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Ausstellung:
Wandzeichnungen – Susanne Fleischhacker

Abstrakte konkrete Kunst in raumgreifenden Arbeiten der Künstlerin Susanne Fleischhacker ist zurzeit in der KWS Art Lounge NEWCOMER in der Tiedexer Straße in Einbeck zu sehen. Die Braunschweigerin hat ihre „Wandzeichnungen“, so der Titel der neuen Ausstellung, mit Klebestreifen gestaltet. „Tape Art“ nennt sich diese Kunstform. Susanne Fleischhacker verwandelt die weißen Wände mit scheinbar minimalistischen Mitteln durch geometrische Symbole in verschiedenen Farben in politische Weltkarten. Die Künstlerin holt sich ihre Inspiration in der Abstraktion von gelesenem politischen Zeitgeschehen.

Susanne Fleischhacker erläutert ihre Arbeiten gerne, jeder Betrachter soll jedoch auch die Gelegenheit haben, sich selbst auf die von ihr vor Ort anhand zuvor erarbeiteter Skizzen entstandenen Karten einzulassen. Wer lediglich farbige Streifen, Kreise oder Elipsen sehen mag, kann das in der abstrakten konkreten Kunst ebenso tun.

"Fleischhacker zeigt sich [...] in singulärer Weise als Malerin, obwohl sie nicht mit Pinsel und Farben auf Leinwand malt, sondern mit farbigem Klebeband aus dem Baumarkt, das sie auf die Wände des Einbecker Ausstellungsinstituts aufbringt. Einmal mehr verknüpft sie dort Gegensätzliches: Raum und Malerei, wodurch letztere installative Züge gewinnt, modernes Malmaterial und uralten Malgrund." - Michael Stoeber

Botschaften und Narrative

Mit Botschaften und Narrativen arbeiten [...] die Wandbilder von Susanne Fleischhacker in Einbeck, doch sind sie auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennbar. Das unterscheidet sie im Gestus fundamental von propagandistischen Wandbildern und Graffiti. Daher kann man sie auch, unabhängig von dem, was sie inhaltlich kommunizieren, auf einer rein ästhetischen Ebene wahrnehmen und verstehen. Als Versammlung geometrischer Zeichen, die sich zu ebenso geheimnisvollen wie stimmigen Bildern aus Formen und Farben fügen.
So sehen wir in Einbeck auf einem Wandbild Kreise unterschiedlicher Größe und Farbe zusammen mit andersfarbigen Ovalen.

Das Ganze erinnert an eine Topografie, an eine Orientierungskarte, ohne dass ihre Bedeutung unmittelbar einsichtig würde. Das ändert sich schlagartig, sobald man die Kreise als Länder deutet, auch wenn deren reale Proportionen durch die verschiedenen Kreise nur annäherungsweise vermittelt werden.

Dann wird aus dem scheinbar unschuldigen, spielerischen und heiteren Wandbild die Momentaufnahme eines schrecklichen Krieges.

Die Signatur der modernen Kunst – eher Fragen stellen, statt Antworten geben

[Dieser] rationale Gestus einer sachorientierten Objektivität, der ihr Tableau bestimmt, lässt Zusammenhänge erkennen, fördert die Analyse und hebt sich wohltuend ab von der allgemeinen, zuweilen wohlfeilen, moralischen Entrüstung über diesen Krieg. So begründet sie auch ist, führt sie uns nicht aus diesem Konflikt, dessen Lösung ohnehin der Quadratur des Zirkels gleichkommt. Ohne einen wie auch immer gearteten Kompromiss wird es kein Ende dieses verheerenden Krieges geben. Es steht zu hoffen, dass er bald und gut ausgehandelt wird.
Klugheit und Kompromissfähigkeit braucht es auch an anderen Orten der Welt, die Fleischhacker in zwei weiteren Wandbildern dargestellt hat, damit dort existierende Kriege gleichfalls beendet werden können oder schwelende Konflikte gar nicht erst zum Ausbruch kommen.

Die Situation in Südostasien

Eines ihrer Tableaus zeigt Südostasien, im Zentrum das Südchinesische Meer mit seinem Fischreichtum, Energieressourcen und regional wie international wichtigen Schifffahrtsstraßen. In diesem Meer, dessen weltweite Sicherheit unbedingt gewährleistet sein muss, ist die Zugehörigkeit vieler Inseln umstritten. Darüber ist es schon zu Konflikten zwischen China und Vietnam, aber auch zwischen China und den Philippinen gekommen.

