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Die Saat geht mit Satelliten besser auf

Satellitenbilder zeigen präzise, wo am besten wie viel Saatgut in die Erde kommen sollte. Diese Innovation ermöglicht Landwirten einen höheren Ertrag – der größte Milchkuhbetrieb Italiens vertraut bei seiner Maisaussaat bereits darauf.

Zwischen seinen Fingern zerbröckelt Simone Sebastiano feine Erdkrümel. „Die Kruste ist schon gut“, sagt der Landwirt nach einem weiteren prüfenden Griff in die tiefbraune oberste Schicht des Ackers in der Nähe von Rom. „Aber der Boden ist noch zu feucht für das Saatgut.“ Auch an diesem Tag im April wird es nichts mit der Maisaussaat. Das Warten auf den optimalen Aussaatzeitpunkt auf der Azienda Maccarese, einem der größten landwirtschaftlichen Betriebe Italiens, geht weiter.

Einst wurde Maccarese als Kooperative gegründet, seit 1998 befindet es sich im Besitz einer Holding der Benetton-Gruppe. Mit mehr als 3500 Milchkühen und einer täglichen Produktion von annähernd 40000 Litern ist es der größte Milchbetrieb Italiens. Ein Großteil der Bürger und Besucher der Weltstadt Rom trinkt Cappuccino mit Maccareser Milchschaum. Und damit die Kühe von Maccarese wohlgenährt und produktiv bleiben, baut Landwirt Sebastiano mit seinem Team Mais an.

Landwirte setzen auf KWS-Satellitenbilder

Wann genau das Saatgut unter die Erde kommt, kann Sebastiano nicht einfach bestimmen – er ist dabei vom Wetter abhängig. Der 36-Jährige und seine Mitarbeiter steuern allerdings die Saatgutmenge, um möglichst viel Ertrag zu erzielen. Dabei setzen sie nicht nur auf langjährige Erfahrung. Sie nutzen zusätzlich ein hochmodernes Analyseverfahren von Satellitenbildern, das KWS in Kooperation mit mehreren Höfen in Italien seit 2018 getestet hat.

Böden sind nicht homogen. Das sumpfige Areal um Maccarese ist dafür ein gutes Beispiel. An einigen Stellen ist mehr Humus im Boden, andere Bereiche sind tief und feucht, wieder andere erhöht und trocken. Nutzpflanzen wachsen nicht überall gleich gut, ihr Ertrag unterscheidet sich teilweise beträchtlich. Das ist in Maccarese genau wie überall sonst auf der Welt. Entsprechend programmieren Landwirte wie Sebastiano ihre Aussaatmaschinen, um dort mehr zu säen, wo auch mehr wächst. Allerdings basiert diese Entscheidung vielfach vor allem auf Erfahrung.

Digitale Karten zeigen Ertragspotenziale

Das System von KWS nutzt dagegen die geballte Masse großer Datenmengen und den objektiven Blick aus dem All. Das Satellitensystem Sentinel-2 der Europäischen Weltraumorganisation Esa liefert kontinuierlich Fotos der Erdoberfläche. Die Satelliten umkreisen die Erde und überfliegen etwa alle fünf Tage auch die 3200 Hektar von Simone Sebastianos Arbeitgeber in Mittelitalien. Die hochaufgelösten Bilder erlauben es, die Bodenbedeckung zu erkennen: Wasser, Felsen, Wald, Straßen, Felder, Pflanzen.

Die Bilder hat KWS über mehrere Jahre hinweg gesammelt, miteinander verrechnet und analysiert. Aus diesen Informationen ermittelt das System, an welchen Stellen mehr oder weniger Pflanzen wachsen – und das in einem Maßstab von zehn mal zehn Meter. Eine digitale Karte der Satellitendaten zeigt so auch die Felder von Maccarese.

Auf dem Bildschirm in Sebastianos Büro spannen sich bunte Flächen über die virtuellen Felder. Die Software zeigt dem 36-Jährigen die Ergebnisse der vergangenen Jahre: Je grüner der Farbton, desto mehr Pflanzen standen auf dem entsprechenden Abschnitt. Rote Flächen zeugen dagegen von geringerem Ertrag. Der KWS-Algorithmus setzt diese Erkenntnisse direkt um und leitet schließlich eine Empfehlung ab, wie viel Saatgut wo eingesetzt werden sollte. Kurz vor Feierabend ist Landwirt Sebastiano zufrieden mit der Planung und schickt die Information mit einem Klick an seine Aussaatmaschine.

