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Betriebsreportage

Regenerativ wirtschaften in Dammkulturen

Untersaat säen im Haferbestand auf Dämmen (Foto: Ullrich)

Untersaat säen im Haferbestand auf Dämmen (Foto: Ullrich)

BlickPunkt, Frühling 2026

Im Jahr 2017 veränderte Landwirt Herbert Ullrich seinen Betrieb. Er führte gleichzeitig mehrere Neuerungen ein: Bio-Anbau, regenerative Landwirtschaft mit Dammkultur und Saatgutvermehrung. Diese Umstellung bedeutete für den Betrieb ein Umdenken, denn sowohl die Produktionstechnik als auch die strategische Ausrichtung änderten sich grundlegend.

Umstieg auf Dammkultur

Für diese Dammtechnik ist die Anschaffung eines neuen Gerätes nötig. Ullrich entschied sich für diese Technik, nachdem er sich intensiv beraten lassen hatte und selbst recherchiert hatte. Ein Besuch bei einem Betrieb, der seit Jahrzehnten Dammkultur mit einem Turiel-Gerät praktiziert, überzeugte ihn von den Vorteilen. Die dortige Beobachtung besserer Pflanzenbestände ohne mineralische Düngung war für ihn ausschlaggebend. „Die Bestände waren besser, grüner, saftiger - dickere Stängel, dickere Blätter.“, stellte er fest.

Technik und Funktionsweise

Diese spezielle Dammtechnik arbeitet auf einer Reihenbreite von 50 cm. Im ersten Arbeitsgang zieht ein Zinken in 20 - 25 cm Tiefe eine Rinne, die um 25 cm versetzt neben der Säreihe verläuft. Eine Bearbeitung unter der Säreihe findet nur sehr oberflächlich statt. Der vom Zinken bearbeitete Boden wird auf die Krone gehäufelt. Nach dem Absetzen des Bodens wird direkt auf dieser Dammkrone gesät, wobei die Maschine sich über die Rinne selbst führt – ohne Kamerasteuerung. Später erfolgt das Hacken ebenfalls mit derselben Maschine, geführt in der Rinne und in einer Tiefe von 20 cm, dabei wird der gesamte Boden im Tal bewegt. Vor jeder neuen Kultur wird der kaum sichtbare, max. 10 cm hohe Damm mit einem Grubber zerstört und neu aufgebaut.

Dieses System unterscheidet sich grundlegend von klassischen Kartoffeldämmen: Statt gefräster, homogener Strukturen entstehen grobe Bodenaggregate, die Luft und Wasser speichern. Die Bearbeitung erfolgt tief im Tal, während die Saat auf gewachsenem Boden liegt. Dadurch bleibt die Kapillarität erhalten, was für die Wasserversorgung entscheidend ist.

Dammtechnik

Dammkulturmaschine zum Säen ausgerüstet; (vorn - hinten) Stützräder - Sägrindel - Tiefenführungsschare - Kettenschleppe. (Foto: Ullrich)

Der regenerative Bodenaufbau

Der regenerative Bodenaufbau - Quelle: Herbert Ullrich, Damm-farming

Vorteile der Dammkultur

  • Kapillarwasser: Saatgut liegt auf gewachsenem Boden, Wasser ist sofort verfügbar.
  • Temperatur- und Luftzirkulation: Unterschiedliche Zonen fördern Wärme und Luftbewegung (Kamineffekt), was das Bodenleben aktiviert.
  • Wassermanagement: Bei Starkregen saugt lockerer Boden im Tal Wasser wie ein Schwamm auf; Erosion tritt nicht auf, da kein Oberflächenwasser abfließt.
  • Wurzelentwicklung: Mehr Luft und Wärme in Bodentiefe fördern Wurzeln und Bodenbiologie.
  • Humusaufbau: Stetiger Ab- und Aufbau von Wurzeln und Bodenleben bedeutet mehr lebend verbaute Kohlenstoffaggregate im Boden.
  • Ertragssteigerung: Einerseits durch eine N-Mineralisierung durch tiefes bearbeiten während der Vegetation, andererseits durch den regenerativen Bodenaufbau und nicht zuletzt durch langfristige Effekte durch höhere Humusgehalte.
  • Krümelstruktur: Stumpfe Hackdrähte brechen den Boden zu unterschiedlich großen Aggregaten auf natürliche Weise. Eine Gare entsteht.
  • Untersaat: Da mehr Licht durch die weitere Reihen nach unten gelangt und die Saat beim letzten Hackgang in schattigen, warmen, feuchten, garen Boden fällt, etablieren sich Untersaaten sehr zuverlässig. Nach dem Erntevorgang explodiert diese förmlich und kann auch als Zwischenfrucht noch Biologie, Nährstoffe und Humus anreichern.

Diese Effekte beeinflussen nicht nur die Pflanzenentwicklung, sondern auch die Bodenstruktur. Durch wiederholte Bearbeitung entstehen gut durchlüftete natürliche, stabile Aggregate, die das Bodenleben begünstigen. Die Maschine ist so konzipiert, dass sie mehrere Arbeitsschritte kombiniert: Säen, Hacken und das Einbringen von Untersaaten. Das reduziert den Maschinenpark und senkt die Kosten.

