Geflügel etabliert sich als nachhaltig und zukunftsfähig
Seit mehr als zehn Jahren ist in Deutschland ein Rückgang des Rinder- und Schweinebestandes zu beobachten. Hier spielen u. a. die gestiegenen Anforderungen an die Schweinehaltung eine entscheidende Rolle. Die Anzahl des gehaltenen Geflügels steigt seitdem hingegen stetig. Und während der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch insgesamt ebenfalls stetig sinkt, steigt wiederum der Verzehr von Geflügelfleisch. Das liegt sowohl am Image des gesünderen Fleisches als auch an dem Fakt, dass Geflügelfleisch preisgünstiger ist.
Mit dem sinkendem Fleischkonsum sinkt jedoch nicht der Bedarf des Menschen an Protein. Eier sind daher eine wertvolle und geschätzte Eiweißquelle alternativ zum Fleisch. Der Eiermarkt wächst seit mehreren Jahren deutlich, was an der gestiegenen Anzahl gehaltener Legehennen deutlich wird.
Daher beschäftigt sich das Seed2FEED-Team der KWS mit folgenden Geflügelarten:
Heraus-forderungen
Das Geflügel stellt den Tierernährer vor besondere Herausforderungen. Während Schweine, Rinder und Pferde über eine mehr oder weniger große Gärkammer verfügen, in denen eine Mikroflora für den Verdau von Fasern zur Verfügung steht, so hat sich der Körper von Vögeln auf Flugfähigkeit spezialisiert. Das geht unter anderem mit einem kurzen Verdauungstrakt einher, der (abgesehen von einzelnen Ausnahmen) kaum noch Raum für mikrobiologischen Verdau bietet. Die Auswahl der möglichen Futtermittel bzw. deren Einsatzhöhe ist daher begrenzt.
Hinzu kommt, dass das Alter der Tiere einen entscheidenden Einfluss auf den Darm hat. Mit zunehmendem Alter vergößert sich z. B. die Oberfläche des Darmepithels und auch das Mikrobiom entwickelt sich, passt sich dem Futter an und stabilisiert sich. Während der Broiler für diese Prozesse wenig zeit hat (Lebensdauer 29-38 Tage), steht Puten (17-22 Wochen) und Legehennen (rund 14 Monate) hierfür mehr Zeit zur Verfügung.
Standardmäßige Rationen
Eine standardmäßige Ration weist, je nach Tierart und Alter, einen Energiegehalt von 10-13 MJ ME und einen Proteingehalt von 180-230 g/kg Futter auf. Sie besteht hauptsächlich aus Getreide wie Mais und Weizen, aus Sojaextraktionsschrot und weiteren Ergänzungen wie Ölen, Mineralien, Aminosäuren und Enzymen.
Es gilt:
Je älter das Masttier, desto höher der Energiegehalt und desto geringer der Proteingehalt im Futter.
Unsere Interessen und Ziele
Faktoren wie der Klimawandel und die Forderung nach einer nachhaltigeren Landwirtschaft machen es erforderlich, das bisherige Fütterungskonzept zu überdenken. Hier kommen Pflanzenarten ins Spiel, die
- besser mit trockenen klimatischen Bedingungen zurechtkommen
- trotz geringer Düngeintensität stabile Erträge liefern
- die regional angebaut werden können und
- eventuell auch Nebenprodukte, die in verschiedenen Lebensmittelzweigen anfallen.
Unser Standardangebot für diesen Markt ist Körnermais mit einem hohen Stärkegehalt und einer hohen Energiedichte.
Hybridroggen ist eine der möglichen Alternativen neben Weizen und Mais. Er erfüllt nahezu alle oben genannten Kriterien, liefert dabei allerdings einen geringeren Proteingehalt als Weizen und höhere Anteile löslicher Fasern. Auch EU-Sojabohnen als regionale Alternative haben, im Vergleich zu Nicht-EU-Soja, einen geringeren Proteingehalt und dafür einen höheren Fasergehalt. Raps kann in höheren Dosen zu feuchten Exkrementen führen, was das Stallklima und die Gesundheit der Tiere negativ beeinflussen kann.
Das Ziel von Seed2FEED ist, Lösungen und praktikable Ansätze für diese Herausforderungen zu finden, sowohl aus züchterischer Sicht als auch auf der Ebene der Tierfütterung.
Mit mehr als 90 % stellt das Huhn den größten Anteil des Geflügelsektors. Daher legt das Seed2FEED-Team auf Masthuhn und Legehenne aktuell das größte Augenmerk und kooperiert mit Forschungseinrichtungen, der Industrie und den tierhaltenden Landwirten. Mit ihrer Hilfe forschen wir an Themen wie Verdaulichkeit, alternative Futtermittel, Fütterungstechnik und Nachhaltigkeit.
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