Die Renaissance des Roggens – neue Forschung in der Schweinefütterung

Die Verbundpartner des Projektes „6-R-Konzept“ auf der Pressekonferenz in Berlin.

Die Verbundpartner des Projektes „6-R-Konzept“ auf der Pressekonferenz in Berlin.

Stand 08.08.2018

Die Kulturart Roggen könnte dazu beitragen, die Schweinefütterung zukünftig deutlich nachhaltiger und gesünder zu gestalten. Das durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderte Forschungsprojekt „6-R-Konzept“ will dazu die wissenschaftliche Basis schaffen.

Dabei steht „6-R“ für den Projekttitel: „Regionale Renaissance von Roggen und Raps zur Reduktion von Problemen in Pflanzenbau und Tierproduktion durch Reevaluation der Inhaltsstoffe und deren gezielte Nutzung zur Förderung des Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutzes“. Das gemeinsame Forschungsprojekt von Wissenschaft und Wirtschaft wurde am 18. Juli 2018 im Rahmen einer Pressekonferenz beim Deutschen Raiffeisenverband in Berlin vorgestellt.

An diesem dreijährigen Verbundprojekt sind verschiedene Projektpartner beteiligt: Federführend ist die Tierärztliche Hochschule Hannover unter Leitung von Prof. Dr. Josef Kamphues. Weitere Projektpartner sind das Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn, Prof. Dr. Karl-Heinz Südekum, das Institut für Tierernährung der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. Jürgen Zentek und die KWS LOCHOW GMBH in Bergen, Dr. Andreas von Felde, in Zusammenarbeit mit dem Raiffeisen Kraftfutterwerk Mittelweser Heide GmbH und der Viehvermarktung Walsrode eG.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die spezifischen Inhaltsstoffe von Roggen und Raps zu untersuchen und mögliche positive Auswirkungen hoher Roggenanteile von PollenPlus-Hybriden mit guter Mutterkornabwehr in Mischfutterkonzepten für die Schweine zu nutzen.

Vorversuche hierzu wurden durch die genossenschaftliche Viehvermarktung Walsrode und KWS Getreide im Rahmen einer umfangreichen Feldstudie zum Roggeneinsatz in der Schweinemast durchgeführt. Diese Praxisstudie beinhaltet mittlerweile 18 Betriebe, in denen während der Testphase bereits über 45.000 Mastschweine bei einem Anteil von 40 Prozent Roggen in der Endmast gefüttert wurden. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Reduktion der Salmonellenbelastung durch die Fütterung von Roggen und zusätzlich in der Ebermast eine signifikante Abnahme des „Ebergeruchs“. Auch eine Beruhigung der Tiere - und damit eine Erhöhung des Wohlbefindens - ist auf den Höfen festzustellen.

Im neuen Forschungsprojekt „6-R-Konzept“ steht Roggen im Vordergrund, da er gegenüber den anderen Getreidearten viele Vorteile besitzt. Die robusten Roggenpflanzen benötigen weniger Pflanzenschutzmittel und weisen eine sehr hohe Effizienz bei der Verwertung von Stickstoff und Phosphor auf. Aufgrund ihres ausgeprägten Wurzelsystems kommen die Roggenpflanzen zusätzlich mit weniger Wasser aus, was in Zeiten zunehmender Wetterextreme von großer Bedeutung ist. Ein weiterer wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche und gesunde Fütterung mit Roggen sind geringe Mutterkorngehalte. Eine Grundbedingung zur Minimierung des Risikos ist die angesprochene KWS PollenPlus- Mutterkornabwehr, d. h. der Einsatz von Sorten mit einer niedrigen Mutterkornanfälligkeit.

Aus Sicht der Tierernährung spielen die besonderen Inhaltsstoffe des Korns vom Roggen, die in der klassischen Futteranalytik nicht erkannt werden, eine entscheidende Rolle. Dabei geht es um die Roggen-Ballaststoffgehalte, wobei insbesondere der Gehalt an Fruktan (und der Gehalt löslicher Arabinoxylane) eine entscheidende Rolle spielt. Dieser ist im Roggen etwa doppelt so hoch wie in den anderen Getreidearten. Die mikrobiellen Abbauprodukte dieser besonderen Ballaststoffe im Roggen führen zu einer erhöhten Bildung von Buttersäure im Darm der Schweine. Dabei steht die wissenschaftliche Bestätigung der Hypothese einer Verminderung der Salmonellenbelastung und des Ebergeruchs durch die erhöhten Buttersäurewerte im Schwerpunkt des „6-R-Projektes“.

Die Ergebnisse aus der Feldstudie und die umfangreichen Forschungsansätze im „6-R-Projekt“ weisen auf das erhebliche Potenzial von Roggen für eine nachhaltige und gesunde Schweinefütterung hin. Roggen als regional angepasstes Produkt bietet damit die Chance für eine gesunde Ernährung - und damit mehr Tierwohl. „Der Verbraucher erwartet auch von uns, d. h. von der Tierernährung - von der Fütterung, Ansätze die das Tierwohl fördern. Und in diesem Zusammenhang verdient der Roggen tatsächlich unser Interesse“, meint Prof. Dr. Josef Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Somit ergibt sich hier eine Chance für alle Beteiligten, von der Mischfutterindustrie über den Schweinemäster bis zum Lebensmitteleinzelhandel und letztendlich bis zum Verbraucher, mit Hilfe der verstärkten Fütterung von PollenPlus-Roggen einen wesentlichen Beitrag für das Tierwohl der Schweine zu leisten. „Wir haben im Rahmen des Forschungsprojekts viele Anfragen von Mischfutterunternehmen und von Schweinemästern, die Roggen suchen. Wenn wir in Deutschland kurzfristig 100.000 oder 200.000 Hektar mehr Roggen anbauen würden, wäre schon viel erreicht“, meint Dr. Andreas von Felde, Leiter Produktmanagement International Food und Feed von KWS Getreide. Die Renaissance des Roggens steht bevor.

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Über KWS*

KWS ist eines der führenden Pflanzenzüchtungsunternehmen weltweit. 4.950 Mitarbeiter in 70 Ländern erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2016/2017 einen Umsatz von 1.080 Mio. Euro und erzielten dabei ein Ergebnis von 132 Mio. Euro vor Zinsen und Steuern (EBIT). Seit über 160 Jahren wird KWS als familiengeprägtes Unternehmen eigenständig und unabhängig geführt. Schwerpunkte sind die Pflanzenzüchtung und die Produktion sowie der Verkauf von Mais-, Zuckerrüben-, Getreide-, Raps- und Sonnenblumensaatgut. KWS setzt modernste Methoden der Pflanzenzüchtung ein, um Erträge sowie Resistenzen gegen Krankheiten, Schädlinge und abiotischen Stress weiter zu verbessern. Um dieses Ziel zu realisieren, investierte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr mit 190 Mio. Euro und damit 17 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Weitere Informationen: www.kws.de. Folgen Sie uns auf Twitter® unter https://twitter.com/KWS_Group.

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Dr. Malte Finck
Dr. Malte Finck
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