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    Düngungsversuch Weizen

Begrenzte Stickstoffmengen

Wird sich der Weizenanbau verändern?

Seit die neue Düngeverordnung in Kraft ist, gelten strengere Vorgaben für die Stickstoff-Düngung. Zu Recht fragen sich Landwirte: Wie soll ich zukünftig noch vermarktungsfähigen Qualitätsweizen erzeugen? Die Unternehmen KWS Getreide und Yara Deutschland GmbH wollten es genauer wissen und starteten hierzu im Jahr 2015 einen dreijährigen Düngungsversuch – mit interessanten Ergebnissen.


Die neuen Stickstoff-Bedarfswerte (Tabelle 1) beeinflussen zweifelsohne Ertrag und Qualität von Winterweizen. Unklar war bislang nur: Wie stark sind die Auswirkungen wirklich? Dies wurde bereits schon mehrere Male kontrovers diskutiert. Dieser Düngungsversuch soll nun wissenschaftlich fundierte Antworten geben auf die Fragen:

  • Wie verändern sich die Erträge?
  • Welche Proteingehalte werden in den Qualitätsstufen
    noch erreicht?
  • Sind B-Weizen mit einem um 20 kg N/ha höheren
    Bedarfswert dem C-Weizen ertraglich überlegen?
  • Gibt es Verschiebungen zwischen dem E- und dem
    A-Segment?

Tabelle 1 rechts: Stickstoff-Bedarfswerte für Winterweizen

Versuchsaufbau

Dreijähriger Winterweizenversuch an vier Standorten

In dem Versuch wurde die ortsübliche Düngung des jeweiligen tandortes mit der Düngung unter dem Regime der neuen üngeverordnung verglichen. Der Versuch wurde über drei Jahre an vier Standorten durchgeführt: An den Zuchtstationen von KWS Getreide in Wohlde (Lüneburger Heide), in Wetze (bei Einbeck) und in Seligenstadt (bei Würzburg) und bei der Firma YARA auf dem Hanninghof in Dülmen. Die Standortgüte variierte von 36 bis 52 Bodenpunkten in Dülmen, von 55 bis 65 Bodenpunkten in Wohlde, bis hin zu 75 bis 90 Bodenpunkten in Wetze und durchschnittlich 80 Bodenpunkten in Seligenstadt. Aufgrund der Wetterlage und anderen Umständen konnten in den drei Jahren nicht alle Versuche in die Auswertung einbezogen werden.
Tabelle 2 rechts: Versuchsorte und Jahre

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Der Versuch wurde randomisiert und dreifach wiederholt angelegt. Die Parzellengröße lag zwischen 12,5 m² und 15,75 m². Die Stickstoffgaben unterschieden sich zwischen den Varianten im Bereich von 10 kg N/ha im E-Segment bis zu 30 kg N/ha im C-Segment. Die Aufteilung der jeweiligen Gaben nd die Gesamthöhe sind in Tabelle 3 dargestellt. In beiden Varianten wurden drei E-Weizen, zwei A-Weizen, drei B-Weizen und zwei C-Weizen ausgesät. Die Sorte JULIUS (A) wurde in allen drei Segmenten (E, A/B und C) zum Vergleich mitgeprüft. Die Höhe der Gesamtstickstoff-Menge in der Variante nach neuer Düngeverordnung errechnet sich – wie gesetzlich vorgegeben – aus: Vorfrucht, angebauter Qualität und Ertragsdurchschnitt der vergangenen drei Jahre. Die durchschnittlichen Ertragsniveaus zur Errechnung des N-Sollwertes lagen in Wohlde bei 80 dt/ha, in Dülmen, Seligenstadt und Wetze bei 90 dt/ha.

