Fütterungs-Ratgeber

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Illustrierte Darstellung einer Kuh

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Durch Klicken auf eines der sieben angegebenen Feldern an der Kuh, erhalten Sie detaillierte Informationen zu verschieden Fütterungsparametern und Verdauungsvergängen.

Parameter Grassilage 1. Schnitt Maissilage
Trockenmasse (TM) in % 30–40 30–37
Rohasche % i.d.TM <10 <4
Rohprotein (XP) % i.d.TM <17 <9
Rohfaser % i.d.TM 22–25 17–20
NDF % i.d.TM 40–48 35–40
ADF % i.d. TM 24–28 21–25
ELOS % der TM >68 >67
Gasbildung ml/ 200mg TM >50 k.A.
Strukturwert (SW) 2,6–2,9 1,5–1,7
Stärke % i.d.TM -- >30
Zucker % in TM 3-8 --
ME MJ /kg TM >10,6 >11
NEL MJ /kg TM >6,4 >6,6
nXP g /kg TM >135 >132
RNB g /kg TM <+6 -8 bis -9
Quelle: LUFA Nord-West und LUFA NRW

Schmackhaftigkeit der Futterkomponenten:

Es sollten nur Futtermittel von bester Qualität zum Einsatz kommen. Grob- und Saftfuttermittel müssen sowohl aus energetischer, als auch aus hygienischer Sicht einwandfrei sein.
Kühe haben einen ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn und sind bezüglich der Futterqualität sehr anspruchsvoll.

Trockenmasse der Ration am Trog:

TM-Gehalte zwischen 35% und 45% in der vorgelegten Ration werden am besten gefressen und erreichen im Mittel die höchsten TM-Aufnahmen bei der Kuh.

Trockene Rationen (>45% TM) Nasse Rationen (<35% TM)
Neigung zur Entmischung
  • Kuh frisst selektiv



enthalten viel Wasser
  • führt meist zu geringerer Gesamt-TM-Aufnahme, da Tiere viel Wasser aufnehmen
  • Strukturwirksamkeit einer nassen Ration ist schlechter

Physikalische Struktur der Ration

  • Vorhandensein genügend langer Partikel → dienen zur Ausbildung der Fasermatte im Pansen
  • Fasermatte ist eine Grundvoraussetzung für physiologische Pansenfunktion


Die Grundvoraussetzungen sind:

  • Durchmischung
  • Kontraktion
  • Wiederkauen


Eine gute Kontrolle der Struktur liefert ein einfacher Test:

  • Ration „piekst“ beim Zusammendrücken in der Hand
  • nach festem Zusammendrücken quillt Futter in der Hand wieder auf
  • keine zu langen, selektierbaren Partikel in der Ration (Stroh, Grassilage)
  • homogene Mischung des Futters
  • Häcksellänge von 4–6 mm bei Mais und bis 4 cm bei Gras reicht für stabile Fasermatte
  • Richtzahl: Partikel, die größer sind als eine halbe Maulbreite sind selektierbar!

Der Einsatz einer Futter-Schüttelbox liefert genaue Informationen über Mischgenauigkeit und Selektion, sowie über die Partikelgrößenverteilung in der Ration.

Die Schüttelbox als 3-teiliges Siebkastensystem

Die Schüttelbox besteht aus einem dreiteiligen Siebkastensystem, welches das gesiebte Futter durch die verschiedenen Sieblochgrößen in 3 Fraktionen teilt.

Einsatzmöglichkeiten:

  • Bestimmung der Partikelgrößen zur Strukturbewertung
  • Bewertung von Futterresten
  • Überprüfung der Mischgenauigkeit


Anwendung:
Etwa 300g Originalsubstanz (mind. 200, max. 400g) werden in das obere Sieb des zusammengestellten Siebkastens gegeben.
Auf einer glatten Oberfläche ist der Siebkasten dann entsprechend der folgenden Skizze kräftig zu schütteln:
Jede Seite 5-mal, danach Box um ein Viertel im Uhrzeigersinn drehen, d.h. bei einem Durchgang sind 40 Schüttelbewegungen nötig.

Rationsbeurteilung:

Anschließend werden mit einer Waage die Gewichtsanteile festgestellt. In folgender Tabelle sind Empfehlungen für die Fraktionsanteile in einer TMR aufgeführt:

Siebfraktion und Partikelgröße Empfohlene Gewichtsanteile in einer TMR
Obersieb (> 1,9 cm) mind. 6-10%
Mittelsieb (< 1,9 cm → 0,8 cm) 30-50%
Untersieb (< 0,8 cm) 40-max. 60%

Zur Bewertung von Teil-Mischrationen, bei denen die Kühe zusätzlich Kraftfutter über eine Transponderstation abrufen können, muss das Kraftfutter gewichtsanteilig der Fraktion im Untersieb zugeordnet werden.

Eine Beprobung von Futterresten mit der Schüttelbox gibt Auskunft darüber, ob die Tiere die Ration gleichmäßig fressen. Wenn sich Futterreste in der Zusammensetzung deutlich von der frisch vorgelegten Ration unterscheiden, dann selektieren die Tiere die Ration und fressen nicht gleichmäßig!

Folge einer Futterselektion (z.B. Kraftfutterkomponenten in einer trockenen Mischration) führt zu Strukturmangel und Acidose, obwohl rechnerisch genügend Strukturbestandteile in der Ration enthalten sind.

Die empfohlenen Gewichtsanteile sollen ungefähre Richtwerte darstellen. Unterschreitungen von 6% im Obersieb, als auch Überschreitungen von 60% im Untersieb sind bezüglich der Strukturversorgung als kritisch zu bewerten.

Milchkühe haben einen hohen Bedarf an Futterstruktur und zugleich an Energiedichte. Abhängig von Gewicht, Laktationsstand und Milchleistungsniveau muss die Ration an das jeweilige Leistungsniveau bestmöglich angepasst werden. Die wichtigsten Bedarfszahlen werden im folgenden vorgestellt.

Energiebedarf:

Der Energiebedarf einer Kuh wird in MJ NEL (Megajoule Netto-Energie-Laktation) angegeben. Dieser Energiebedarf wird unterteilt in den Erhaltungsbedarf und den Leistungsbedarf.

Erhaltungsbedarf Leistungsbedarf
Der Erhaltungsbedarf ist abhängig von der Lebendmasse des Tieres und umfasst die Nährstoffe, die eine ausgewachsene, nicht laktierende und nicht trächtige Kuh zur Aufrechterhaltung ihrer Stoffwechselvorgänge benötigt
Der zusätzliche Leistungsbedarf ergibt sich aus dem Nährstoffverbrauch für die Milchbildung, dem Energieansatz und dem weiteren Wachstum von Fötus und Gewebe im Verlauf der Trächtigkeit


Erhaltungsbedarf von Milchkühen bei unterschiedlichen Lebendmassen

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Erhaltungsbedarf von Milchkühen bei unterschiedlichen Lebendmassen.

