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Wintergerste – Vorfrucht mit Mehrwert

Der frühe Joker in der Fruchtfolge

BlickPunkt, Sommer 2026

Wintergerste hat sich in vielen Ackerbauregionen als feste Größe etabliert. Insbesondere als Vorfrucht ist sie in zahlreichen Fruchtfolgen nahezu unverzichtbar und konnte ihre Stärken in trockenen Jahren deutlich unter Beweis stellen. Im Folgenden werden die wesentlichen Vorteile der Wintergerste im Ackerbau dargestellt.

Vorteile in der Fruchtfolge

Durch ihre frühe Abreife entzerrt die Wintergerste Erntespitzen und schafft zeitliche Spielräume für eine effiziente Arbeitswirtschaft. Sie ermöglicht ein gezieltes Ernterückstandsmanagement mit intensiverer Stoppelbearbeitung, was wiederum eine verbesserte Strohrotte begünstigt. Dadurch gilt sie weiterhin als hervorragende Vorfrucht – insbesondere für Raps, aber auch für Zuckerrüben. Im Vergleich dazu bleibt bei einer späten Weizenernte häufig wenig Zeit für eine effektive Stoppelbearbeitung. Zudem bietet die Wintergerste bei ausreichender Wasserversorgung günstige Voraussetzungen für eine sichere und schnelle Etablierung von Zwischenfrüchten.

Ertragsstabilität

In den vergangenen Jahren hat Wintergerste gezeigt, dass sie insbesondere unter trockenen Bedingungen stabile und verlässliche Erträge liefern kann. Gleichzeitig werden die Vermarktungsanforderungen, beispielsweise beim Hektolitergewicht, häufig sicher erreicht. Demgegenüber traten bei Winterweizen vermehrt Vermarktungsprobleme auf, etwa durch zu niedrige Fallzahlen oder unzureichende Proteingehalte. Wintergerste weist somit ein vergleichsweise geringes Vermarktungsrisiko auf.

Die hohe Ertragsstabilität ist eng mit der frühen Abreife und dem zeitigen Durchlaufen der ertragsbildenden Entwicklungsphasen verknüpft. Durch den frühen Vegetationsbeginn im Frühjahr nutzt die Kultur die Winterfeuchte effizienter. Entscheidende Ertragsbildungsprozesse fallen häufig in klimatisch noch günstigere Phasen.

Dadurch ist Wintergerste in der Kornfüllungsphase in der Regel weniger anfällig für Trockenstress. Vor dem Hintergrund des Klimawandels stellt dies einen bedeutenden Vorteil dar.

Zuchtfortschritt bei Verzwergungsviren

Steigende Temperaturen im Herbst erhöhen das Risiko eines verstärkten Zuflugs von Blattläusen und Zikaden, die als Überträger des Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV) und des Weizenverzwergungsvirus (WDV) fungieren. Dadurch kann es bereits in frühen Entwicklungsstadien zu Infektionen der Wintergerste kommen. Zur Risikominderung stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, etwa eine spätere Aussaat oder der Einsatz von Insektiziden, wobei letztere keine Indikation gegen Zikaden besitzen. Die nachhaltigste und effektivste Strategie ist daher der Anbau resistenter Sorten.

Die Pflanzenzüchtung hat in diesem Bereich deutliche Fortschritte erzielt. Mit Sorten wie KWS CHILIS (Resistenz gegen BYDV) und KWS FUTURIS (Resistenz gegen BYDV und WDV) stehen leistungsfähige, resistente Genotypen zur Verfügung. Diese kombinieren Virusresistenzen mit hohem Ertragspotenzial, sodass auch ohne akuten Befallsdruck keine Ertragseinbußen in Kauf genommen werden müssen.

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Henning Hansen
Henning Hansen
Produktmanager Weizen & Gerste & Erbse
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