Sie befinden sich auf der KWS Website für Deutschland. Für diese Seite existiert eine alternative Seite für Ihr Land: Möchten Sie jetzt wechseln?
Jetzt wechseln

Klimawandel global

Was wächst zukünftig wo?

Autor: Prof. Dr. Stefan Siebert, Pflanzenbau, Georg-August-Universität Göttingen

BlickPunkt, Sommer 2026

Wie verändert der Klimawandel den Ackerbau weltweit – und welche Chancen entstehen daraus für neue Kulturen und Anbausysteme in Deutschland? Prof. Stefan Siebert von der Georg-August Universität in Göttingen ordnet aktuelle Forschungsergebnisse ein und zeigt, worauf sich die Landwirtschaft künftig einstellen muss.

Die erhöhte Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat in den letzten Jahrzehnten bereits zu einem deutlichen Anstieg der Temperaturen weltweit geführt. Weit größere Auswirkungen stehen aber noch bevor und erfordern eine Anpassung der Landwirtschaft an die neuen Bedingungen. Im Bereich des Pflanzenbaues werden dabei Projektionen zu potenziellen Ertragsveränderungen häufig diskutiert, während mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf die Landnutzung und Fruchtfolgen bislang weniger beachtet wurden.

Wo findet zukünftig Ackerbau statt?

Die Dynamik der Ausbreitung oder Stilllegung von Ackerbauflächen hängt in erster Linie von sozioökonomischen Faktoren wie Bevölkerungswachstum, ökonomischem Wachstum, Änderung der Ernährungsgewohnheiten sowie der Produktivität im Ackerbau ab, die in Szenarien zu sozioökonomischen Entwicklungspfaden konsistent abgebildet werden (Popp et al., 2017). Dabei gibt es Szenarien mit starker Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen, aber auch Szenarien mit deutlichen Flächenstilllegungen. Satellitenbildauswertungen aus den letzten zwei Jahrzehnten zeigen, dass Flächenstilllegungen hauptsächlich auf wenig produktiven Flächen im Norden und Osten Russlands sowie in Osteuropa stattgefunden haben. Demgegenüber gab es eine starke Ausbreitung von Ackerbauflächen in Afrika, Südamerika und Südostasien (Abb. 1).

Abbildung 1

Abbildung 1

Etwa die Hälfte der neuen Ackerbauflächen entstanden auf Flächen mit natürlicher Vegetation, während die andere Hälfte der Flächenausdehnung Weideflächen und revitalisierte ehemalige Ackerbaustandorte betraf. Insbesondere die Gewinnung von Acker- und Weideland in tropischen Wäldern ist als sehr kritisch zu sehen. So gibt es neuere Studien, die nahelegen, dass im Amazonasgebiet fortgesetzter Klimawandel in Kombination mit Entwaldung zu einem sich verselbstständigenden Austrocknungsprozess führen könnte – mit dem Ergebnis, dass sich der tropische Regenwald in eine trockene Savannenlandschaft umwandelt (Wunderling et al., 2026). Dies hätte katastrophale Auswirkungen auf die Biodiversität sowie die Freisetzung von Kohlendioxid aus dem Bodenkohlenstoffspeicher. Somit sollte Ziel sein, die bereits existierenden, produktiven Ackerbaustandorte zu erhalten und die Ausweitung insbesondere im tropischen Regenwald zu vermeiden.

myKWS keyvisual

Fazit

Der fortschreitende Erwärmungstrend wird insbesondere in den Tropen zu erheblichen Herausforderungen führen, da die Anbaueignung der meisten Kulturen dort abnimmt. Demgegenüber ergeben sich im gemäßigten Klima auch Chancen für die Integration wärmeliebender Kulturen in die Anbausysteme oder die Erhöhung der Anbauintensität durch Mehrfachanbau.

Autor:

Prof. Dr. Stefan Siebert

Pflanzenbau
Georg-August-Universität Göttingen

Zurück zur Hauptseite

Ihr Ansprechpartner

Dr. Christiane von der Ohe
Dr. Christiane von der Ohe
Expert Content Marketing
E-Mail senden
KONTAKT