Wie machen wir den Boden fit für die Aussaat

Rolf Klingel, Unternehmensberatung Agrar

Trecker

04.09.2019

Worauf müssen wir in Zeiten ohne Glyphosat achten?

Wenn ich meine Enkelkinder frage, ob sie sich ein Leben ohne Internet oder Smartphone vorstellen können, ernte ich erstaunte Blicke. Kann sich der konventionell arbeitende Landwirt den Ackerbau ohne Glyphosat vorstellen? Ich denke ja, es gab schon guten Ackerbau vor der Einführung von Glyphosat.

Wo erfolgt derzeit fachlich korrekter Glyphosateinsatz und mit welchen Maßnahmen und Strategien ist Glyphosat zu ersetzen?

1. Bekämpfung von Durchwuchs (Kulturpflanzen, Ungräser und Unkräuter) im Zwischenfruchtanbau im Frühjahr.

Jede Bodenbearbeitung fängt mit der Ernte der Vorkultur an, in der Regel steht Zwischenfrucht nach Getreide. Die korrekte Einstellung des Mähdreschers, eine gute Verteilung von Spreu und Stroh beeinflusst die Qualität der nachfolgenden Stoppelbearbeitung und die Menge des später in der Zwischenfrucht auflaufenden Ausfallgetreides entscheidend. In trockenen Jahren steht das keimende Saatgut der Zwischenfrucht in Konkurrenz um Wasser mit Ausfallgetreide, Kaff, Kurzstroh und Stoppeln. Ich kenne kaum Getreidestoppeln, wo bereits mit dem Mähdrescher eine ausreichende Verteilung der Ernterückstände gelungen ist.

Daraus folgt, nach der Ernte muss mit passenden Geräten eine Nachverteilung der Ernterückstände erfolgen. Das Ausfallgetreide muss zeitnah so tief eingearbeitet werden, dass es gute Keimbedingungen vorfindet und möglichst nicht in die Keimruhe fällt. Die Einarbeitungstiefe ist abhängig von der Bodentemperatur und der noch eventuell vorhandenen Feuchtigkeit im Boden. Kurz gesagt: Ist der Boden nach der Ernte heiß und trocken, führt eine zu flache Stoppelbearbeitung nicht zum Ziel. In einem feuchten Jahr kann oder muss flacher bearbeitet werden.

Die Qualität der Bodenbearbeitung geht vor dem Saatzeitpunkt der Zwischenfrucht. Der Großteil des Ausfallgetreides und der Herbstkeimer muss vor der Zwischenfruchtbestellung aufgelaufen oder zumindest angekeimt sein. Zwischenfrucht sollte möglichst ohne Fahrgassen gedrillt werden.

Unterstützende Maßnahmen sind Zwischenfruchtmischungen, die im Keimverhalten, in Korngröße und der Frostresistenz zueinander passen. Fallen einzelne Arten zu früh aus, oder entsteht bei pneumatischen Drillmaschinen eine Entmischung durch große Unterschiede in Korngröße und Gewicht, kommen in den Fehlstellen Ungräser und Unkräuter durch, die in der Vergangenheit einen Glyphosateinsatz im Frühjahr erfordert haben. Ein gut rückverfestigtes Saatbett, das zum gleichmäßigen schnellen Auflaufen beiträgt, und eine hohe Saatstärke, erhöhen die Konkurrenzkraft der Zwischenfrucht gegenüber Ausfallgetreide und Herbstkeimern.

Ein weiterer Vorteil der intensiveren Bodenbearbeitung zur Zwischenfrucht ist das Saatbett: auf Krumentiefe ohne Kluten, Sperrschichten, Strohmatten und Schadverdichtung kann sich die Wurzel der Zwischenfrucht besser entwickeln. Der spätere Aussaattermin mit hoher Saatstärke in ein optimales Saatbett bewirkt, dass mehr Wurzelmasse und weniger oberirdischer Aufwuchs auf dem Feld steht. Im Frühjahr lassen sich solche Zwischenfruchtbestände leichter händeln.