Mais wichtigste Frucht auf Maccarese

Die soll möglichst bald Mais säen – und zwar auf fast einem Drittel der 3200 Hektar Ackerfläche von Maccarese. Mais wird dort als ganze Pflanze geerntet, zu Silage verarbeitet und das ganze Jahr über an die Kühe verfüttert. Außerdem ist Mais der Rohstoff für die beiden Biogasanlagen auf dem Hof. So wird unter anderem die eigene Molkerei mit Energie versorgt.

Ein neuer Tag bricht an. Mit seinem schlammverschmierten grauen Pick-up fährt Simone Sebastiano auf das Areal am Verwaltungsgebäude der gewaltigen Farm. Er war mit seinem Kollegen Enrico Gazzola schon am frühen Morgen auf den Feldern. Diesmal fiel die Bodenprobe positiv aus, die Aussaat kann beginnen und das KWS-System sich wie im Vorjahr im Praxistest bewähren. Kurze Zeit später stehen Sebastiano und Gazzola mit 15 Mitarbeitern im warmen Licht der Morgensonne und besprechen die Aussaat.

Landwirte kennen ihre Äcker natürlich selbst sehr gut. „Aber viele von ihnen beschäftigen Lohnunternehmer bei der Aussaat, die kennen das Feld nicht so genau“, sagt KWS-Experte und Agrarwissenschaftler Mark Bieri, der den Algorithmus für die Auswertung der Satellitenbilder entwickelt hat. „Zudem gibt es in einigen Regionen Europas sehr große Felder, die auch der Landwirt nicht immer im Detail kennt.“

Es gehe nicht darum, alles anders zu machen, erklärt der Fachmann. Das variable Aussaatsystem erlaube es, noch ein paar Prozentpunkte mehr beim Ertrag herauszukitzeln. „Das Satellitensystem bringt uns viele Vorteile“, bestätigt Simone Sebastiano, „vor allem wird das Wachstum der Pflanzen und der Maiskolben auf dem Feld deutlich gleichmäßiger. Sie können auch viel besser geerntet werden. Und schließlich sparen wir bares Geld beim Saatgut – wir nutzen es nun viel präziser und erhalten genau die Produktion, die wir wollen.“

Ertragssteigerungen um bis zu zehn Prozent

Im besten Fall, sagt Mark Bieri, könne die satellitenbasierte variable Aussaatrate den Ertrag um rund zehn Prozent erhöhen. KWS will seinen Service künftig ausweiten: 2019 sollen mit Serbien und Deutschland weitere Pilotländer hinzukommen.

Auf dem Feld füllen inzwischen Mitarbeiter der Azienda Mais-Hybridsaatgut in die acht Kammern des Seeders, der hinter einem grünen Traktor hängt. Auf seinem Dach thront ein oran-gegelbes Bauteil, das mit der Bordelektronik kommuniziert und das digitale Kartenmaterial einspeist. Langsam fährt der John Deere, unterstützt von GPS-Navigation, los und zieht seine Bahnen auf dem Feld.

Simone Sebastiano kniet sich in die gerade gezogene Furche, überprüft Tiefe und Abstand des Saatguts und steht schließlich schwungvoll wieder auf. „So passt das alles“, sagt er, „jetzt darf es auch gern bald wieder regnen.“

Drohnen, Satelliten, Daten: Darum geht es beim „Precision Farming“

Ob bei der variablen Menge von Saatgut bei der Aussaat, ob bei der Überwachung des Pflanzenwachstums oder beim Bestimmen des perfekten Zeitpunkts für die Ernte: Landwirte stützen ihre Entscheidungen zunehmend auf große Datenmengen und hochauflösendes Bildmaterial. Satelliten und Drohnen liefern mit ihren Fotos objektive und präzise Hinweise auf den Bedarf an Düngemitteln, den möglichen Befall durch Schädlinge oder den Wassergehalt des Bodens. „Das alles trägt zu einer ressourcenschonenden Landwirtschaft bei, einem unserer Hauptziele“, sagt KWS-Experte Mark Bieri.

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