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Maisgrieß

Körnermais für die Lebensmittelproduktion

Autor: Dr. Hubert Sprich, Maisberatung/Einkauf, Cornexo GmbH

Fotos: Cornexo

Fotos: Cornexo

BlickPunkt, Sommer 2026

Körnermais wird in Deutschland überwiegend in der Futtermittelproduktion eingesetzt. Ein weiterer wichtiger Abnehmer ist die Stärkeindustrie, während die Verarbeitung zu Lebensmitteln eine untergeordnete Bedeutung hat. Im Gegensatz zu anderen Regionen wird Mais bei uns kaum als wertvolles Nahrungsmittel wahrgenommen. Dabei steigt die Nachfrage nach Speisemais kontinuierlich an. Verarbeitet wird er zu Cornflakes, Snacks wie Tortilla-Chips und Erdnuss-Flips, aber auch zu Polenta und glutenfreien Backwaren, da immer mehr Menschen an Glutenunverträglichkeit leiden.

In Deutschland wird auf rund 2,5 Mio. ha Mais angebaut. Der überwiegende Teil wird als Silo- oder Biogasmais gehäckselt und nur etwa 0,45 Mio. ha werden als Körnermais gedroschen. Von der deutschen Körnermaiserntemenge von circa 4 Mio. t werden nur etwa 0,2 Mio. t in Trockenmühlen zu Grießen und Mehlen für die Lebensmittelproduktion verarbeitet. Der Speisemaisanbau in Deutschland konzentriert sich bisher vor allem auf die warmen Lagen am Rhein, Neckar und der Donau. Mit der Züchtung ertragreicher, frühreifer Sorten und der Klimaerwärmung dürfte der Anbau künftig auch weiter im Norden und in höheren Lagen wirtschaftlich werden.

Die Maismühlen haben spezifische Anforderungen

Die Qualitätsanforderungen in der Lebensmittelverarbeitung sind höher als bei den Futtermittel- und Stärkeproduzenten. Neben der garantierten GVO-Freiheit muss der angelieferte Mais frei von glutenhaltigem Getreide wie Weizen, Gerste oder Roggen, aber auch von Allergenen wie Sojaeiweiß sein. Darüber hinaus liegen die Anforderungen vieler Abnehmer von Maismahlprodukten bei Mykotoxingehalten über der gesetzlich festgelegten Höchstmenge. Körnermais für die Lebensmittelverwertung muss nicht nur die EU-Grenzwerte für Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA), Fumonisine (FUM) und Aflatoxine (AFLA) einhalten. Auch die Gehalte der Mykotoxine T-2 und HT-2 dürfen je nach Verwertung bestimmte Höchstwerte nicht überschreiten. Daneben sind die Höchstgehalte bei Tropanalkaloiden deutlich geringer als bei der Futterverwertung.

EU-Höchstgehalte für Fusarientoxine und Tropanalkaloide in unverarbeitetem Mais:

Mykotoxin Höchstmenge (μg/kg)
Deoxynivalenol (DON) 1.500
Zearalenon (ZEA) 350
Fumonisine (FUM) (B1 u. B2) 4.000
Summe T-2 und HT-2 100
Aflatoxine (AFLA) (B1, B2, G1 u. G2) 10
Tropanalkaloide (Atropin u. Scopolamin) 15
Eigene Zusammenstellung Cornexo

Tropanalkaloide sind natürlich vorkommende Pflanzenstoffe, die von verschiedenen Pflanzen wie dem Stechapfel als Fraßschutz gebildet werden. Tropanalkaloide sind akut toxisch, sie beeinflussen bereits bei einer niedrigen Dosierung die Herzfrequenz und das zentrale Nervensystem. Der Gemeine Stechapfel (Datura stramonium L.), der sich als spät auflaufendes Unkraut in Mais in den letzten Jahren kontinuierlich ausbreitet, enthält in allen Pflanzenteilen hohe Gehalte an Tropanalkaloiden. Bei der Maisernte können Pflanzenteile des Stechapfels miterfasst werden und so das Erntegut kontaminieren. Beim Anbau von Speisemais muss daher gezielt auf Stechapfel geachtet werden. Grundsätzlich sollte auf den Anbau von Speisemais auf Flächen, auf denen in der Vergangenheit Stechapfel auftrat, verzichtet werden.

Fusariuminfektionen am Maiskolben gehen häufig von Ernterückständen aus dem Vorjahr sowie von Verletzungen der Körner, zum Beispiel durch den Maiszünsler, aus. Die Rotteförderung der Erntereste der Vorfrucht und die Kontrolle des Maiszünslers sind beim Speisemaisanbau zu beachten. Außerdem sollten nur Sorten angebaut werden, die eine unterdurchschnittliche Anfälligkeit für Kolbenfusarium zeigen und rechtzeitig abreifen. Unsere Analysen der Maisanlieferungen zeigen: Je später die Maisernte, desto höher sind die Mykotoxingehalte. Dies ist umso gravierender, je feuchter der Herbst ist.

Hartmaisbetonte Sorten weisen einen höheren Grießgehalt auf

In Deutschland werden aktuell über 800 verschiedene Maissorten angebaut, aber längst nicht alle eignen sich für die Grießmüllerei. Grundsätzlich werden Maissorten mit einem hohen Grießanteil bevorzugt, dies trifft auf zahlreiche hartmaisbetonte Sorten zu. Teilweise spielt auch die Kornfarbe eine Rolle. In der Regel geben die Maismühlen ihren Anbauern geprüfte Sorten vor, die eine gute Grießausbeute aufweisen, ertragsstabil sind und zusätzlich eine geringere Anfälligkeit für Kolbenfusarium zeigen.