Lebendmasse (kg) Erhaltungsbedarf (MJ NEL/Tag)
500 31,0
550 33,3
600 35,5
650 37,7
700 39,9
750 42,0
800 44,1

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, 2001

Energiebedarf pro kg Milch in Abhängigkeit vom Fettgehalt

Der Energiebedarf für die Milchbildung ist, abhängig vom Fettgehalt der Milch, unterschiedlich hoch. Der Bedarf an MJ NEL pro kg Milchleistung ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.

Fettgehalt der Milch Bedarf an NEL (MJ/kg Milch)
3,0 2,9
3,5 3,1
4,0 3,3
4,5 3,5
5,0 3,6

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, 2001

Proteinbedarf

  • die Rohproteinversorgung über das Futter sagt aufgrund der mikrobiellen Verdauung im Pansen nur wenig über die Proteinqualität am Dünndarm aus. Es müssen sowohl die Mikroorganismen im Vormagen, als auch die Kuh selbst am Dünndarm optimal mit Protein versorgt werden. Die Bewertung des Eiweißes bei der Milchkuh erfolgt auf Basis des nutzbaren Rohproteins am Dünndarm, dem sogenannten nXP
  • nXP besteht aus unabgebautem Futterprotein (UDP) und Mikrobenprotein. Es wird mit Hilfe von UDP und Energiegehalt für die jeweiligen Futtermittel berechnet
  • die nachfolgende Tabelle beinhaltet Richtwerte zur Versorgung mit nXP, unterteilt in Erhaltungs- und Leistungsbedarf, in Abhängigkeit von Lebendmasse und Milchleistung

Beispiel:

Eine 650 kg schwere Kuh mit einer Milchleistung von 30 kg Milch und einem Milcheiweißgehalt von 3,40% hat beispielsweise einen Bedarf von 3000g nXP pro Tag.

Richtwerte für die Versorgung mit nutzbarem Rohprotein

Erhaltung nXP
500 kg LM 390 g/d
550 kg LM 410 g/d
600 kg LM 430 g/d
650 kg LM 450 g/d
700 kg LM 470 g/d
750 kg LM 490 g/d
800 kg LM 510 g/d
Milchproduktion
Milch mit 3,2% Eiweiß 81 g/kg Milch
Milch mit 3,4% Eiweiß 85 g/kg Milch
Milch mit 3,6% Eiweiß 89 g/kg Milch

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, 2001

Bedarfswerte der Ration in den verschiedenen Laktationsabschnitten (Jahresmilchleistung: 8.000 - 10.000 kg)


  Frühlaktation Mittellaktation Spätlaktation Trockensteher
Angestrebte Futteraufnahme
kg TM pro Tag
min. 21 >21 18–21 12-15
Energiegehalt
MJ NEL/kg T
7,0–7,3 6,7–7,0 6,5–6,7 5,3–5,7
Proteingehalt
g nXP pro kg TM
165–175 145 - 165 140–145 100–125
Stärke und Zucker
g pro kg TM
150 – max. 250 110 - max. 225 75–225 k.A.
Beständige Stärke
g pro kg TM
20–50 20 - 50 max. 25 k.A.
Strukturwert min. 1,1–1,15
min. 1,1 min. 1,0 min. 2,0
Rohfett
g pro kg TM
max. 45 max. 45 max. 45 max. 40
Rohfaser
g pro kg TM
min. 150–180 min. 150 - 190 min. 150 min. 260
RNB
g pro kg TM
0–1 0–1 0–1 0

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie 2001

In der Anfütterungsphase (ab 3 Wochen vor dem Abkalbetermin) muss die Energiekonzentration der Ration wieder angehoben werden, da die Futteraufnahme mit wachsendem Fötus sinkt!

Eine „Gewöhnung“ der Pansenmikroben an die Futterkomponenten der laktierenden Ration wird empfohlen; Anfütterung mit Kraftfutterkomponenten.

  • Energiekonzentration der Ration am Trog hat einen großen Einfluss auf die aufgenommene Futtermenge
  • je höher die Energiedichte, desto höher die aufgenommene Futtermenge
  • in der unten dargestellten Tabelle ist die erforderliche Aufnahme an Futter-Trockenmasse zur Deckung des Energiebedarfes einer Milchkuh mit 650 kg Lebendgewicht, bei unterschiedlicher Energiekonzentration im Futter, in Abhängigkeit von der Milchleistung dargestellt

Beispiel für unterschiedliche Milchleistungen bei gleicher Futteraufnahme:

Kuh frisst in beiden Fällen annähernd dieselbe Futtermenge, aber: Differenz von 10 kg Milchleistung zwischen hoher und niedriger Energiedichte!

MJ NEL7kg TM
  5,2 5,6 6,0 6,4 6,8 7,2 7,6
10 13,6 12,6 11,8 11,0 - - -
15 - 15,6 14,5 13,6 12,8 - -
20 - 18,6 17,3 16,2 15,2 14,7 -
25 - - 20,0 18,8 17,7 16,7 15,8
30 - - 22,8 21,4 20,1 19,0 18,0
35 - - - 23,9 22,5 21,3 20,2
40 - - - 26,5 25,0 23,6 22,3
45 - - - - 27,4 25,9 24,5
50 - - - - 29,8 28,2 26,7

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie, 2001

Die Futteraufnahmekapazität ist abhängig von:

  • Futterqualität
  • Leistung
  • Tiermaterial
  • Umwelteinflüssen
  • Management am Trog

  • schon innerbetrieblich sind starke Schwankungen in der Futteraufnahme zu beobachten
  • die Ermittlung der durchschnittlich aufgenommenen Futtermenge der Herde ist deshalb eines der wichtigsten Controllinginstrumente in der Milchviehhaltung!
  • Grundlage für die Rationsberechnung müssen Analyseergebnisse der tatsächlich eingesetzten Futtermittel sein
  • Analysen sollten im Idealfall vor Anbruch der Miete vorliegen, um Rationsplanung und –zusammensetzung zu kalkulieren.
  • langsame/gleitende Futterwechsel (Verschneiden) durchführen, um Anpassung der Pansenmikroben zu gewährleisten.
  • nur hygienisch einwandfreie Futtermittel verfüttern. Erwärmte und mit Schimmel belastete Partien haben gesundheitliche Schäden zur Folge.
  • Wasserversorgung wichtig:
  • Wasserqualität und Durchfluss prüfen und Tränken täglich säubern. Wasser ist das günstigste Futtermittel. Bei Mängeln in der Wasserversorgung nutzt das beste Futter nichts!