2. Beseitigung von Ausfallgetreide und Ausfallraps.

Zur Strategie gilt im Wesentlichen das bereits Beschriebene zur Zwischenfruchtbodenbearbeitung. Wichtig ist der Zeitpunkt des zweiten oder nachfolgenden Arbeitsganges. Ausfallgetreide darf das 4. Blatt nicht erleben, Ausfallraps muss bearbeitet werden, wenn der Großteil der Pflanzen das Zweiblattstadium erreicht hat. Die Geräte müssen so ausgerüstet und eingestellt sein, dass zwischen den Werkzeugen keine Pflanzen stehen bleiben. Sind die Pflanzen zu groß geworden, weil der optimale Zeitpunkt verpasst wurde, ist mit dem teilweisen Wiederanwachsen der Pflanzen zu rechnen. Steht im Betrieb ein Striegel zur Verfügung, kann ein zusätzlicher Arbeitsgang mit dem Striegel das Problem beheben. Im anderen Fall muss zeitnah ein zweiter Arbeitsgang erfolgen, bevor die durchgetriebenen Pflanzen wieder starke Wurzeln ausgebildet haben. Geräte, die mit einem Striegel nach der Packerwalze ausgerüstet sind, oder Geräte, die wahlweise ohne Packer, aber mit Nachlaufstriegel gefahren werden können, haben für solche Arbeitsgänge Vorteile. Der Striegel kämmt die größeren Pflanzen nach oben, wo diese leichter vertrocknen können. Der Verzicht auf Glyphosat erfordert mehr Schlagkraft bei der Bodenbearbeitung.

3. Wurzelunkräuter (Quecke, Distel, Landwasserknöterich, Ackerschachtelhalm) und Pflanzen mit einer Pfahlwurzel.

Wurzelunkräuter treten in der Regel dort auf, wo Strukturprobleme im Boden vorhanden sind. Nach über 20 Jahren Glyphosateinsatz sollte es nicht verwundern, wenn noch Wurzelunkräuter in den Flächen zum Problem werden. Das heißt, der Glyphosateinsatz war noch nie die alleinige Problemlösung, Glyphosateinsatz konnte immer nur unterstützen. Wie immer haben Probleme mehrere Ursachen.

Ein Blick in den Boden zeigt in den meisten Fällen, wo das Schadverdichtungsproblem liegt und ob mit Bodenbearbeitung etwas dagegen auszurichten ist. Für den Blick in den Boden eignet sich neben dem Spaten besonders eine Palettengabel an einem Front-, Teleskop- oder Radlader.

Für die mechanische Bekämpfung von Quecke und Landwasserknöterich ist, neben der wünschenswerten Beseitigung von Strukturschäden, eine konsequente Bearbeitung der betroffenen Flächen oder Teilflächen mit Geräten erforderlich, die in der Lage sind, Rhizome bzw. Wurzeln oben auf dem Boden abzulegen, damit diese dann vertrocknen können. Die mechanische Bekämpfung erfordert eine mehrfache tiefe Lockerung auf trockenem Boden. Für diese Einsätze sind Geräte erforderlich, die einen nachlaufenden Striegel haben.

Ackerschachtelhalm und Disteln sind mechanisch schwerer zu bekämpfen, können aber mit der möglichen und wünschenswerten Beseitigung von Schadverdichtungen und einer auf der betroffenen Teilfläche intensiveren Bodenbearbeitung, wie zur Quecke beschrieben, dezimiert werden.

  • Wo bisher Probleme mit Glyphosat gelöst wurden, ist in der Zukunft ein Umdenken in der Bodenbearbeitung erforderlich.

