Kastration von Ferkeln: Neue Fütterungskonzepte bringen neue Lösungen

Roggen in der Schweinefütterung stärkt das Tierwohl

Roggen in der Schweinefütterung stärkt das Tierwohl

Einbeck, 13. Dezember 2018. In Deutschland werden männliche Ferkel nach der Geburt immer noch kastriert. Damit soll unter anderem vermieden werden, dass das Fleisch später so streng riecht, dass es ungenießbar ist. Vielversprechende Ergebnisse aus Feldstudien zeigen nun, dass der gefürchtete Ebergeruch durch die Fütterung der männlichen Mastschweine mit Roggen erheblich reduziert und sogar vermieden werden kann.

Das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln nach der Geburt zum 1.1.2019 wird derzeit viel diskutiert – ebenso, wie jüngst eine Verlängerung der Frist um zwei Jahre. Zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln gibt es bislang drei Alternativen: Die Kastration unter Narkose oder eine Impfung – beide sind aufwändig und flächendeckend schwierig umzusetzen. Eine weitere Lösung ist die Ebermast, also die Mast ohne Kastration – gefürchtet ist hier allerdings eine mögliche Geruchsbelastung der Tiere durch den Ebergeruch. Die Ergebnisse einer Studie „Tiergerechte Schweinefütterung und die Bedeutung von ballaststoffreichem Getreide“, die das Saatgutunternehmen KWS gemeinsam mit der genossenschaftlichen Viehvermarktung Walsrode e.G. und dem deutschen Raiffeisenverband e.V. (DRV) durchführt, könnten die Risiken einer Ebermast erheblich entschärfen. Beobachtet und dokumentiert wird eine deutliche Abnahme bzw. Vermeidung des Ebergeruchs in der Mast, wenn die Eber mit höheren Anteilen von Roggen gefüttert werden. „Seit wir unsere Tiere mit Roggen füttern, haben sich die Beanstandungen wegen Geruchsabweichungen erheblich verringert“, berichtet Willi Behrens von der Viehvermarktung Walsrode e.G., der die Praxisstudie federführend begleitet, von seinen Erfahrungen. „Mit der neuen Futterzusammenstellung sind die Eber von 8 der 9 teilnehmenden Ebermastbetriebe gar nicht mehr geruchsbelastet.“ Doch nicht nur auf den Ebergeruch wirkt sich Roggen positiv aus. Die Salmonellenbelastung ist um ca. 35 Prozent gesunken, beobachtet wird zudem eine Steigerung des Wohlbefindens der Tiere. „Unsere Verluste an Tieren sind deutlich gesunken. Die Schweine sind viel ruhiger, das ist deutlich spürbar, wenn man die Stallung betritt“, so Behrens. Das hängt damit zusammen, dass der ballaststoffreiche Roggen einfach satter macht. Behrens: „Das ist wie beim Menschen: Ein Vollkornbrot sättigt länger als ein Weißbrot.“ Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen ist klar, dass sich immer mehr Verbraucher einen Fleischgenuss wünschen, der im Einklang mit dem Tierwohl steht. Die Studie zeigt, dass neue Konzepte in der Tierernährung hier eine Schlüsselrolle spielen können. An der Praxisstudie nehmen mittlerweile 18 Betriebe teil, in ihnen wurden während der noch laufenden Testphase bereits über 60.000 Mastschweine mit einem Anteil von 40 Prozent Roggen in der Mischung für die Endmast gefüttert.

Die stark praxisorientierten Ansätze der Feldstudie werden derzeit durch wissenschaftliche Versuche und Daten ergänzt. Die Basis dafür liefert das durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderte Forschungsprojekt „6-R“-Konzept1: unter Leitung von Professor Dr. Josef Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, mit der Beteiligung von zwei weiteren, renommierten Tierernährungsinstituten2 und KWS als Industriepartner. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die spezifischen Inhaltsstoffe von Roggen und Raps zu untersuchen und mögliche positive Auswirkungen hoher Roggenanteile in Mischfutterkonzepten für die Schweine zu nutzen. „Die Ergebnisse der Feldstudie und die umfangreichen Forschungsansätze im „6-R“-Projekt verweisen auf das erhebliche Potenzial von Roggen für eine nachhaltige und gesunde Schweinefütterung“, so Professor Dr. Kamphues. „Der Verbraucher erwartet auch von uns, das heißt von der Tierernährung und von der Fütterung, neue Ansätze, die das Tierwohl fördern. Und in diesem Zusammenhang verdient der Roggen tatsächlich unser Interesse.“

Das „6-R“-Projekt liefert wissenschaftlich fundierte Daten

Aus Sicht der Tierernährung spielen die besonderen Inhaltsstoffe des Roggenkorns, die in der klassischen Futteranalytik nicht erkannt werden, eine entscheidende Rolle. Dabei geht es um die Roggen-Ballaststoffgehalte, wobei insbesondere der Gehalt an Fruktanen und löslichen Arabinoxylanen entscheidend ist. Dieser ist in Roggen etwa doppelt so hoch wie in den anderen Getreidearten. Der mikrobielle Abbau dieser besonderen Ballaststoffe im Roggen führt zu einer erhöhten Bildung von Buttersäure im Darm der Schweine. Dabei steht die Bestätigung der Hypothese – nämlich einer Verminderung des Ebergeruchs und der Salmonellenbelastung durch die erhöhten Buttersäurewerte – im Fokus des „6-R“-Projektes.

Weitere Informationen zum Thema Roggen in der Schweinefütterung finden Sie auch unter folgendem Link: https://www.kws.com/de/de/unternehmen/presse/world-of-farming/wie-roggen-die-schweinemast-verbessert/

1: 6-R steht für den Projekttitel „Regionale Renaissance von Roggen und Raps zur Reduktion von Problemen in Pflanzenbau und Tierproduktion durch Reevaluation der Inhaltsstoffe und deren gezielte Nutzung zur Förderung des Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutzes“.

2: Freie Universität Berlin, Institut für Tierernährung, vertreten durch Prof. Dr. Jürgen Zentek, Universität Bonn, Institut für Tierwissenschaften, vertreten durch Prof. Dr. Karl-Heinz Südekum

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Roggen in der Schweinefütterung

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