Detaillierte Darstellung der Kohlenhydrate in der erweiterten Weender Analyse:

NFC = Nicht Faser Kohlenhydrate und

NDF = Neutrale Detergenzien Faser

NDF stellt die komplette Faserfraktion einer Pflanze dar

ADF = saure Detergenzien Faser

ADL = Lignin

NDF und ADF enthalten noch Silikate und Kieselsäure

Nach Veraschung werden NDF org und ADF org ermittelt

  • im Maul findet durch das Wiederkauen eine intensive Zerkleinerung des Futters statt → Ausscheidung gasförmiger Stoffwechselprodukte (CO2 und CH4) über das Maul
  • Speichelmenge 100-200 l pro Tag bei Milchkuh; pH-Wert im Speichel 8,2-8,4
  • Natriumbicarbonat im Speichel als Puffersubstanz für den Pansen; stabilisiert über das Wiederkauen den pH-Wert
  • etwa 30-70 Minuten nach der Futteraufnahme wird der Panseninhalt in mehreren Perioden zurück in die Maulhöhle befördert, wiedergekaut und wieder abgeschluckt
  • Faustzahl: Über 60% der liegenden Tiere sollten wiederkauen
  • die Kauschläge pro Bissen geben Auskunft über die Strukturversorgung des Tieres. Es sollten im Mittel mindestens 55 Kauschläge pro Bissen in der laktierenden Herde erreicht werden. Werden weniger Kauschläge gezählt, ist dies ein Hinweis auf einen Mangel an Futterstruktur und eingeschränktes Wiederkauen
    Folge: Acidose
  • bei > 70 Kauschlägen pro Bissen ist im Verhältnis zur Struktur zu wenig Energie im Pansen der laktierenden Kuh vorhanden
  • 70 Kauschläge werden für trockenstehende Tiere angestrebt
  • bei Weidegang:
    Faustzahl: 1 kg Futter TM-Aufnahme pro Stunde bei aktivem Grasen möglich

Fressverhalten der Kühe beobachten!
  • Kühe sind Selektionskünstler. Rationsbestandteile, die eine halbe Maulbreite überschreiten (z.B. lange Grassilage, Langstroh, Kartoffeln…) können selektiert werden
  • jede Selektion in einer TMR ist negativ zu bewerten, da sie zu Störungen in der Pansenflora führen kann

Wie erkenne ich selektives Fressverhalten?
  • die Tiere schieben das Futter hin und her bevor sie fressen, denn Kraftfutterpartikel rieseln einer trockenen Ration nach unten durch
  • in der vorgelegten Ration sind Löcher erkennbar
  • Futterreste weichen optisch und in der Zusammensetzung der Partikelgröße deutlich von der frisch gemischten Ration ab (Kontrolle mit Schüttelbox)

Tipp: Ein auffällig vorgestrecktes Maul bei der Futteraufnahme kann ein Hinweis auf mangelnden Strukturgehalt der Ration sein. Die Kuh hält das Maul in waagerechter Position, damit Feinanteile während des Kauens am Trog nicht aus dem Maul heraus fallen

  • der Netzmagen liegt neben der Einmündung der Speiseröhre in den Pansen. Er ist in der Lage, sich zu kontrahieren und befördert damit das Futter zum Wiederkauen zurück in die Maulhöhle und umgekehrt zerkleinerte Partikel aus der Maulhöhle wieder zurück in den Pansen.
  • die Funktion des Netzmagens ist hauptsächlich das „Aussieben“ der Nahrung und die Weiterleitung der Feinpartikel in den Blättermagen. Verdauungsvorgänge finden hier nicht direkt statt.
  • der Pansen hat ein Fassungsvermögen von 100l bis 180l und bildet mit dem Netzmagen (Psalter) eine funktionale Einheit.
  • im Pansen findet etwa 70% der Verdauung des Rindes statt
  • Verdauung funktioniert mit Hilfe von verschiedenen Mikroorganismen (Bakterien, Protozoen und Pilze)
  • Stoffwechselprodukte der Verdauung im Pansen sind:
    • kurzkettige FS (Propionat, Acetat und Butyrat)
    • CO2 und Methan
    • Aminosäuren und NH3
  • der optimale pH-Wert im Pansen liegt bei 6,5
  • stärkereiche Fütterung führt zu hohen Gehalten an Propionat und Lactat und bewirkt eine verstärkte Absenkung des pH-Wertes
  • pH-Werte < 6 führen zu einer Pansenacidose (siehe Exkurs: Wie kann man Pansenacidose erkennen)

  • Pansenacidose ist in der heutigen Zeit eine weit verbreitete Stoffwechselerkrankung („Zivilisationskrankheit der Milchkuh“), die sich aus dem Anspruch an die sehr hohe Energiedichte im Futter und gleichzeitig angepasster Strukturversorgung der Hochleistungskuh ergibt
  • mangelndes Strukturangebot führt zu fehlender Schichtung im Pansen und in der Folge zu verminderter Anzahl von Pansenkontraktionen. Die Kuh kaut demzufolge nicht genug wieder.
  • im unteren Bereich des Pansens befinden sich die leicht löslichen Futterbestandteile und die Pansenflüssigkeit (flüssige Phase)
  • darüber schwimmt die sogenannte „Fasermatte“, die vor allem aus Raufutter besteht und den Wiederkaureflex im Pansen auslöst (feste Phase)
  • im oberen Teil des Pansens befinden sich die Gärgase aus der mikrobiellen Umsetzung (gasförmige Phase)
  • fehlendes Wiederkauen bei Strukturmangel führt wegen fehlender Neutralisation durch Speichel (Natriumbicarbonat) zur Übersäuerung im Pansen

Verdauung von Kohlenhydraten im Pansen:

  • KH werden im Pansen zu kurzkettigen Fettsäuren (FFS), Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) abgebaut
  • CH4 und CO2 werden über das Maul (Eruktion) abgegeben
  • FFS werden über die Pansenschleimhaut absorbiert
  • beim Abbau von Cellulose entsteht primär Acetat (Essigsäure)
  • beim Abbau von Stärke entsteht Propionat und Butyrat (Propion- und Buttersäure)
  • Cellulose als Gerüstsubstanz hat neben der ernährungsphysiologischen Funktion auch eine wichtige physikalische Funktion im Pansen als Lieferant von Futterstruktur
  • Struktur ist für die Pansenmotorik, das Wiederkauen und die daraus resultierende Speichelproduktion zur Regulierung des pH-Wertes im Pansen von entscheidender Bedeutung

Verdauung von Eiweiß im Pansen:
  • Eiweiß wird von Mikroben hauptsächlich zu Aminosäuren und kurzkettigen Fettsäuren (FFS) abgebaut
  • FFS werden resorbiert und die AS werden zum Aufbau von Mikrobeneiweiß genutzt
  • Mikroben nutzen das aus dem Futterproteinabbau frei werdende Ammoniak (NH3) wieder zum Aufbau eigenen Mikrobenproteins
  • schwer abbaubares, bzw. unabbaubares Futterprotein (UDP) geht unverdaut weiter bis in den Dünndarm
  • Stickstoff wird beim Wiederkäuer über den ruminohepatischen Kreislauf rezykliert und geht nicht verloren, dh. N wird über die Leber und den Speichel wieder in den Pansen zurückgeführt
  • dieser Kreislauf kann bis zu 50% des benötigten N liefern
  • zu viel N bedeutet für einen Wiederkäuer also immer auch eine stärkere Belastung des Pansen- und des Leberstoffwechsels
  • im Pansensaft werden 10-25 mg NH3/100 ml angestrebt
  • bei einem Überangebot an löslichem Protein in Kombination mit Stärkemangel können auch Werte von 40 mg/100 ml erreicht werden
  • Folge: Pansenalkalose (pH-Werte > 7), die mit einer Depression der Futteraufnahme einhergeht (eher selten)
  • Proteinversorgung der Kuh wird über Mikrobenprotein und UDP gedeckt
  • Mikrobenprotein ausreichend für Erhaltungsbedarf inklusive 12 bis 15 kg Milchleistung
  • Gehalt an nutzbarem Rohprotein am Dünndarm (nXP) im Futter wird bei steigenden Leistungen immer wichtiger, um den Bedarf des Tieres zu decken!