Die Situation in Südostasien | Foto: Julia Lormis

Die Situation in Südostasien | Foto: Julia Lormis

Krisenregion Naher Osten | Foto: Julia Lormis

Krisenregion Naher Osten | Foto: Julia Lormis

Naher Osten

Eine weitere Krisenregion, die kriegerisch nicht zur Ruhe kommt, ist der Nahe Osten. Auch er zeigt sich als von Susanne Fleischhacker choreografiertes Wandbild einmal mehr als eine auf den ersten Blick eher heitere Topografie. Unterschiedliche Kreise, schraffiert mit freundlichen blauen und gelben Streifen, die wieder Länder repräsentieren. In einem Kreis (Israel) sind die Streifen dunkelblau, in einem anderen (Syrien) weiß, gelb und rot.

Die Künstlerin zu ihren Karten

Meine Karten nehmen nicht Partei und zeigen auch nicht, wie die Konflikte beendet werden können. - Susanne Fleischhacker

Susanne Fleischhacker erklärt ihre Wandzeichnungen  | Foto: Julia Lormis

Susanne Fleischhacker erklärt ihre Wandzeichnungen | Foto: Julia Lormis

Konkrete Kunst als rein ästhetisches Phänomen

Mit [einem weiteren Werk] hat die Künstlerin die Art Lounge der KWS in ein Forum verwandelt, um Spielarten der konkreten Kunst als rein ästhetische Phänomene zu studieren. Dabei hat sie farbige Klebestreifen in einer Weise über zwei Fenster gelegt, dass sie zu sehr unterschiedlichen Eindrücken führen. Beide nutzen die Kraft des Lichts, dass man meinen möchte, Leuchtboxen vor sich zu haben.

Stille und Sturm, Ruhe und Dynamik, vielleicht auch Krieg und Frieden, stehen hier neben- und gegeneinander und verantworten ein Gesamtbild voller ästhetischer Spannung. Was dabei sichtbar wird: selbst wenn Susanne Fleischhacker nicht erzählt, erzählt sie.

Ohne Narrativ tut es diese Künstlerin nicht.

Die Broschüre zur Ausstellung

Sonderöffnung zum Verkaufsoffenen Sonntag in Einbeck

Mit dieser Ausstellung haben wir ein letztes Mal geöffnet: am Sonntag, den 19.6.2022 von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

Dort ist ebenfalls der Katalog der Ausstellung käuflich zu erwerben.

Ort: KWS Art Lounge, Tiedexer Straße 20a, 37574 Einbeck

Zu den Personen – Susanne Fleischhacker und Michael Stoeber

Künstlerin: Susanne Fleischhacker

Susanne Fleischhacker studierte von1988 bis 1996 an der Hochschule für Bildende Kunst (HBK) Braunschweig bei Hinnerk Schrader, Malte Sartorius und Lienhard von Monkiewitsch sowie von 1990 bis 1995 außerdem Politikwissenschaft an der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig. Sie war Meisterschülerin bei Prof. Malte Sartorius. Von 2002-2003 hatte sie einen Lehrauftrag an der HBK Braunschweig. Susanne Fleischhacker erhielt zahlreiche Preise, unter anderem 2008 den „Fenster für den Raum der Stille“, Amalie Sieveking-Haus der Diakonie in Wolfenbüttel. Nach Jahren mit weniger künstlerischer Tätigkeit zeigt Susanne Fleischhacker, die in der Verwaltung der HBK Braunschweig im Bereich für internationale Beziehungen arbeitet, mit der Ausstellung in Einbeck erstmals wieder ihre „Tape Art“.

Künstlerin Susanne Fleischhacker | Foto: Julia Lormis

Künstlerin Susanne Fleischhacker | Foto: Julia Lormis

Kunsthistoriker Michael Stoeber | Foto: Julia Lormis

Kunsthistoriker Michael Stoeber | Foto: Julia Lormis

Kunsthistoriker und Kunstkritiker: Michael Stoeber

Michael Stoeber lebt und arbeitet als Autor und Kurator in Hannover.
Er studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Göttingen, Nizza und Hannover. In den achtziger Jahren begann er für die tageszeitung und als Radioautor für den NDR zu schreiben. Heute schreibt Stoeber regelmäßig für Kunstforum International, EIKON, artist und die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Er ist Verfasser von Katalogtexten, Büchern und Buchbeiträgen zur zeitgenössischen Kunst und Fotografie.

Auszüge aus seinem Text zur Ausstellung wurden für diese Onlineausstellung verwendet.

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