„Sweet Harmony“: Ausstellung von Philipp Stöckel in der KWS Art Lounge
Einbeck,13.10.2026
Sein Anspruch ist maximale Genauigkeit. Der Künstler Philipp Stöckel sieht sich selbst als Teil einer „Produktionskette“, die seine Arbeiten fertigstellt – halb Mensch, halb (Druck-) Maschine. Die Pointe dieses akribischen, künstlerischen Bestrebens liegt darin, kleinste Fehler wie beispielsweise verlaufene Farbe oder minimale Ungenauigkeiten zuzulassen. Sie zeigen die menschliche Unvollkommenheit und brechen die Illusion des Makellosen. „Sweet Harmony“ lautet der Titel der Ausstellung von Philipp Stöckel, die bis zum 31. Oktober in den Räumen der KWS Art Lounge in der Tiedexer Straße in Einbeck zu sehen ist. Als Vertreter einer jungen Generation zeitgenössischer Malerei verbindet der in Leipzig lebende Künstler in seinen Werken präzise Beobachtung mit experimentellen Bildfindungen und entwickelt so seine eigenständige Bildsprache zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.
Am Mittwoch, den 21. Oktober um 18.30 Uhr lädt die KWS Art Lounge zu einem Künstlergespräch mit Philipp Stöckel ein, in dem er Einblicke in seine Arbeitsweise und die Hintergründe der Ausstellung „Sweet Harmony“ gibt. Zur Ausstellung ist außerdem ein Katalog erschienen, den der Künstler an diesem Abend gerne für Gäste signiert.
Philipp Stöckel beschäftigt sich in seiner Malerei mit den Sehnsüchten und Idealen einer von digitalen Bildwelten geprägten Gesellschaft. Den oftmals unscharfen Hintergrund seiner Gemälde bilden u.a. uniforme Pool-Landschaften, Liegestühle vor idyllischen Palmenhainen oder Berggipfel. Vor diesen stereotypen Urlaubsszenarien heben sich Icons, Schrift oder Piktogramme ab, für die er Schablonen benutzt. Aus dem endlosen Bilderstrom des Internets verwebt der Künstler kreativ am Computer unterschiedliche Motive, die er mithilfe einer komplexen, auf Airbrush basierenden Technik in seine eigene Bildsprache übersetzt. Seine in der KWS Art Lounge gezeigten 22 Werke hinterfragen Themen wie Selbstoptimierung, Perfektionismus und die Suche nach Glück. In seinen jüngsten Arbeiten rücken zunehmend die Formen und die farbliche Vielfalt von Pflanzen und Blumen in den Mittelpunkt und verleihen Philipp Stöckels Bildsprache eine neue, lebendige und sinnliche Dimension. Großformatig zeigt er beispielsweise Starenschwärme vor einer startenden Rakete und jubelnden Menschen.
Philipp Stöckel bearbeitet das von ihm ausgewählte Bildmaterial digital und überträgt es anschließend in mehreren, sich überlagernden Schichten auf Holz oder Leinwand. Dafür werden die Bilder in die vier Grundfarben Cyan (C), Magenta (M), Yellow (Y) und Key/Black (K) umgewandelt – die so genannte CMYK-Separation. Das Verfahren der „Farb-Separation“ bildet die Grundlage von herkömmlichen Digitaldruckverfahren. Diesen maschinellen Druckvorgang imitiert Philipp Stöckel und überträgt die CMYK-Farbschichten des von ihm ausgewählten Motivs einzeln mit Airbrush-Technik auf die Leinwand. Während des Arbeitsprozesses kommen bei Philipp Stöckel selbstkonstruierte Werkzeuge zum Einsatz, die es dem Künstler ermöglichen – anders als für Airbrush charakteristisch – die für seine Werke typischen kontrollierten und geradlinigen Streifen ziehen zu können.
„Harmonie entsteht nicht durch Perfektion“, sagte Sebastian Talg, Mitglied des Vorstands der KWS, bei der Vernissage. Perfektion allein schaffe nichts Besonderes. Es seien die persönliche Handschrift und die kleinen Unvollkommenheiten, die etwas einzigartig machen. Philipp Stöckel lasse aus der digitalen Perfektion durch seine Airbrush-Arbeiten etwas Handgemachtes entstehen, aus technischer Vollkommenheit werde ein Stück weit menschliche Unvollkommenheit. „Wenn gegensätzliche Dinge sich sehr gut ergänzen, entsteht ‚sweet harmony‘“, so das KWS-Vorstandsmitglied. Dieser Gegensatz passe auch zu moderner Pflanzenzüchtung, die mit Daten, Genetik, Digitalisierung und modernsten Züchtungsmethoden arbeite. „Aber am Ende arbeiten wir mit etwas, das eben nicht vollkommen planbar und standardisierbar ist: mit Natur und mit Leben“, sagte Talg.
„So heiter Philipp Stöckels Werke auf den ersten Blick erscheinen mögen, so ungeschönt legen die präzise in ihnen angelegten visuellen Mechanismen jene gedanklichen Konstruktionen und Kategorien frei, mit denen der Mensch bisweilen geradezu verbissen versucht, sich über unverrückbare Gegebenheiten hinwegzusetzen“, sagte Alexander Leinemann, Kunsthistoriker aus Münster, bei der Ausstellungseröffnung. „Philipp Stöckel nutzt die Wirkung des schönen Scheins, um vertraute Wahrnehmungsmuster zu aktivieren – und sie im nächsten Moment zu erschüttern. Unschärfen, Brüche und Bedeutungsverschiebungen verhindern eine abschließende Deutlichkeit und fordern dazu auf, die eigene Wahrnehmung fortwährend zu überprüfen.“
Der 1993 in Eutin geborene Künstler hat Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig studiert und sein Studium 2021 mit dem Diplom abgeschlossen. Bereits seit 2019 ist er regelmäßig in nationalen Ausstellungen vertreten. Seine Arbeiten wurden unter anderem in Leipzig, Berlin, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Erfurt gezeigt, darunter die Einzelausstellung „feedback loop“ (2023) in der Galerie Kleindienst in Leipzig. Für seine künstlerische Arbeit erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds im Rahmen von „Neustart Kultur“ sowie die gopea-Kunstförderung.
Geöffnet ist die „Art Lounge by KWS“ in der Tiedexer Straße 20 in Einbeck donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie
samstags von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Bis zum 31. Oktober besteht die Möglichkeit, die Ausstellung „Sweet Harmony“ zu besuchen.
Ein besonderer Hinweis gilt dem Künstlergespräch am 21. Oktober um 18.30 Uhr.
Bildautor: Florian Spieker
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Über KWS
KWS ist eines der führenden Pflanzenzüchtungsunternehmen weltweit. Etwa 5.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter* in mehr als 70 Ländern erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2025/2026 einen Umsatz von rund 1,63 Mrd. Euro. Seit 170 Jahren wird KWS als Familienunternehmen eigenständig und unabhängig geführt. Schwerpunkte sind die Pflanzenzüchtung und die Produktion sowie der Verkauf von Zuckerrüben-, Mais-, Getreide-, Gemüse-, Raps- und Sonnenblumensaatgut. KWS setzt modernste Methoden der Pflanzenzüchtung ein, um die Erträge der Landwirtinnen und Landwirte zu steigern sowie die Widerstandskraft von Pflanzen gegen Krankheiten, Schädlinge und abiotischen Stress weiter zu verbessern. Um dieses Ziel zu realisieren, investierte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025/2026 ca. 340 Mio. Euro in Forschung und Entwicklung.
*ohne Saisonarbeitskräfte
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