Die Startgabe und die Gabe zum Schossen wurden an den Bedarf der Pflanzen angepasst (Tabelle 3). Zur Schossergabe kam der N-Tester von YARA zur Ermittlung der Stickstoffhöhe zum Einsatz. Durch die Anpassung an den Bedarf reduzierte sich somit die Stickstoffmenge in der Qualitätsgabe in der Variante nach neuer Düngeverordnung. Dabei war es das Ziel, die Pflanzen weder zum Vegetationsstart noch zum Schossen „hungern“ zu lassen.

Tabelle 3 unten: Stickstoffmengen und -verteilung

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Das Ergebnis

Deutlich geringere Rohproteingehalte

Nach dreijähriger Auswertung haben sich folgende Ergebnisse gezeigt (Abbildung 1): Die Erträge in den einzelnen Qualitätsstufen haben sich zwischen der ortsüblichen Variante und der Variante nach der neuen Düngeverordnung nicht signifikant verändert. Bereits bei einem Unterschied von 15 kg N/ha in der ortsüblichen Variante war der B-Weizen dem Futterweizen um 3,2 dt/ha überlegen. In der Variante der neuen Düngeverordnung erhöhte sich der Unterschied in der Stickstoff-Düngung auf 25 kg N/ha. Der Ertragsunterschied vergrößerte sich dadurch auf 4,3 dt/ha. E- und A-Weizen unterschieden sich in beiden Varianten um 4,8 bzw. 3,5 dt/ha.

Die wesentliche Veränderung, die sich aus einer reduzierten Gesamtstickstoff-Menge ergibt, ist ein niedrigerer Rohproteingehalt. Das Minus reicht von 0,4 % im E-Segment über 0,5 % im A-Segment und 0,4 % im B-Segment bis hin zu 0,3 % im C-Segment. Die unveränderten Erträge und der geringere Rohproteingehalt lassen sich auch im Vergleich zu der Sorte JULIUS erkennen (Abbildung 2). Hier zeigt sich eine Abnahme des Rohproteingehaltes um 0,3 bis 0,7 %. Eine logische Konsequenz aus der Führung der Bestände. Berechtigte Fragen sind dabei: Wie produziert der Landwirt in Deutschland zukünftig vermarktungsfähigen Qualitätsweizen bzw. wie erreicht er die Vermarktungsgrenzen? Und wie sieht die Zukunft des C-Weizens aus?

Abbildung 1 unten: Dreijährige Ergebnisse aufgeteilt nach der Qualität

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Abbildung 2 unten: JULIUS im Vergleich

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Ausblick

Eine Lösung könnten neue ertragreiche E-Weizen-Sorten sein

Die neue Düngeverordnung wird ihre Spuren hinterlassen. Die Landwirte werden Probleme haben, die Vermarktungskriterien zu erfüllen – wenn bei der Sortenwahl und Düngestrategie weiter so verfahren wird wie bisher. Bei der aktuellen Strategie werden sich die Erträge zwar kurzfristig nicht wesentlich ändern. Aber mit einer um 10 bis 30 kg N/ha reduzierten Qualitätsgabe wird der Rohproteingehalt deutlich geringer ausfallen. Hieraus ergeben sich Probleme bei der Vermarktung des geernteten Weizens. Dieses ließe sich durch eine angepasste Sortenwahl lösen. In vielen Regionen gilt es, A-Qualität mit sehr guten Erträgen zu produzieren. Beides abzudecken wird unter der neuen Düngeverordnung fast unmöglich. Eine Lösung könnten ertragreiche neue E-Weizen-Sorten sein. In den Ergebnissen der Landessortenversuche 2018 im Winterweizen aus Rheinland-Pfalz und Bayern ist zu erkennen, dass sich einige E-Weizen ertraglich auf dem Niveau eines A-Weizens befinden, aber gleichzeitig einen höheren Proteingehalt erreichen (Abbildung 3). Daher sollten Sie zukünftig auf Sorten setzen, die sowohl einen hohen Kornertrag als auch einen guten Rohproteingehalt versprechen. Denn neue E-Sorten erzielen ähnlich hohe Erträge wie A-Weizen. Zudem liegen sie mit ihren genetisch bedingt höheren Rohproteingehalten deutlich näher an der Vermarktungsgrenze von 13 %. Sie geben somit mehr Sicherheit. Zudem gilt es aufgrund der zukünftig begrenzten Stickstoffbilanz eine möglichst große Stickstoffabfuhr zu erreichen. Auch hier bieten ertragreiche E-Weizen eine Lösung. Zusätzlich besitzt der E-Weizen in der neuen Düngeverordnung einen um 30 kg N/ha höheren N-Sollwert. Da die Erträge in den Landessortenversuchen aber mit der gleichen Stickstoffmenge erreicht wurden, ist es nicht zwingend erforderlich, diese zusätzliche Menge zu düngen. Sie sollte als „Flexi-Menge“ gesehen werden, um zum Beispiel auf Trockenheit reagieren zu können.

