. Generell bin ich als Pre-Breeder immer auf der Suche nach genetischem Material, häufig alten Landrassen. Ich selbst bin spezialisiert auf Gerste. Ich suche diese Landrassen weltweit, es kann sein, dass sie nur in einem bestimmten Tal oder auf einem Berg in Vorderasien zu finden sind, also sehr regional vorkommen. Das, was die Landrassen dabei mitbringen müssen, sind interessante Eigenschaften für eine weitere Züchtung. Interessante Eigenschaften sind solche, die die Landwirtschaft bewegen, wie zum Beispiel Toleranz gegenüber Stress wie Wassermangel oder Hitze. Hochinteressant sind natürlich auch vielversprechende Ertragskomponenten und Resistenzen gegenüber Krankheiten. Mithilfe des genetischen Fingerabdrucks dieser Pflanzen lassen sich solche Eigenschaften in den Pflanzen erkennen. Sobald ich in den Landrassen also ein Element gefunden habe, das eine überregionale Bedeutung hat, werden sie als Züchtungs- oder Kreuzungspartner verwendet. Durch die genetische Information lassen sich die wünschenswerten Eigenschaften in den Nachkommen der eingekreuzten Landrassen finden, auch wenn keine Stressfaktoren oder Krankheiten vorliegen.

Beginnt dann die eigentliche Arbeit des Pflanzenzüchters?
Nein, noch nicht ganz. Das Material mit den eingekreuzten Eigenschaften aus Landrassen wäre dem Züchter noch zu unangepasst. Ich kreuze das genetische Material in sogenannte Eliten ein. Eliten müssen noch keine Sorten sein, es muss sich aber um vielversprechendes Züchtungsmaterial handeln. Dieses Einkreuzen erfolgt dann so lange, bis das Ergebnis agronomisch für einen Züchter passend ist und er seine eigentliche Arbeit beginnen kann.

Konkret bedeutet das, dass der Züchter genetisches Material aus alten Landrassen nutzt, um neue Sorten zu entwickeln?
Genau das macht er. Der Züchter prüft und selektiert auf Linien, die sowohl die neue Eigenschaft tragen als auch ein bestimmtes Ertragsniveau erreichen. Doch das erfordert viel Geduld und Weitblick: Erst nach mehreren Jahren hat ein Züchter wieder so weit selektiert, dass neben Resistenzen auch aufwändig Ertrag und Qualität geprüft werden können. KWS entscheidet dann nach weiteren Jahren der Prüfung, welche Kandidaten aus dem Zuchtprogramm sich für eine Prüfung durch das Bundessortenamt lohnen. Es gibt also sehr strenge Auswahlkriterien.

Gibt es spezielle Kriterien für den Ökolandbau?
Die gibt es. Noch vor der Zulassung durch das Bundessortenamt prüft KWS wiederum, ob Zuchtlinien im Programm dabei sind, die interessante Eigenschaften für den Ökolandbau besitzen – beispielsweise eine schnelle Jugendentwicklung, eine gute Bodenbedeckung, Resistenzen oder Toleranzen. Diese Sorten werden dann nochmals unter Ökobedingungen getestet.

Generell zum Thema Züchtung: Das Verbot von Herbiziden aber auch der Klimawandel stellen die Landwirtschaft – konventionell wie ökologisch – vor große Herausforderungen. Welchen Beitrag kann aus Ihrer Sicht die Züchtung leisten, um diesen Herausforderungen zu begegnen?
Aus meiner Sicht kann die Züchtung einen sehr großen und wichtigen Beitrag leisten – ich bin überzeugt, dass sich viele unserer heutigen Probleme züchterisch lösen lassen. Fakt ist doch: Für jede Pflanzenkrankheit gibt es auch eine Resistenz oder zumindest eine Toleranz, denn sonst gäbe es diese Pflanze nicht mehr. Wir müssen diese Resistenz nur finden und möglichst schnell züchterisch dann so einarbeiten, dass auch der Ertrag stimmt. Der Wegfall von Agrochemie zwingt einen züchterisch manchmal umzudenken und neue Wege zu gehen – aber das ist auch gut so.

Wer sich gerne näher mit den Themen Züchtung und Pre-Breeding beschäftigen möchte, den laden wir herzlich zum Besuch des Schaugartens auf den Ökofeldtagen ein. Der Schaugarten gewährt einen kleinen Blick hinter die Kulissen der Züchtung. Gezeigt werden verschiedene alte Landrassen von Gerste und damit die natürliche Variabilität dieser Feldfrucht. Aus dieser Vielfalt schöpft auch KWS als Pflanzenzüchtungsunternehmen, um an die Umwelt angepasste Hochertragssorten wie die Sommergerstensorte KWS Fantex zu entwickeln.

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Britta Weiland
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