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Drei Jahre Praxiserfahrung

Wie gut funktioniert Drohnenaussaat?

Zwischenfrucht-Mischung September 2023

Zwischenfrucht-Mischung September 2023 (Foto: Biermann)

BlickPunkt, Frühling 2026

Seit drei Jahren testet Landwirt Benedikt Biermann die Drohnenaussaat von Zwischenfrucht-Mischungen – und spricht im Interview ganz offen über die Chancen und Grenzen dieses Systems.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Drohnenaussaat in der Praxis gemacht?

Wir setzen jetzt seit drei Jahren auf Teilflächen eine Drohne zur Aussaat der Zwischenfrüchte ein und das erste Jahr ist sehr erfolgreich gelaufen. Mit der Aussaat hatten wir unbewusst den optimalen Zeitpunkt erwischt. Nach dem Drusch des Durums hat es ausreichend geregnet und so hatten wir einen sehr homogenen Feldaufgang. Die ganze Zwischenfrucht hat sich toll entwickelt und war dadurch eindeutig schneller als das Ausfallgetreide. Der Bestand hatte dann so einen starken Entwicklungsvorsprung, dass dieser bis in die Blüte gekommen ist und wir diesen Bestand noch vor dem Frost mit Schafen abgehütet haben und damit einen geschlossenen Kreislauf auf der Fläche hergestellt haben. Die Zwischenfrucht auf der Fläche wurde also gleichzeitig wieder über die Schafsmägen veredelt, die kompletten Zersetzungsprozesse zusätzlich beschleunigt und die Organik direkt auf der Fläche ausgebracht. Im ersten Jahr verlief demnach alles erfolgreich.

Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend für diesen Verlauf?

Man sagt, zwei bis zehn Tage vor Druschtermin sollte der Aussaattermin erfolgen und das hat 2023 wirklich gepasst. Nach acht oder neun Tagen haben wir den Durum gedroschen. Dort hatten wir dementsprechend keine Strohmassen von 9 bis 10 t/ha, wie es bei einem sehr guten Winterweichweizenbestand wäre.

Dadurch, dass das Saatgut im Optimalfall direkt auf der Bodenoberfläche liegt und die Strohschicht vom Mähdrescher obendrauf gelegt wird, fungiert diese wie ein Schwamm. Das Wasser wird als erstes vom Stroh aufgesogen. Man braucht also nennenswerte Regenmengen, damit überhaupt Wasser an das Samenkorn gelangt und es keimen kann. Unsere Erfahrung ist, dass man ca. 15 - 20 l Niederschlag/qm benötigt, damit dieser für das Saatgut wirksam ist. Das anschließende Wetter war mit regelmäßig leichten Niederschlägen ebenso passend.

Welche Erfahrungen haben Sie in den beiden Folgejahren gemacht?

Die waren nach wie vor gut. Aber wir sind auch an unsere Grenzen gekommen. Im Jahr 2024 haben wir deutlich gemerkt, wie stark Wind die Aussaat beeinflusst. Wir haben uns an den Richtwerten im Pflanzenschutz orientiert, was aber nicht ausgereicht hat. Wir haben beim Feldaufgang bemerkt, dass es zu einer Entmischung durch zu starke Winde gekommen sein muss. Die schwereren Saatgutanteile der Zwischenfrucht-Mischung KWS Fit4NEXT RAPS N-FIX sind nicht auf die komplette Arbeitsbreite der Drohne geflogen. Das war sehr deutlich beim Feldaufgang und auch später in der Blüte zu sehen.

In 2024 war es auch sehr heiß und trocken bei uns, sodass der Feldaufgang spät war. Meine wichtigste Erfahrung daraus ist, dass man ruhig bleiben muss. Nach dem Drusch hofft man auf den nächsten Niederschlag und dann wird das von allein grün. Im Idealfall sind es 20 bis 21 Tage bis zum Feldaufgang. Und da muss man versuchen, ruhig zu bleiben und nicht zu sagen: Ich breche das jetzt doch um und drille das ganz klassisch. Wenn es schließlich geregnet hat, entsteht der Eindruck, dass die Pflanzen mit weniger Keimwasser klarkommen, als es bei der bei uns sonst üblichen Betriebsvariante der Grubbersaat der Fall ist.