Merke: Mikrobenprotein + unabbaubares Futterprotein (UDP) = nutzbares Rohprotein am Dünndarm (nXP)

Verdauung von Fett im Pansen:

  • die Mikroben modifizieren das Fettsäuremuster
  • es werden Triglyceride und Phospholipide mittels Lipolyse in Glycerol und Fettsäuren zerlegt
  • Glycerol wird weiter im KH-Stoffwechsel verarbeitet
  • die Fettsäuren werden nur zu einem geringen Teil von den Mikroben benötigt und werden daher fast vollständig hydriert und im Dünndarm weiter verdaut
  • Wiederkäuer sind physiologisch nicht auf Fettverdauung ausgelegt!
  • der Fettgehalt einer Tagesration sollte 4-5% nicht überschreiten, da es sonst zu Verdauungsstörungen im Pansen kommen kann
  • Pansengeschützte Fette (z.B. thermisch behandelt) durchlaufen den Pansen und werden im Dünndarm verdaut
  • auch bei Einsatz von pansengeschützten Produkten Grenzwert von 5% Fettgehalt in der Tagesration einhalten!

Wichtig: Kontrolle des Wiederkauens (Häufigkeit, Kauschläge)

Zu überprüfende Parameter Zielwert Gefahr von Acidose
Wiederkauschläge pro Bissen zählen (2-3 Wiederholungen pro Kuh) 55-60 pro Bissen bei laktierenden Tieren < 50 Kauschläge pro Bissen
starke Schaumbildung beim Wiederkauen
Pansenfüllung kontrollieren Pansennote 3-4 bei laktierenden Kühe anzustreben Bei Pansennoten 1 und 2*; hier ist das sogenannte „Warndreieck“ ausgebildet (siehe Exkurs Pansenfüllung)
Kotkonsistenz und Kotfaserigkeit Je nach Fütterung Note 2-3 anzustreben Dünner, durchfallartiger Kot (Note1)*
Körperkondition (Body Condition Score)
Fellzustand
Abhängig von Leistung und Gesamtkonstitution BCS-Noten von 2,5–3,25 bei laktierenden Kühen Schwacher BCS* (< 2,5)
und stumpfes, struppiges Fell
Milchinhaltsstoffe am Tank und Einzeltier Abhängig vom Leistungsniveau; Fettgehalte > 3,6% am Tank Fettgehalte < 3,6% am Tank; Herde mit hohem genetischen Fettgehalt auch schon < 3,8% kritisch zu bewerten; Einzeltierbewertung siehe Exkurs Beurteilung Milchinhaltsstoffe
Klauengesundheit / Lahme Tiere So wenig lahme Tiere wie möglich! Plötzliches Auftreten starker Lahmheit; weiches Horn; Einblutungen in der Sohle… (siehe Exkurs Erkennen von Rehe)
pH-Wertmessung im Urin / im Pansen Urin: > 8,0 pH Wert
Pansen: > 6,0 pH Wert
Bei Unterschreitung der genannten Zielwerte im Urin oder im Pansen

* Wird im Folgenden näher erklärt

Pansennote 1:

Sehr tief eingefallene Hungergrube; Tier hat lange nichts gefressen; Hungergrube erscheint rechteckig. Die Haut unterhalb des Hüfthöckers verläuft senkrecht nach unten und liegt unter den Querfortsätzen an. Die Hungergrube ist hinter dem Rippenbogen mehr als eine Handbreit tief. Deutliches Anzeichen dafür, dass das Tier nicht in Ordnung ist!

Pansennote 2:

Tief eingefallene Hungergrube; Futteraufnahme ungenügend; Hungergrube erscheint als Dreieck („Warndreieck“) und ist hinter dem Rippenbogen eine Handbreit eingefallen. Haut liegt unter den Querfortsätzen an. Oftmals bei Tieren zu sehen, die kurz vor der Abkalbung sind; bei laktierenden Tieren Anzeichen für mangelnde Futteraufnahme

Pansennote 3:

Hungergrube nur noch leicht hinter dem Rippenbogen sichtbar. Die Haut über den Querfortsätzen verläuft eine Handbreit senkrecht und wölbt sich dann nach außen. Angestrebte Pansennote für laktierende Kühe in der ersten Hälfte der Laktation mit guter Futteraufnahme und optimaler Passagerate des Futters

Pansennote 4:

Es ist keine Hungergrube sichtbar. Die Haut über den Querfortsätzen wölbt sich direkt nach außen. Ideale Pansennote für altmelkende Kühe und Trockensteher.

Pansennote 5:

Keine Hungergrube und keine Querfortsätze sichtbar; die Bauchhaut ist rund gespannt und der Rippenbogen geht nahtlos in die Flanke über. So soll die Pansennote bei trockenstehenden Kühen aussehen. Zeichen für gute Futteraufnahme

Die Tabelle stellt den optimalen Verlauf einer BCS-Kurve dar

  • zum Zeitpunkt der Abkalbung werden Noten zwischen 3,25 und 3,75 angestrebt
  • in dieser Kondition hat die Kuh die nötigen Körperreserven, die sie für hohe Leistungen im ersten Laktationsdrittel benötigt
  • BCS-Noten > 3,75 gelten bereits als überkonditioniert/verfettet und stehen immer in Zusammenhang mit Schwergeburten, Stoffwechselstörungen und bereits verminderter Futteraufnahme in der Trockenstehzeit (siehe Exkurs Ketose)
  • gesunde Kühe verlieren im ersten Laktationsdrittel nicht mehr als 0,75 bis max. 1 Konditionsnote
  • BCS-Noten < 2,5 in der Hochleistungsphase gelten als kritisch
  • in der 2. Laktationshälfte ist ein stetiger BCS-Anstieg (Auffleischen) von ca. +1 Note erwünscht, um wieder Reserven für die nächste Abkalbung zu schaffen

Gründe für das Entstehen von Klauenrehe:

  • wichtigster Entstehungsgrund: Fehler in der Fütterung → fütterungsbedingte Rehe; komplette Klaue ist betroffen
  • neben diesem fütterungsbedingten Auftreten, gibt es noch weitere Gründe für die Entstehung einer Rehe:
    • Vergiftungsrehe
    • Geburtsrehe
    • Überlastungsrehe (meist nur Außenklaue hinten betroffen)


Was passiert bei einer Klauenrehe?