Hartmais (links) hat einen höheren Grießanteil als Zahnmais (rechts)

Hartmais (links) hat einen höheren Grießanteil als Zahnmais (rechts)

Der Anbau von Speisemais bietet eine Perspektive

Nach dem Drusch muss der Mais so schnell wie möglich getrocknet werden. Dadurch wird die Ausbreitung der Fusariumpilze im feuchten Erntegut mit teilweise verletzten Körnern und damit die Mykotoxinbildung gestoppt. Bei einer Ab-Feld-Abholung ist die Gefahr einer Vermischung mit glutenhaltigem Getreide oder mit Allergenen wie Sojabohnen deutlich geringer als bei einer Hoftrocknung und Hoflagerung. Daher bevorzugen einige Maismühlen den Bezug von ungetrocknetem Mais direkt ab Feld, so kann die Mühle Kontaminationen weitgehend ausschließen und eine zügige und schonende Trocknung garantieren.

Die wachsende Nachfrage nach Speisemais bietet daher eine langfristige Perspektive, zudem der Erzeugerpreis über dem für Futtermais liegt. Allerdings ist der Markt begrenzt, da es in Deutschland nur wenige Maismühlen gibt. Landwirte, die Speisemais anbauen wollen, sollten möglichst schon bei der Sortenwahl die Abnehmer kontaktieren, um die Vorgaben der Maismühle zu klären. Größere Maismühlen kaufen ganzjährig Körnermais auf Basis der Terminkontrakte der MATIF/Euronext in Paris, sodass der Anbauer jederzeit seinen Körnermais verkaufen kann.

Die Cornexo-Maismühle im südpfälzischen Freimersheim verarbeitet jährlich rund 95.000 t regional angebauten Körnermais zu Maismehl und Maisgrieß als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie.

Die Cornexo-Maismühle im südpfälzischen Freimersheim verarbeitet jährlich rund 95.000 t regional angebauten Körnermais zu Maismehl und Maisgrieß als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie.

Autor:

Dr. Hubert Sprich

Maisberatung/Einkauf
Cornexo GmbH

Sortenwahl

Die passende Maisgrießsorte

Hartmaisähnliche Sorten

Hartmaisähnliche Sorten eigenen sich sehr gut für die Grießherstellung

BlickPunkt, Sommer 2026

Die Nachfrage nach regional erzeugtem Maisgrieß steigt seit Jahren – sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch bei den Grießmühlen. Entscheidend für eine effiziente und qualitativ hochwertige Vermahlung sind gesunde Sorten mit hohem Grießanteil, stabil hohen Erträgen und einer sicheren Abreife.

Interessant für Anbauer und Grießindustrie ist dabei auch ein breites Reifespektrum der im Anbau befindlichen Sorten, um den Anbau in unterschiedlichen Regionen und unter variierenden Witterungsbedingungen und Ernteterminen zu ermöglichen. Häufig bevorzugt die Grießindustrie Sorten mit Hartmaischarakter, da sie oft eine besonders hohe Grießausbeute erreichen.

Die KWS Maiszüchtung hat sich zum Ziel gesetzt, den Körnermaisanbau durch die Entwicklung neuer frühreifer und gesunder Körnermaissorten auch in den nördlichen und kühleren Anbauregionen wirtschaftlich zu machen. Das schließt neben der Futtermittelproduktion auch explizit die Produktion von Speisemais mit ein.

Als Ergebnis dieser Anstrengungen wurden im Februar 2026 mehrere neue KWS Maisssorten vom Bundessortenamt zugelassen, die auch eine gute Eignung für die Grießproduktion erwarten lassen.

Mit KWS SOLANO (K 170) steht nun eine neue, besonders frühe Körnermaissorte zur Verfügung. Ihre ausgeprägte Frühreife macht sie ideal für kühlere Lagen oder Betriebe, die eine sehr frühe Ernte anstreben. Bei kurzer Vegetationszeit überzeugt sie durch eine sehr gute und homogene Einkörnung sowie einen überdurchschnittlichen Anteil harter Endospermanteile – ein klarer Vorteil für die Grießherstellung.

Die Körnermais-Neuzulassung KWS DUKRO (K 220) ist früh, kompakt, sehr standfest und lässt durch seinen sehr flintigen Kolben ebenfalls eine hohe Grießausbeute erwarten. Die Hybride reift sicher bei gesunder Restpflanze ab und ist auch für kühlere Anbaulagen geeignet.

Daneben bietet die KWS Züchtung weitere bereits in der Grießproduktion etablierte Sorten wie KWS NEVO (K 180), KWS EDITIO (K 250) und KWS RIBONO (K 270). Alle drei Sorten sind hartmaisähnlich und bereits von der Grießindustrie auf ihre Grießausbeute geprüft und zum Anbau empfohlen.

Fazit

Wer auf Mais für die Grießproduktion setzt, benötigt Sorten, die Frühreife, Gesundheit und eine hohe Grießausbeute kombinieren. Mit neuen und bewährten KWS Sorten steht dafür eine geeignete Auswahl bereit.

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Malte Dörpmund
Malte Dörpmund
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