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Schilf-Glasflügelzikade – Wann sind die kritischen Wochen für Ertragsverluste?
BlickPunkt, Frühling 2026
Im Gespräch erläutert Dr. Carsten Stibbe, Leiter der Zuchtstation Seligenstadt, die Forschungsaktivitäten und ersten Erkenntnisse aus den KWS Versuchen zum SBR-RTD Krankheitskomplex.
Dr. Carsten Stibbe, Leiter der Zuchtstation Seligenstadt
Herr Dr. Stibbe, die Zuchtstation Seligenstadt ist zu einem echten Hotspot der KWS Forschung rund um SBR und RTDgeworden – erklären Sie uns wieso?
Die Zuchtstation Seligenstadt liegt in Unterfranken nahe Würzburg. Wir decken für die KWS den gesamten Versuchsraum in Süddeutschland und Österreich ab. Der Züchtungsstandort ist sehr interessant, da wir in den letzten Jahren deutlich mehr vom Klimawandel betroffen sind, als es zum Beispiel Norddeutschland ist. Wir haben vermehrt mit höheren Temperaturen, ausgeprägter Sommerhitze mit Trockenheit und extremeren Wetterlagen und den daraus folgenden Herausforderungen zu tun. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist die Schilf-Glasflügelzikade, die ein Folger vom Klimawandel ist und uns im Süden sehr stark beschäftigt. Seligenstadt liegt mittlerweile im Kerngebiet des Befalls und deshalb sind Versuche im Bereich SBR und RTD ein zentrales Aufgabengebiet für uns geworden. Wir betreuen einen Großteil aller SBR-RTD Versuchsstandorte der KWS und beteiligen uns intensiv an der Entwicklung von Versuchsmethoden. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit der Züchtung, der Phytopathologie und dem Produktmanagement sowie dem internationalen AgroService zusammen. Da wir auf unserer Station Versuchsaktivitäten zu allen großen Feldkulturen durchführen, können wir den SBR-RTD Effekt auch in anderen Kulturen erforschen.
Welche Versuche wurden 2025 zum SBR-RTD Krankheitskomplex und der Schilf-Glasflügelzikade angelegt?
Zusammen mit unseren Züchtern haben wir an mehreren Standorten in den süddeutschen Hot-Spot-Regionen Züchtungs- und Sortenversuche angelegt. Außerdem arbeiten wir von Seligenstadt aus intensiv an methodischen Versuchen. Hierbei möchten wir unter anderem herausfinden, zu welchem Zeitpunkt der Gesamtflugphase die Schilf-Glasflügelzikaden welchen Ertragsschaden in Zuckerrüben verursachen und wie der Ertrag im Vergleich dazu in einer nicht befallenen Referenz aussehen würde.
Hierfür haben wir 2024 neue Versuchsmethoden wie große Blockabdeckungen und kleinere Netztunnelversuche entwickelt. Diese haben sich bewährt, sodass wir im Jahr 2025 neben der Frage des Befallszeitpunktes auch noch intensivere Versuche zur Wirkung und Wirkungsdauer von Insektiziden durchführen konnten. Zusammen mit der Phytopathologie haben wir auf unseren Flächen intensiv digitale Monitoring-Methoden getestet und darüber hinaus in diesem Jahr 20.000 freilebende Zikaden von Hand gekeschert, um die Resistenz von Einzelpflanzen wie wilden Rübenarten zu bestimmen. Zusätzlich wurden Versuche zur Saatgutbeize in Zusammenarbeit mit unserer Saatgutproduktion angelegt.
Überblick agronomische SBR-RTD Versuche von KWS in Seligenstadt, Juli 2025
In welchem Zeitraum verursachen die Schilf-Glasflügelzikaden den größten Ertragsverlust in Zuckerrüben?
Wir haben aus unseren Versuchen gelernt, dass die Zikaden den signifikanten Ertragsverlust nur in einem begrenzten Zeitraum verursachen. Der kritische Zeitraum, in dem die stärksten Ertragsverluste verursacht werden, startet mit beginnendem Starkflug und dauert je nach Jahr und Region zwischen zwei bis fünf Wochen (Ergebnisse KWS Versuche 2024 und 2025). Vor und nach dieser Hauptflugphase werden nur sehr geringe Ertragseffekte durch die Zikade verursacht. Deshalb ist es wichtig, den Flugverlauf mittels eines tagesgenauen Zikaden-Monitorings feststellen zu können. Auch daran arbeiten wir intensiv. Die Erkenntnisse helfen uns maßgeblich bei der Bewertung unserer züchterischen Versuche. Darüber hinaus lassen sich im Zusammenhang mit dem digitalen Zikaden-Monitoring wichtige Hinweise zu Kontrollstrategien für die Praxis ableiten.
Konnten Sie noch weitere Erkenntnisse aus den Netztunnelversuchen gewinnen?
Die in Seligenstadt entwickelte Versuchsmethodik der Netztunnelversuche scheint sehr gut geeignet, um auch Pflanzenschutzmaßnahmen unter Praxisbedingungen zu testen. Im Jahr 2025 haben wir erstmals Wirkung und Wirkungsdauer von Insektiziden an unserer Versuchsstation getestet und sind begeistert von den Ergebnissen. Im Herbst 2025 waren Unterschiede zwischen den Varianten optisch deutlich erkennbar und diese wurden durch die Ertragsdaten klar bestätigt. Grundsätzlich können wir sagen, dass Insektizide, zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, eine effektive Maßnahme zur Kontrolle der Schilf-Glasflügelzikade darstellen können. Wir konnten mit unserer Methodik die Wirkungsdauer der Insektizide untersuchen und Unterschiede zwischen den Wirkstoffgruppen feststellen. Die Ergebnisse werden wir in den kommenden Wochen mit wissenschaftlichen Experten und Fachinstitutionen diskutieren. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen werden, die integrierten Bekämpfungsstrategien gegen die Schilf-Glasflügelzikade zu optimieren. An dem Thema SBR-RTD werden wir auch in den nächsten Jahren weiterarbeiten. Und was mich am meisten freut – auch bei unserem Sortenmaterial kann ich schon eine gute Entwicklung sehen.
Zuchtstation Seligenstadt
Gegründet: 1951
Stationsleiter: Dr. Carsten Stibbe
Mitarbeiter: 50 (plus Saisonkräfte)
Bewirtschaftete Versuchsfläche: 260 ha in Süddeutschland und Österreich