  • Strukturmangel im Pansen oder zu hohe Gaben an Kraftfutter führen zu Acidose
  • niedriger pH-Wert führt zum Absterben von Mikroben im Pansen
  • Freisetzung von Endotoxinen und Histamin führt zu Anstieg der Blutviskosität
  • höhere Viskosität des Blutes führt zu mangelnder Durchblutung der kleinen Kapillaren in der Lederhaut der Klauen
    Folge: Absterben der Zellen in der Lederhaut
  • Nährstoffversorgung und damit physiologische Funktion gestört
  • im akuten Falle: Absenkung des Klauenbeines = hochgradige Schmerzen; starke Lahmheiten
  • entzündliche Prozesse und Einblutungen
  • Entstehung einer doppelten Sohle

Reheklaue vor dem Ausschneiden; Schwellung des
Unterfusses und doppelte Sohle erkennbar

Quelle: top agrar 2010

An dieser ausgeschnittenen Klaue sind Einblutungen
und ein Geschwür in der Sohle deutlich erkennbar

Quelle: top agrar 2010

Kontrollpunkte zur Vermeidung von Klauenrehe:

  • Strukturversorgung und Futteraufnahme überprüfen; v.a. Frischabgekalbte
  • Klauenrehe ist zumeist eine Folgeerkrankung der Acidose
  • es gelten hier folglich alle Kontrollpunkte, die bei Acidose bereits genannt wurden (siehe Acidose)

Zusätzliche Kontrollpunkte:

  • Mineralstoffversorgun g prüfen; Mangel an z.B. Zink, Biotin führt zu verminderter Qualität des Klauenhorns
  • belastetes Futter (Schimmel, Hefen) verwerfen! Freiwerdende Toxine können Rehe auslösen
  • Eiweißüberversorgung vermeiden = Stoffwechselbelastung; Harnstoffwerte zwischen 200 – 250 ppm in der Milch
  • Haltungsbedingungen optimieren (Liegeboxen und Laufgänge) um Belastungsrehe zu vermeiden, denn Kühe sollen viel und bequem liegen, um Wiederkauen zu fördern und damit auch die Milchleistung
  • konsequente und regelmäßige Klauenpflege!
    mind. 2-3 mal jährlich für physiologisches Laufen nötig

Längsschnitt einer Reheklaue; Einblutungen
und entzündliche Prozesse (Eiterbildung) erkennbar

Quelle Foto: P. Heimberg; TGD LK NRW

Spätfolgen von Klauenrehe

  • Einblutungen in der Sohle beim Klauenschnitt erkennbar bedeutet, „akuter“ Zustand der Rehe war vor ca. 6-8 Wochen!
  • doppelte Sohle als Folge mangelnder Durchblutung
  • dauerhafte Deformationen der Klauen (siehe Bild)
  • längerfristig verminderte Hornqualität
  • Defekte an der weißen Linie (White Line Disease), verursacht durch die Klauenbeinabsenkung
  • dadurch vermehrt Gefahr für das Entstehen von Sohlengeschwüren und hohler Wand
  • vermehrter Klauenpflegeaufwand (Korrekturschnitt empfohlen ca. alle 3 Monate)

Deformiertes Klauenwachstum nach Reheerkrankung; sogenannte „Schnabelklaue“ erkennbar

Quelle Fotos: P. Heimberg; TGD LK NRW

 &#34;an Ketose erkrankte Kuh mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung&#34;

"an Ketose erkrankte Kuh mit rechtsseitiger Labmagenverlagerung"

Allgemeines:

  • Ketose ist neben der Acidose die häufigste Stoffwechselerkrankung der Milchkuh
  • Fütterung und Haltung im letzten Laktationsdrittel und in der Trockenstehphase haben einen großen Einfluss auf die Häufigkeit dieser Erkrankung
  • Ketose ist immer die Folge einer negativen Energiebilanz
  • Ursachen sind vielseitig!
  • Unterscheidung von primärer und sekundärer Ketose
  • sekundäre Ketose ist die Folge einer Vorerkrankung (z.B. Milchfieber, Lahmheit, Schwergeburt)
  • Ketose tritt meistens in den ersten 4-6 Wochen nach der Kalbung auf (Phase des höchsten Energiedefizits)


Gründe für das Auftreten von Ketose:

  • sehr hohe Leistungen am Laktationsstart (unvermeidbare negative Energiebilanz)
  • nicht angepasste Fütterung in der Spätlaktation und Trockenstehphase/zu lange Zwischenkalbezeiten = Tiere zur Kalbung zu fett!
  • physiologisch schwächere Futteraufnahme bis ca. 80. Laktationstag
  • Vorerkrankungen (Lahmheiten, Milchfieber)
  • mangelhafte Futterqualitäten (führen zu verminderter Futteraufnahme)
  • buttersäurehaltige Silage kann Ketosesymptomatik noch verschlimmern
  • Bewegungsmangel

Was passiert im Stoffwechsel bei einer Ketose:

  • durch längerfristig zu geringe Futteraufnahme entsteht Energie-/Glukosemangel im Stoffwechsel
  • Fettreserven der Kuh werden zur Energieversorgung genutzt
  • bei Ketose werden Fettreserven übermäßig stark abgebaut
  • freigesetzte Fettsäuren werden in der Leber mit begrenzter Kapazität zu Glukose umgewandelt (Folge = Fettleber)
  • beim Abbau von Fetten in der Leber werden Ketonkörper frei, welche im Blut, im Harn und in der Milch nachgewiesen werden können
  • Kapazität der Leber für den Abbau von Ketonkörpern ist begrenzt
  • zu den Ketonkörpern zählen
    • Azeton
    • Azetoazetat
    • ß-Hydroxybuttersäure
  • subklinische Ketose bleibt oft unerkannt, da außer erhöhten Werten von Ketonkörpern keine weiteren Krankheitsanzeichen auftreten
  • hohe Gehalte an Ketonkörpern in der Kuh führen zu im folgenden aufgeführten Krankheitsanzeichen

Deutliche Krankheitsanzeichen für eine Ketose:
  • mangelnde Fresslust
  • leerer Pansen (Note < 2)
  • starker Milchleistungsabfall
  • Apathie
  • süßlicher Geruch nach Ketonkörpern
  • sichtbarer Gewichtsverlust (> 1 BCS-Note) in kurzer Zeit
  • fester, dunklerer Kot
  • weites Fett:Eiweiß-Verhältnis in der Milch mit stark erhöhten Fettgehalten
  • erhöhter Ketonkörpergehalt in Urin, Milch, Blut; messbar mit Ketoseteststreifen oder Blutzuckermessgeräten