In der Vergangenheit wurde der C-Weizen aufgrund seiner Ertragsüberlegenheit angebaut. Unter der neuen Düngeverordnung besitzt der C-Weizen einen um 20 kg N/ha geringeren N-Sollwert als der B-Weizen. In einer Analyse der Landessortenversuche Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen von 2009 bis 2018 stellte sich zusätzlich heraus, dass die beste B-Weizen-Sorte der besten C-Weizen-Sorte um 1,4 dt/ha überlegen war. Dieser Effekt wird sich – bei der Differenz des N-Sollwertes nach neuer Düngeverordnung – in der Praxis weiter verstärken. Somit ist zu hinterfragen, ob der C-Weizen zukünftig noch seine Berechtigung hat. Grundsätzlich sollten Sie als Landwirt abwägen, welches Ziel Sie primär verfolgen möchten: einen maximalen Ertrag oder die beste Vermarktungsqualität.

Abbildung 3: Erträge auf dem Niveau von A-Weizen

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  • Um zukünftig Qualitätsweizen zu erzeugen, bedarf es neben einer geeigneten Sorte auch einer angepassten Düngestrategie...

    Dr. Stephan Overmeyer, Yara GmbH & Co. KG
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"Die verfügbaren Stickstoffmengen müssen zur richtigen Zeit in der richtigen Menge gestreut werden. Digitale Tools wie zum Beispiel der N-Tester sind eine gute Entscheidungshilfe. Sie sollten aber mit dem richtigen Dünger kombiniert werden. Nitrathaltige Stickstoffdünger wirken schnell und effizient – besonders wenn sie zusätzlich Schwefel enthalten. Schwefel sorgt dafür, dass die Pflanzen den Stickstoff gut ausnutzen können. Aber auch alle anderen Nährstoffe sollten in ausreichender Menge vorhanden sein, um eine möglichst hohe Stickstoffeffizienz zu erzielen. Eine variable Verteilung des Stickstoffs über die Fläche lässt sich mit N-Sensoren erreichen. Aber auch Satelliten-Daten liefern hierzu nützliche Informationen und werden zukünftig eine immer größere Rolle spielen.“

Dr. Stephan Overmeyer, Yara GmbH & Co. KG

Ein zweiter Düngungsversuch

... soll weitere Erkenntnisse liefern.

Zur Aussaat 2018 wurde ein weiterer Düngungsversuch ins Leben gerufen, der folgende Fragen beantworten soll:

  • Wie viel Ertragsverlust nehme ich in Kauf, um die Vermarktungsgrenzen für Protein zu erreichen?
  • Wie viel Proteingehalt verliere ich bei einer Bedarfsdüngung?
  • Wie würde sich eine weitere Reduktion der N-Sollwerte um 20 % auf Erträge und Proteingehalt auswirken?

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Kontakt

Henning Hansen
Henning Hansen
KWS Produktmanager Weizen und Gerste
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