    Rolf Klingel, Unternehmensberatung Agrar, rolf.klingel@beratung-agrar.de
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Welche Geräte können mit welcher Ausrüstung und Einstellung Ernterückstände gut nachverteilen?

  • Scheibenegge, Schälpflug und jegliche Bauart von Fräsen haben auf die Nachverteilung von Ernterückständen keinen Einfluss und sind deshalb zum Bearbeiten von Getreidestoppeln ungeeignet.

  • Was geht mit Scheibeneggen gut? Gülle und Gärreste einarbeiten, die Überreste von Lagergetreide unterarbeiten, Körnermaisstroh einarbeiten, Kleegras, Gras und Luzerneflächen bearbeiten. Im guten Ackerbau ist beim Einsatz der Scheibenegge eine Vor- oder Nacharbeit mit Zinkengeräten erforderlich, um die Defizite der Scheibenegge auszugleichen.

  • Eine Nachverteilung der Ernterückstände kann nur gelingen, wenn nicht in Druschrichtung gearbeitet wird.

  • Wird mit Zinkengeräten zweimal 45° diagonal zur Druschrichtung bearbeitet, können mit der richtigen Gerätewahl gute Arbeitsergebnisse bei der Nachverteilung der Ernterückstände erzielt werden.

  • Zum Nachverteilen von Ernterückständen eignen sich Zinkengeräte mit engem Strichabstand, langer Bauform, genügend Durchgang und Scharen, die einerseits die hoffentlich kurzen Stoppeln und das kurz gehäckselte Stroh nicht zu kleinen Haufen zusammen schieben, andererseits den Boden weit genug öffnen, damit die Ernterückstände auch eingemischt werden können. Die Arbeitsqualität kann durch Nebenherfahren und Nachgraben zum Beginn des Arbeitsganges kontrolliert werden. Das Einmischen gelingt besser, wenn Boden und Ernterückstände nicht mehr in der Luft sind, bevor das nächste Werkzeug in den Boden eingreift. Leider wird in vielen Betrieben fehlende Gerätebreite durch zu hohe Geschwindigkeit ersetzt.

  • Zum Nachverteilen von Ernterückständen nicht geeignet sind Grubber mit großen Zinkenabständen, Grubber mit zwei oder drei Balken, Grubber mit Flügel- oder Gänsefußscharen, schmale Zinken für die tiefe Lockerung. Steht nur ein Grubber mit einem großen Strichabstand (> 20 bis 23 cm) zur Verfügung, kann dieser Nachteil eventuell mit zwei aufeinanderfolgenden Arbeitsgängen und passender Werkzeugwahl ausgeglichen werden.

  • Im Gegensatz zur Scheibenegge, hängt die Arbeitsqualität aller Zinkengeräte von der sorgfältigen Einstellung der Geräte und der richtigen Werkzeugwahl ab. Ein Zinkengerät kann nicht vom Fahrer allein aus der Kabine eingestellt werden.

  • Zwischen den Werkzeugen dürfen keine Pflanzen und Stoppeln stehen bleiben!

Zusammengefasst:
Werden die beschriebenen Arbeitsgrundsätze eingehalten, sollte es in den meisten Fällen gelingen, einen Zwischenfruchtbestand auf dem Feld zu etablieren, bei dem im Frühjahr auf den Einsatz von Glyphosat verzichtet werden kann.

Fazit

Zusammengefasst ist festzuhalten: Wo bisher Probleme mit Glyphosat gelöst wurden, ist in der Zukunft ein Umdenken in der Bodenbearbeitung erforderlich. Der Verzicht von Glyphosat führt zu mehr Arbeitsgängen, die auch mehr Sorgfalt und Arbeitsqualität bei der Durchführung erfordern. Die meisten Betriebe werden in zusätzliche Technik für die Bodenbearbeitung investieren müssen. Wo es der Boden und die Erosionsgefahr zulässt, ist eine Renaissance des Pfluges zu erwarten.

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Rolf Klingel
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