Ketoseprophylaxe:
  • Vermeiden von Verfettung durch angepasste Fütterung in der Spätlaktation und Trockenstehphase
  • bei altmelkenden Kühen frühzeitiger trockenstellen
  • gute Futterqualitäten
  • gutes Futtermanagement
  • hohe Gesamtfutteraufnahme vor und nach der Kalbung
  • hohe Energiekonzentration in Ration für Frischlaktierende (Ziel: > 7,0 MJ NEL/kg TM)
  • Sicherung des Bedarfes an nXP bei hochleistenden Tieren (165-170g/kg TM)
  • insgesamt gute Herdengesundheit (Klauen, Euter, Verdauung,…)
  • Einzeltierprophylaxe bei zu dicken, gefährdeten Tieren vornehmen durch z.B. Gabe von Propylenglycol ab 14 Tage vor der Abkalbung bis 14 Tage nach der Abkalbung (150-250 ml/Tier und Tag)
  • nach der Kalbung Stoffwechsel mit Ketosetest überprüfen

Behandlung einer Ketose:
  • Schweregrad der Ketose durch Ketosetest ermitteln
  • Behandlung mit Hoftierarzt absprechen
  • Glucoseinfusion (kurzfristige Besserung)
  • Gabe von glucoplastischen Substanzen, z.B. Propylenglycol (täglich 250g/ Tier und Tag ins Maul)
  • evtl. Gabe von Glucocorticoiden (Stimulierung des Glucosestoffwechsels und des Appetits)
  • Möglichkeit zur Bewegung bieten

Grenzwerte für Ketose beim Bluttest:
  • Messung von ß-Hydroxybuttersäure
  • Normalwerte: Vor der Geburt: < 0,6 mmol/l nach der Geburt:< 1,0 mmol/l
  • subklinische Ketose: 1,4-3,0 mmol/l
  • akute Ketose: > 3,0 mmol/l

Blättermagen:

Quelle: bauernhof.net

Quelle: bauernhof.net

  • über den Netzmagen gelangt das Futter in den Blättermagen (letzter Vormagen)
  • Hauptaufgabe des Blättermagens ist die Resorption von Wasser, Nährstoffen und von Natriumbicarbonat (NaHCO3).
  • in geringem Umfang findet im Blättermagen noch mikrobielle Verdauung statt

Labmagen:

  • im Labmagen findet die Verdauung von Proteinen statt; Mikrobenprotein aus dem Pansen und unabgebautes Futterprotein (UDP)
  • Fassungsvermögen des Labmagens im Verhältnis klein
  • Bedeutung für die Verdauung untergeordnet
  • Labmagen ist mit vielen Drüsenzellen ausgestattet in denen Salzsäure und Pepsin (Enzym für die Eiweißverdauung) produziert werden
  • sehr saures Milieu; pH-Wert 2,0 – 3,5 durch Salzsäuresekretion; saures Milieu wichtig für die Aktivierung eiweißverdauender Enzyme (Pepsin)
  • niedriger pH-Wert tötet Keime ab
  • gebildeter Schleim der Magenschleimhaut verhindert eine Selbstverdauung des Labmagens
  • Fütterungsbedingte Labmagenverlagerung tritt bei mangelnder Futteraufnahme und/oder zu geringer Futterstruktur auf. Bei gehäuftem Auftreten in der Herde sollte die Strukturversorgung dringend kontrolliert werden.
  • Voraussetzung für eine physiologische Verdauung im Labmagen ist eine optimale Pansenfunktion!

  • im ersten Abschnitt des Dünndarms herrscht noch saures Milieu
  • danach Neutralisation des Nahrungsbreies durch Pankreas- und Darmsekrete sowie Galle
  • Verdauung des vorfermentierten Substrates
  • die Enzyme Lipase und Amylase sind hier für die Fett- und Stärkeverdauung zuständig
  • im Vergleich zum Monogastrier ist die Enzymaktivität gering, was bedeutet, dass die Fähigkeit Fett und Stärke im Dünndarm zu verdauen beim Wiederkäuer begrenzt ist
  • auch im Dünndarm gilt: es kann nur optimale Verdauung stattfinden, wenn die Verdauung in den Vormägen funktioniert
  • übermäßige Proteinanflutung durch proteinreiche Fütterung (grassilagebetont, junges Weidegras, zu viel Eiweißkonzentrat) führt dazu, dass die Proteinmengen nicht physiologisch verdaut werden können
  • Folge: Durchfall, Dünndarmkoliken oder Blinddarmdilatationen
  • Harnstoffwert der Milch ist ein sicheres Hilfsmittel zur Überprüfung von Über-, bzw. Unterversorgung mit Protein (siehe Milchmengen und Inhaltsstoffe)
  • Wichtig: Die Menge an pansenstabiler Stärke, die im Dünndarm zur Verfügung steht ist bei Kühen limitiert und darf max. 1,5 kg betragen, da sonst ebenfalls Fehlgärungen und Durchfälle durch unverdaute Stärke auftreten

  • Resorption von H2O
  • hohe Keimkonzentrationen im Dickdarm
  • Verdauung unverdauter Stärke und Proteine in geringem Umfang
  • Abbau zu Acetat, Propionat und Butyrat wie im Pansen
  • Mikrobenprotein kann aber nicht mehr genutzt werden
  • Proteinabbau bis hin zu Harnstoff
  • Fettverdauung im Dickdarm ist unbedeutend
  • hohe Mengen an Struktur im Futter bewirken, dass der Anteil organischer Substanz am Dünn- und Dickdarm höher ist
  • diese organische Substanz hat einen höheren Wasser- und Natriumgehalt und damit eine bessere Pufferkapazität
  • Faserreiches, schwer abbaubares Substrat im Dickdarm verhindert Gärungen und stabilisiert die Kotkonsistenz (fester Kot)

Milchmengen und Milchinhaltsstoffe lassen die besten Rückschlüsse auf die Fütterung zu

  • für die Bewertung sollten 3 Gruppen unterschieden werden:
    • Frischmelkende im 1. Drittel der Laktation (0-100 Melktage)
    • Mittellaktierende im 2. Drittel der Laktation (100-200 Melktage)
    • Spätlaktierende / Altmelker im letzten Drittel der Laktation (> 200 Melktage)

  • Einstiegsleistungen der Tiere verraten viel über den Gesundheitszustand und die Fütterung während der Trockenstehphase
  • Färsen sollten im Schnitt 27-30 kg Milch pro Tag im 1. Drittel der Laktation geben
  • Mehrkalbstiere sollten 35 kg bis > 40kg Milch pro Tag im 1. Drittel der Laktation geben
  • bei guter Tiergesundheit und angepasster Fütterung sollte das Milchhaltevermögen der Herde stabil bei > 80% liegen, das heißt der Milchleistungsabfall im Vergleich zur MLP des Vormonates sollte bei 80% der Herde nicht höher als max. 5 kg Milch pro Tier betragen
  • der Milchleistungsabfall zwischen den einzelnen Laktationsdritteln sollte im Durchschnitt der Herde 5-6 kg nicht überschreiten
  • bei stärkerem Milchleistungsabfall in der Herde sollte das Augenmerk, neben der Kontrolle des Gesundheitszustandes, vor allem auch auf die Fütterung gerichtet sein!
    • Futterqualität- und zusammensetzung, Energiedichte, Futteraufnahme kontrollieren