In 2025 konnten wir aufgrund schwierigerer Erntebedingungen - Unterbrechungen durch Niederschläge etc. - den Vorerntesaat-Zeitraum von 2 bis 10 Tagen nicht einhalten. Das heißt, wir haben zum vermeintlich optimalen Termin das Saatgut ausgebracht. Dann hat sich die Ernte über 2 Wochen verzögert. Dadurch, dass wir genug Feuchtigkeit hatten, sind vor allem der Öllein und die Phacelia schon aufgelaufen und wir hatten zum Druschtermin ca. 5 cm große Pflanzen. Der Mähdrescher hat beim Getreidedrusch nicht nur teilweise etwas von der Zwischenfrucht abgeschnitten, sondern zusätzlich sind noch große Strohmengen vom Winterweizen hinterlassen worden. Diese Strohmatte hat dann dazu geführt, dass die Keimlinge es nicht geschafft haben, durch die Matte hindurchzuwachsen. Der Feldaufgang war daher nur sehr heterogen.

Zum Problem wurde nun der starke Aufwuchs an Ausfallgetreide, weil keine Konkurrenz da war. Die Zwischenfrucht war nicht entsprechend wünschenswert entwickelt.

Bodenstruktur anhand des Spatenaushubs

Bodenstruktur anhand des Spatenaushubs (Foto: Biermann)

Welche positiven Auswirkungen hatte die Drohnenaussaat?

Im ersten Jahr hatten wir unter dieser Zwischenfrucht eine super Bodenstruktur. Wir hatten unter vernünftigen Bedingungen geerntet und hatten keine großen Fahrspuren währenddessen verursacht. Im Idealfall findet auf solch einer Fläche anderthalb Jahre keine Bodenbearbeitung statt. In Verbindung mit der Beweidung durch die Schafe und dem Zwischenfruchtanbau führte dies zu einer super Bodenstruktur. Das unterstreicht für mich die Sinnhaftigkeit der Zwischenfrüchte. Eine Herausforderung ist es, wenn das Wasser fehlt. Doch mit weniger Überfahrten gibt es weniger Verdunstung des Bodenwassers. Wassersparen ist an unserem Standort ein wichtiger Faktor.

Die Zwischenfruchtaussaat mit der Drohne ist arbeitswirtschaftlich interessant. Bei uns ist im August Arbeitsspitze, also erst Ernte, dann Rapsaussaat - eine unserer Hauptkulturen - und wir wissen, die ideale Zwischenfrucht muss ebenfalls im August gesät werden. Bei uns steht erstmal der Raps im Fokus und die Zwischenfrucht hintenan. Und so wird die Zwischenfrucht dann erst Anfang September gedrillt. Genau deshalb ist es ein riesiger Zeitvorteil, wenn die Drohnenaussaat schon sechs Wochen vorher erfolgt ist - in einem Zeitraum, in dem die arbeitswirtschaftliche Situation noch nicht so angespannt ist. Zudem ist es kostenseitig interessant. Die Aussaatkosten pro Hektar sind im Vergleich zur klassischen Aussaat geringer.

Welche Empfehlungen würden Sie anderen Landwirten geben, die überlegen, die Drohnenaussaat einzusetzen?

Meine Empfehlung ist, es auf jeden Fall auszuprobieren, gerade im Hinblick auf Ressourcenschonung. Der Einsatz von Energie ist wesentlich geringer, als wenn ich das Feld grubbere, aussäe oder noch mal mit der Drillmaschine hinterherfahre. Die Arbeitskräftekapazität ist auch wesentlich niedriger, denn die Schlagkraft ist höher. Wir haben es geschafft, mit der Drohne bei entsprechenden Strukturen und Witterungsbedingungen bis zu 100 ha am Tag der Aussaat zu bearbeiten.

Nur der Einsatz von Organik ist in diesem System schwierig – und wenn doch, nur mit der flüssigen Phase später in den stehenden Bestand möglich. Die Erfahrungen aus drei sehr verschiedenen Jahren haben uns gezeigt, welche unterschiedlichen Faktoren das Ganze beeinflussen. Ich finde, es ist ein tolles System, an dem ich möglichst festhalten möchte. Aber wie jedes System hat es auch seine Grenzen.

Interesse an der Drohnenaussaat von Zwischenfrucht-Mischungen auf Ihrem Betrieb?
Dann folgen Sie dem Entscheidungsleitfaden und prüfen, ob diese Aussaattechnik eine Option für Sie ist.

Entscheidungsleitfaden: Aussaat von Zwischenfrüchten mit der Drohne

Entscheidungsleitfaden: Aussaat von Zwischenfrüchten mit der Drohne (Quelle: KWS SAAT)

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Tim Philipp Rother
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