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Betriebsreportage

Ackerbau und Veredlung: Warum Roggen zum Betrieb Wille passt

BlickPunkt, Sommer 2026

Auf dem Betrieb von Lisa und Stefan Wille im südniedersächsischen Mahlum hat Hybridroggen einen festen Platz – als Kulturart auf den sehr heterogenen Böden und als Komponente in der Schweinefütterung. Familie Wille verbindet Ackerbau und Veredelung miteinander: Was auf ihren Flächen wächst, wird im eigenen Mischfutter gezielt eingesetzt.

Entscheidung für den Hybridroggenanbau

„Mein Vater war in der Vergangenheit mit den Ernteergebnissen von 70-75 dt/ha mit Triticale nicht mehr zufrieden.“ Das war die Ausgangslage für den Wiedereinstieg in den Roggenanbau. Auf den heterogenen Böden des Betriebs – von besseren Standorten bis hin zu schweren tonigen Minutenböden - rückte Hybridroggen als Alternative in den Fokus. Entscheidend war dabei die betriebliche Effizienz. Hybridroggen gilt als genügsamer als z.B. Weizen. Die Ansprüche an Boden, Düngung und Pflanzenschutz sind deutlich geringer. Gleichzeitig hat sich züchterisch viel getan. Der erste Anbau im Wirtschaftsjahr 2014/15 bestätigte diese Einschätzung: Auf einem schwächeren Standort erzielte der Betrieb rund 93 dt/ha – ein Ergebnis, das die Familie überzeugte, Hybridroggen weiterhin anzubauen.

Betriebsspiegel

Betriebsspiegel

Zuchtfortschritt und Wirtschaftlichkeit

Veraltete Bilder von lagerndem Roggen und schwieriger Ernte passen nicht mehr zur Realität moderner Hybridsorten. Die auf dem Betrieb Wille gemachte positive Erfahrung spiegelt den vorhandenen Züchtungsfortschritt wider. Die Standfestigkeit des Hybridroggens ist deutlich verbessert gegenüber früheren Generationen. Ebenso ist die Mutterkornabwehr moderner Hybridsorten durch das erhöhte Pollenschüttungsvermögen deutlich stabiler.

Ein weiterer Vorteil aus Sicht des Betriebes: das geringere wirtschaftliche Risiko. Im Vergleich zu Brotweizen erfordert Hybridroggen deutlich geringere Vorleistungen. Weniger Input bedeutet weniger Kapitalbindung – und weniger Abhängigkeit vom Wetter. „Beim Hybridroggen gehe ich mit wenig Input ins Jahr und damit auch mit weniger Risiko“, beschreibt Lisa Wille die wirtschaftliche Seite. Maschineninvestitionen sind nicht nötig, vorhandene Technik kann genutzt werden.

Gründe für Hybridroggen im Betrieb Wille

Anbau

  • Geeignet für schwächere und schwere Standorte
  • Geringere Ansprüche an Düngung und Pflanzenschutz
  • Weniger Vorleistung, geringeres wirtschaftliches Risiko
  • Deutlich verbessertes Ertragspotenzial moderner Sorten
  • Züchterisch verbesserte Standfestigkeit und Mutterkornabwehr

Fütterung

  • Positive Effekte auf die Darmflora des Schweins
  • Hoher Faseranteil unterstützt Tierwohl und Ringelschwanzhaltung
  • Gut in die Eigenmischung integrierbar
  • Stärkt die betriebliche Wertschöpfung durch Veredelung im Stall

Veredlung im Betrieb

Der Ackerbau ist jedoch nur ein Teil der Rechnung. Die Veredlung des Hybridroggens auf dem Betrieb Wille macht ihn doppelt interessant. Als Selbstmischer verarbeiten sie ihren Hybridroggen gemeinsam mit Gerste, Ackerbohnen und weiteren Komponenten vollständig selbst. Das ist die Möglichkeit, die Qualität des Futters von Anfang an zu steuern – vom Feld bis in den Trog.

In der Schweinefütterung schätzen sie vor allem die ernährungsphysiologischen Eigenschaften des Hybridroggens. Studien belegen dessen positiven Einfluss auf die Darmflora des Schweins. Gerade in einer Haltung mit hohem Tierwohlanspruch ist das entscheidend. Der Betrieb arbeitet ohne routinemäßigen Antibiotikaeinsatz und verzichtet auf das Kupieren der Schwänze. „Dafür braucht man von vornherein vitale Tiere – die Fütterung ist hier ein zentraler Baustein“, so Lisa Wille. Die im Hybridroggen enthaltenen Faseranteile tragen zudem zur Beschäftigung der Tiere bei, das Bedürfnis der Tiere nach Struktur wird bedient und unterstützen so einen ruhigen Bestand. Der Roggeneinsatz ermöglicht es, einen wichtigen Gesundheitsfaktor über das Futter positiv zu beeinflussen.

Heute macht der Hybridroggen einen Anteil von ca. ´40 % in der Futtermischung aus. Lisa Wille rät anderen Betrieben zu einem schrittweisen Einstieg. „Man kann mit 10 bis 15 % beginnen und schauen, wie es auf dem eigenen Betrieb wirkt.“ Roggen sei kein Alles-oder-nichts-Thema, sondern ein flexibler Baustein.

Fazit

Heute ist Hybridroggen fester Bestandteil der betrieblichen Strategie – im Anbau wie in der Veredelung. Auf ihren schwierigen Standorten kann er seine Stärken besonders ausspielen. „Weder Weizen noch Triticale kann dort mithalten“, fasst Lisa Wille zusammen. Hybridroggen ist für den Betrieb ein Beispiel dafür, wie moderne Züchtung, angepasstes Management und betriebliche Kreisläufe zusammenwirken können. „Die Potenziale von Hybridroggen werden von vielen Betrieben unterschätzt“, sagt Lisa Wille. Ihr Rat: klein starten, Erfahrungen sammeln, dann ausbauen.

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Ihr Ansprechpartner

Tim Philipp Rother
Tim Philipp Rother
Produktmanager Hybridroggen & Zwischenfrüchte
Tel.: 0170 2271886
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