  • sind abhängig von Genetik und Fütterung
  • ein wichtiges Kriterium in einer Herde und beim Einzeltier ist das Fett:Eiweiß-Verhältnis
  • Ziel Fett:Eiweiß = 1,1:1 bis max. 1,4:1
  • Verhältnis < 1,1:1 ist bei Fettgehalten < 3,3% ein Hinweis auf Acidose
  • Verhältnis > 1,4:1 ist bei hohen Fettgehalten in Kombination mit schwachen Eiweißgehalten (< 3,2%) Anzeichen für starken Körperfettabbau (Ketose)
  • schwache Eiweißgehalte < 3,2% deuten generell auf einen Mangel an Energie hin
  • hohe Eiweiß- und Fettgehalte, vor allem im letzten Drittel der Laktation, sind Anzeichen für energetische Überversorgung (Achtung bei Eiweiß > 4,0%; Fett > 4,5%); Körperkondition beachten!

  • spiegelt sehr gut die Versorgung des Pansens mit Protein/Stickstoff wider
  • Zielwert für den Milchharnstoffgehalt liegt zwischen 200 ppm und 250 ppm
  • Werte < 200 ppm deuten auf Eiweißmangel im Pansen hin
  • Werte > 250 ppm deuten auf eine Eiweißüberversorgung hin
  • Harnstoffwert reagiert nach Fütterungsumstellung innerhalb weniger Stunden
  • stark schwankende Gehalte deuten auf Defizite in der Futtervorlage und Mischtechnik, oder auf stark schwankende Futteraufnahme in der Herde hin
  • bei Weidegang sind die Harnstoffwerte durch den hohen Proteingehalt junger Gräser generell höher anzusetzen
  • Werte von 250-300 ppm, auch bei Weidegang, nicht längerfristig überschreiten wegen Belastung des Stoffwechsels


Milcheiweißgehalt in %     Milchharnstoffgehalt in ppm Aussage/Bemerkung
Frischmelke Tiere
(0-100 Melktage)
Mittellaktierende Tiere
(100-200 Melktage)
Altmelkende Tiere
(200‑300 Melktage)
   
<3 <3,1 <3,2 <150 Energie- und Proteinmangel
<3 <3,1 <3,2 >300 Energiemangel und Proteinüberversorgung
>3 >3,1 >3,2 >300 Proteinüberhang
<3 <3,1 <3,2 150 - 300 Energiemangel
>3,1 >3,2 >3,3 250 - 350 Leichter Proteinüberhang
>3,1 >3,2 >3,3 200 - 250 Ausgewogene Fütterung

Harnstoffbericht eines Praxisbetriebes

Jeder abgebildete Punkt im Diagramm stellt die Werte einer Kuh dar.

Quelle: Programm ITB; Fa. dsp agrosoft

Quelle: Programm ITB; Fa. dsp agrosoft

Auswertung nach dem Laktationsstadium zum Diagramm

Lakstionsstadium Proben   Mittelwerte von
  Anzahl in % Mkg Fett % Eiweiß % Harnstoff Zellzahl
5. bis 100. Tag 58 32,2 29,6 4,02 3,14 144 147
101. bis 200. Tag 47 26,1 26,5 4,01 3,33 158 459
über 200. Tag 75 41,7 17,3 4,46 3,65 154 445
Gesamt 180 100,0 23,7 4,15 3,35 152 329
Quelle: Programm ITB; Fa. dsp agrosoft

  • deutlicher Proteinmangel der Herde in allen Laktationsabschnitten
  • Einsatzleistungen von 29,6 kg Milch im 1. Drittel der Laktation schwach
  • Energiemangel bei Tieren im 1. Laktationsdrittel (Eiweiß im Schnitt nur bei 3,14%)
  • hoher Anteil an Tieren mit Energieüberversorgung im letzten Drittel der Laktation (Fettgehalt im Schnitt bei 4,46%)
  • niedrige Leistungen von < 20 kg Milch pro Tag begünstigen eine Verfettung der Tiere im letzten Laktationsdrittel

Ausschnitt der Leistungen in den Laktationsdritteln aus einer MLP:

Mittelwert der Kühe bis 100 Melktage

Gruppe Anzahl Tiere % Milch (kg) Fett (%) Eiweiß (%) Harn (mg/l) F:E Eiweiß (g/MJ) ECM (kg)
1. La. 12 48 32,5 3,30 3,27 268 1,01 11,3 29,5
ab 2. La 13 52 34,5 3,11 3,08 264 1,01 11,1 30,3
alle 25 100 33,5 3,20 3,17 266 1,01 11,2 29,9

Mittelwert der Kühe 101 bis 200 Melktage

Gruppe Anzahl Tiere % Milch (kg) Fett (%) Eiweiß (%) Harn (mg/l) F:E Eiweiß (g/MJ) ECM (kg)
1. La. 1 11 21,6 3,95 3,29 267 1,20 10,5 21,3
ab 2. La 8 89 26,1 3,61 3,22 255 1,12 10,8 24,2
alle 9 100 25,6 3,65 3,23 256 1,13 10,8 23,9

Mittelwert der Kühe über 200 Melktage

Gruppe Anzahl Tiere % Milch (kg) Fett (%) Eiweiß (%) Harn (mg/l) F:E Eiweiß (g/MJ) ECM (kg)
1. La. 6 50 23,5 3,76 3,40 270 1,11 11,0 22,6
ab 2. La 6 50 24,6 3,32 3,32 244 1,00 11,5 22,5
alle 12 100 24,0 3,54 3,36 257 1,05 11,2 22,6

Quelle: Programm ITB; Fa. dsp agrosoft

  • schwache Fettgehalte in der gesamten Herde
  • Eiweißgehalte ebenfalls in allen Laktationsabschnitten sehr schwach
  • Anzeichen für sehr niedrige Futteraufnahme und dadurch bedingten Energiemangel
  • Folge der niedrigen Gesamtfutteraufnahme: Acidose
  • starker Milchleistungseinbruch vom 1. zum 2. Laktationsdrittel im Schnitt der Herde = schlechtes Milchhaltevermögen
  • resultiert aus Stoffwechselstörungen im frischmelken Bereich