Fruchtfolge und Kulturen

Seine Fruchtfolge hat sich durch die Umstellung stark verändert. Statt einer klassischen Dreier-Rotation setzt Ullrich heute auf komplexe Systeme mit sechs bis zwölf Kulturen. Der Zyklus beginnt meist mit einjährigem Rotklee, der Stickstoff liefert und als Saatgut genutzt wird. Danach folgen Hanf und im selben Jahr noch die Winterungen wie Weizen, Dinkel oder Gerste. Anschließend kommt eine Körnerleguminose wie Winterackerbohne, Wintererbse oder ein Gemenge. Ergänzt wird die Rotation durch Sommerungen wie Hafer und Sonderkulturen wie Öllein oder zukünftig auch Quinoa. Alle Kulturen, außer Klee, werden auf Damm angebaut. Bis auf den Hanf wird aus allen Kulturen Saatgut produziert, welches in der eigenen Anlage aufbereitet wird. Für einen zweiten Betrieb mit Hühnern produziert Ullrich Futtergetreide (Mais, Soja, Weizen) – ebenfalls auf Damm. Und er hat hierbei die Erfahrung gemacht: „Mais mag solch einen Damm – der explodiert förmlich.“ Die Vielfalt der angebauten Kulturen sorgt für eine ausgewogene Nährstoffversorgung und reduziert den Krankheitsdruck.

Ackerbohnen

Sommerackerbohnen auf 50 cm Dämmen (Foto: Ullrich)

Humusaufbau und Bodenfruchtbarkeit

Die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit war für Ullrich ein zentrales Ziel bei der Umstellung. Vor Beginn ließ er alle Flächen humuszertifizieren, um die Auswirkungen der Dammtechnik zu dokumentieren. Nach vier Jahren zeigte sich ein überraschender Befund: Der Humusgehalt stieg um knapp 1 % – ein Wert, den Fachleute für kaum erreichbar halten. Bei Ausgangswerten von 3,8 % erreichte der Betrieb 4,7 %. Das entspricht etwa 3 t Kohlenstoff pro Jahr und einer Stickstoffbindung von rund 300 kg – ohne mineralische Düngung! „Wir sind seit 2017 komplett düngungslos – das Einzige, was wir düngen, ist Schwefel.“ Diese Entwicklung widerspricht der Annahme, dass intensive Bodenbearbeitung Humus abbaut. Vielmehr scheint die Kombination aus mehr Wurzeln, aktiver Bodenbiologie und regelmäßiger Belüftung den Aufbau zu fördern. Wissenschaftliche Erklärungen fehlen bislang, doch auf seinem Betrieb fand er sehr positive Ergebnisse. Auf die Kritik, die Dammtechnik baue Humus ab, entgegnet er: „Vielleicht baue ich erst etwas Humus ab, aber ich baue deutlich mehr auf – das positive Delta zählt.“

Ertrags- und Standorteffekte

Die Erträge liegen deutlich über denen von Bio-Nachbarbetrieben, die mit Striegeltechnik arbeiten. Das gilt unter der Voraussetzung, dass die Rahmenbedingungen stimmen: Denn z.B. bei anhaltender Nässe kann die Maschine nicht eingesetzt werden. Das mindert den positiven Effekt, da nicht zum optimalen Zeitpunkt gearbeitet werden kann. Grundsätzlich sieht Ullrich Vorteile auf allen Böden, von Sand bis Lehm. Einschränkungen gibt es bei Kulturen wie Lupinen oder Linsen, die breite Reihen nicht mögen, sowie auf extrem steinigen Böden, wo die Arbeitstiefe reduziert werden muss. Seine Erfahrungen vor Ort zeigen jedoch, dass dieses System auch unter schwierigen kalten Bedingungen gut funktioniert und die Pflanzen vitaler sind.

Hafer auf Dämmen, ungedüngt (Foto: Ullrich)

Hafer auf Dämmen, ungedüngt (Foto: Ullrich)

Verbreitung und Zukunft

Die Diskussion über bodenschonende Verfahren hat in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen. Ullrich selbst baut inzwischen eigene Maschinen, vertreibt sie über seine Website damm-farming.de und stellt diese Technik bei Feldtagen und Vorträgen vor. Die Nachfrage nach der Dammtechnik steigt, doch wissenschaftliche Studien dazu fehlen noch. Projekte wie das HumusKlimaNetz sollen in Zukunft Erkenntnisse zum Humusaufbau in diesem System liefern.

Ökonomische und mechanische Vorteile

  • Eine einzige Maschine übernimmt Säen, Hacken und das Einbringen von Untersaaten.
  • Keine Kamerasteuerung nötig.
  • Investitionskosten liegen bei rund ¼ von konventioneller Bio-Technik.
  • Hohe Schlagkraft mit bis zu 7,5m Arbeitsbreite und Flexibilität reduzieren Arbeitszeit und Betriebskosten.
  • Einfache Handhabung und Vielseitigkeit der Maschine.

Fazit

Die Dammtechnik kombiniert Bodenbearbeitungstechnik mit biologischen Prozessen und schafft aus Ullrichs Sicht ein System, das Bodenleben aktiviert, Humus aufbaut und Erträge steigert. Für ihn ist entscheidend: „Der eigentliche Vorteil ist nicht die Maschine – es ist die Biologie im Boden.“ Die praktische Erfahrung auf seinem Betrieb hat ihn überzeugt: stabile Böden, bessere Wassernutzung und höhere Wurzelmasse.

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