Wolfgang Ellenrieder – try & error
Wolfgang Ellenrieder inszeniert ein raffiniertes Spiel mit unserer Wahrnehmung, das seiner Malerei eine feine Spannung verleiht. Bildraum und Bildfläche verschmelzen, Motive wirken greifbar und lösen sich zugleich in weiche Unschärfe auf. Kippeffekte verschieben Nähe und Ferne. Durch Materialexperimente erzeugte Flecken und Farblachen bilden ein offenes Gefüge, in dem Formen auftreten, verschwinden und sich in einem natürlichen Prozess aus Versuch, Irritation und scheinbarem Scheitern immer wieder neu ordnen. So entsteht ein vielschichtiges Zusammenspiel von Kunst und experimentellem Forschen, das Bezüge zu wissenschaftlichen Denkweisen erkennen lässt.
Er mischt seine Farben selbst an, verwendet nicht die normierten Farbtöne aus der Tube, sondern wählt die eingesetzten Pigmente und Bindemittel sorgfältig aus. Reine Substanzen sind das Ziel von Wolfgang Ellenrieder. Diese lassen sich ganz dünn auf einen vorbehandelten Untergrund auftragen und entfalten dadurch eine besondere Strahlkraft. Absolut steuern lässt sich das alles nicht, das ist dem Künstler bewusst. Farbpigmente und Bindemittel können sich auch wieder entmischen. Versuch, Irrtum und scheinbares Scheitern: In den visuellen Kippmomenten wird der Kern der Ausstellung „try & error“ sichtbar, ein offener Prozess zwischen Konstruktion und Auflösung, zwischen Kontrolle und Zufall – ein permanentes Austesten von Möglichkeiten.
Informationen zu der Ausstellung
„try & error“ ist bis zum 15. August in der KWS Art Lounge in der Tiedexer Straße in Einbeck zu sehen.
Öffnungszeiten der KWS Art Lounge:
Donnerstag und Freitag, 15:00–18:00 Uhr
Samstag, 10:00–13:00 Uhr
Besonders hinweisen möchten wir auf das Künstlergespräch am 6. Juli 2026 um 18.30 Uhr, bei dem Wolfgang Ellenrieder mit dem Leipziger Kunsthistoriker und Autor Wolfgang Ullrich sowie Thomas Ehrhardt, Head of Global Research and Services der KWS, über das Zusammenspiel von Kunst und wissenschaftlichem Denken spricht.
Der Eintritt ist wie immer frei.
Mit Wolfgang Ellenrieder bringt die KWS Art Lounge erstmals die bislang gezeigte junge Kunst in einen Dialog mit einer international erfahrenen, über Jahre gewachsenen künstlerischen Position. Die Ausstellung „try & error“ markiert einen besonderen Moment in der Programmentwicklung der KWS Art Lounge. Sie versammelt Arbeiten aus drei Jahrzehnten künstlerischer Praxis und macht Wolfgang Ellenrieders prozessorientierte Arbeitsweise sichtbar – ein raffiniertes Spiel mit der Wahrnehmung. Bildraum und Bildfläche verschmelzen, Motive wirken greifbar und lösen sich zugleich in weiche Unschärfe auf. Kippeffekte verschieben Nähe und Ferne. Größen verschieben sich zwischen Mikro- und Makrokosmos.
Großformatige Leinwände, in die die Betrachtenden förmlich eintauchen können, treten in der Ausstellung „try & error“ in Beziehung zu kleineren Formaten und werden durch Luftkissen-Objekte ergänzt.
Wolfgang Ellenrieder nutzt die Mittel der Malerei, um Bildraum und Bildfläche ineinander fließen zu lassen. Vordergründig wirken die Motive – meist aus Flora und Fauna, molekularen Strukturen oder wie ein Blick durchs Mikroskop – plastisch und greifbar. Durch Farbverläufe, Lasuren und gestalterische Übergänge wie bewusst beschleunigtes Trocknen verschwimmen die Grenzen zwischen Figur und Grund, werden Zustände fixiert. Der Künstler hat dabei seine meist großformatigen Leinwände auf dem Boden liegen, steigt auch mal auf eine Leiter, um das entstehende Werk von oben zu betrachten, verwendet Pinsel, Roller, Besen ebenso wie Airbrush.
Die 14 gezeigten Werke Wolfgang Ellenrieders seien ein „Labor der Malerei und für die Gedanken“, in dem Versuche mal gelingen und mal nicht, so Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums Hannover, in seiner Einführung. Zu sehen seien meist vegetabile Formen, Vorstufen von Pflanzen, Stängel oder Molekülstrukturen wie durch ein Mikroskop betrachtet, die nicht einfach zuzuordnen seien. Die Größen verschieben sich. Die virtuellen Welten, die es so gar nicht gebe, seien im Kopf des Künstlers entstanden.
"Die genialen Dinge passieren nicht, wenn jemand linear einen Schritt hinter den anderen setzt und einer Methode folgt, sondern wenn jemand mal etwas ganz anderes ausprobiert. Dafür ist die Ausstellung eine schöne Inspiration."
Stephan Krings, Head of Global Marketing & Communication der KWS
Geboren 1959 in München, studierte Wolfgang Ellenrieder von 1981 bis 1989 an der Akademie der Bildenden Künste München.
Seit 2010 ist er Professor für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Seine künstlerische Praxis bewegt sich im Spannungsfeld von Malerei, Raum und Installation und wurde unter anderem in Leipzig, Berlin, Rotterdam, Zürich, New York, Rom und Melbourne gezeigt.
Für seine Arbeit erhielt er vielfache Auszeichnungen und Stipendien, darunter den Bayerischen Staatsförderpreis für Bildende Kunst sowie das renommierte Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Internationale Arbeitsaufenthalte führten ihn unter anderem nach London, Paris, Basel und Melbourne. Wolfgang Ellenrieders Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa und den USA, darunter die Bayerische Staatsgemäldesammlung und die Staatliche Graphische Sammlung München.
Key Visual: Stabile Lage, 2025, Pigment, Bindemittel und Öl auf Holz 130 × 210 cm
Copyright © 2026 Wolfgang Ellenrieder & VG-Bild Kunst, All rights reserved/Alle Rechte vorbehalten
Photo Credits: ©Alberto Novelli
Gerne können Sie direkt vor Ort spannende Einblicke in unsere Ausstellung erhalten. Schauen Sie vorbei und durch unsere Schaufenster.
Wolfgang Ellenrieder – try & error
Ausstellung: 11. Juni bis zum 15. August 2026
Geöffnet ist die „Art Lounge by KWS“ donnerstags und freitags jeweils von 15 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr.
Neben den üblichen Öffnungszeiten sind noch einige Sonderöffnungen und Führungen durch die Ausstellung geplant.
KWS Art Lounge
Tiedexer Straße 20
37574 Einbeck
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