La.-Nr. Melktage Milch (kg) Fett (%) Eiweiß (%) Harn (mg/l) F:E
4 233 34,8 4,00 3,67 239 1,1
2 248 27,6 4,76 3,74 222 1,3
3 261 37,9 5,51 3,97 268 1,4
2 261 25,1 4,84 3,72 268 1,3
6 262 30,9 4,91 3,36 219 1,4
4 267 30,4 4,67 3,63 260 1,3
2 268 17,4 6,30 4,32 288 1,5
1 268 25,0 4,65 3,57 233 1,3
1 268 30,8 4,85 3,70 238 1,3
2 296 12,4 5,93 4,12 282 1,4
3 316 27,2 3,79 3,35 205 1,1
7 335 30,0 4,45 3,81 197 1,2
1 340 24,7 4,99 3,93 222 1,3
2 366 21,5 5,07 4,17 226 1,2
3 380 14,5 4,74 3,78 214 1,3
5 443 16,7 4,63 3,85 224 1,2
3 478 5,9 4,64 4,07 200 1,1
3 524 20,8 5,16 4,12 179 1,3
2 583 18,8 5,05 4,13 218 1,2
1 667 24,0 4,61 4,66 193 1,0
Quelle: Programm ITB; Fa. dsp agrosoft

  • altmelkende Tiere im letzten Laktationsdrittel dargestellt
  • auffällig: sehr hohe Fett- und Eiweißgehalte = Verfettungsgefahr!
  • vor allem bei Tieren mit niedrigen Leistungen BCS kontrollieren!
  • zu fette Tiere sollten trockengestellt werden
  • wenn nötig, auch vorzeitiges Trockenstellen (BCS <= 3,75)


Gründe für dünnen Kot Gründe für festen Kot

  • zu viel Kraftfutter
  • Stärkeüberschuss (zu schnelle Anfütterung mit Kraftfutter)
  • Proteinüberschuss (hoher Anteil Grassilage, junges Weidegras, zu viel Eiweißkonzentrat)
  • zu wenig Struktur in der Ration (z.B. nasse Silagen)
  • zerstörte Struktur durch zu langes Mischen (Mischwagen)
  • abrupte Futterumstellungen
  • stark verschmutztes oder verschimmeltes Futter
  • Überversorgung mit Mineralstoffen
  • Infektionen / Krankheiten
  • mangelhafte Qualität des Tränkewassers


  • überständiges, rohfaserreiches Futter
  • zu hoher Anteil Stroh (z.B. Trockensteher)
  • Proteinmangel in der Ration
  • Energiemangel in der Ration
  • mangelhafte Wasserversorgung
  • Fieber, Krankheit
  • Ketosen (Acetonämie)





Kotfarbe Kotgeruch
  • gelb:
    • Strukturmangel
  • dunkelgrün:
    • frische/junge Weide
  • hellbraun:
    • hohe Stärkegaben
  • dunkelbraun + glänzende Farbe:
    • langsame Passagerate
  • angenehm
  • stechend durch:
    • Fäulnisprozesse
    • übermäßige Stärkefermentation im Dickdarm

Nicht nur die Konsistenz, sondern auch die unverdauten Futterpartikel geben Rückschlüsse auf die Verdauung v.a. im Pansen

Hoher Anteil unverdaute Körner im Kot (Getreide, Mais):

  • Maissilage und Schrot/Quetschgetreide kontrollieren! Körner in Maissilage sollten nicht nur angeschlagen, sondern zerteilt sein
  • zu wenig schnell verfügbare Kohlenhydrate im Pansen; frische Maissilage hat hohen Anteil an beständiger Stärke
  • zu schnelle Passagerate (zu viel Getreide)


Gründe für hohen Anteil an Fasern im Kot:

  • Energiemangel (Stärke und Zucker) oder Proteinmangel im Pansen; Mikroben haben zu wenig Energie, bzw. Protein für die Verwertung und Synthese zur Verfügung
  • kein ausgeglichenes Verhältnis zwischen verfügbarer Energie, Protein und Struktur im Pansen

Quelle Foto: Produktionstechnische Beratung LK NRW

Quelle Foto: Produktionstechnische Beratung LK NRW

Durchführung:

  • eine Hand voll Kot (ca. 100 ml) in ein Küchensieb geben (Maschengröße 1,5 mm) und mit viel Wasser durchspülen, bis nur noch unverdautes, gröberes Material im Sieb ist
  • ganze Maiskörner und Kornbruchstücke vom Mais ausmachen und prüfen, ob in den Bruchstücken noch Stärke vorhanden ist, oder ob es sich nur um die Kornhülle handelt
  • Faserbestandteile im Sieb prüfen. Es sollten alle Bestandteile < 0,5 cm sein. Wie hoch ist der Anteil längerer Fasern ( > 1 cm)?
  • Beurteilung des Kotes sollte von ca. 5% der Herde erfolgen
  • bei Haltung in Leistungsgruppen ist es sinnvoll den Kot jeweils von einer Gruppe zu beurteilen, wenn unterschiedliche Rationen verfüttert werden

Bewertung von Verlusten über den Kot:

  • 1 Hand voll Kot = 100 ml entspricht bei einer täglichen Kotmenge von 40 – 50 kg pro Kuh ca. 1/400 des Gesamtkotes
  • bei 1 Korn auf 100 ml entspricht dies 400 Körnern pro Tag, die unverdaut ausgeschieden werden
  • ein einzelnes Maiskorn in der Silage wiegt ca. 0,3 g, so dass bei einer Ausscheidung von 400 Körnern pro Tag ein Stärkeverlust von 120 g kalkuliert werden kann

Unverdaute Körner im Kot (pro 100 ml) Stärkeverlust pro Tag
1 120 g
3 360 g
5 600 g
7 840 g
9 1080 g

Ursachen für Körner im Kot:

  • ganze Körner im Kot sind ein Anzeichen für Fehler in der Erntetechnik (z.B. Crackerwalzen)
  • Pansenacidose; meist in Kombination mit dünnem Kot; Passagerate zu schnell; gestörte Mikroflora und verminderte Verdauung
  • Stickstoff-/Eiweißmangel im Pansen; im Verhältnis zu Stärke fehlt Eiweiß und die Pansenverdauung ist herabgesetzt
  • Mangel an Mineralstoffen (Natrium, Phosphor), die für Mikroorganismen wichtig sind führt zu schlechterer Verdauung


Ursachen für lange Fasern (> 1 cm) im Kot:

  • Mangel an schnell fermentierbaren Kohlenhydraten im Pansen
  • Mangel an Protein im Pansen
    • fester, faseriger Kot
  • zu viele schnell fermentierbare Kohlenhydrate
  • Proteinüberschuss
    • Dünner, faseriger Kot
  • keine Synchronität der Nährstoffe im Pansen

Ratgeber Fütterung (Kühe)

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Ration

    Bereich: Ration

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Maul und Speiseröhre

    Bereich: Maul und Speiseröhre

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Pansen und Netzmagen

    Bereich: Pansen und Netzmagen

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Blätter- und Labmagen

    Bereich: Blätter- und Labmagen

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Dünndarm

    Bereich: Dünndarm

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Dickdarm

    Bereich: Dickdarm

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Milch

    Bereich: Milch

  • Illustrierte Darstellung einer Kuh, hier hevorgehobener Bereich: Kot

    Bereich: Kot