Repellents: Wie KWS in Zukunft Vögeln mit pflanzlichen Extrakten den Appetit auf Öko-Mais vergällen will

Fasane auf dem Feld

Der Ökolandbau darf keine künstlichen chemischen Wirkstoffe gegen Vogelfraß in frisch gesäten Maisfeldern einsetzen. Daher picken die Tiere im Frühjahr mitunter ganze frisch ausgesäte Felder leer. KWS arbeitet an neuen Pflanzenextrakten, um den Vögeln die Saat nachhaltig zu vergällen – mit aussichtsreichen Resultaten.

Krähen, Fasane, Tauben, Kraniche: Bei vielen Menschen mögen sie als Teil einer intakten Natur beliebt und geschätzt sein. Bei Ökolandwirten sieht das zu gewissen Zeiten des Jahres vielfach anders aus. Die Vorliebe der Vögel für nährstoffreiches Mais-Saatgut lässt sie etwa Anfang Mai massenhaft in frisch gesäte Felder einfallen. Fasane zum Beispiel graben dann die Körner aus der Erde. Krähen ziehen erst die jungen Keimlinge heraus und fressen das Korn dann. Der Schaden kann bis zum Totalverlust reichen.

Krähe im Geäst

Je bitterer, desto besser

Denn: Anders als im konventionellen Landbau darf das Öko-Saatgut keine chemisch-synthetischen Beizen enthalten, um den Vögeln den Appetit auf die Körner zu vergällen. Nur naturnahe oder -identische Substanzen dürfen laut EU-Ökoverordnung zum Einsatz kommen. Zusammen mit Partnern aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen sucht KWS daher nach einem Pflanzenextrakt, der den Vögeln den Appetit aufs Korn nachhaltig verleidet. Solche Substanzen werden Repellents genannt und können zum Beispiel extrem bitter schmecken. Zudem dürfen sie das Keimen der Pflanzen nicht behindern und müssen über mehrere Wochen am Maiskorn haften bleiben – auch bei Feuchtigkeit. Es ist nicht leicht, alle diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen.

Getestet wird die Wirkung der Öko-Beizen in Versuchsreihen auf dem KWS Klostergut Wiebrechtshausen nahe Einbeck und in einigen weiteren deutschen Ökobetrieben. Bettina Jorek leitet die entsprechenden KWS Feldversuche – und ist mit Blick auf die zahlreichen, vorhergegangenen Fütterungsversuche in Volieren verhalten optimistisch. „Ich schätze, dass unser aktueller Favorit unter den Extrakten dazu führt, dass 65 bis 70 Prozent der Körner im Feld erhalten bleiben. Unser Ziel sind natürlich 100 Prozent.“ Mit „unser“ meint Jorek sich und das KWS Forscherteam.

Auf den ersten Blick mag das Problem mit den Vögeln vergleichsweise klein erscheinen. Schließlich werden in Deutschland jährlich nur etwa 20.000 Hektar Ökomais angebaut. Aber das Potenzial einer nachhaltigen Beize auf pflanzlicher Basis ist viel größer: Konventioneller Mais steht in Deutschland auf rund 2,5 Millionen Hektar. Derzeit gibt es den Wirkstoff Methiocarb (Handelsname „Mesurol“), der vor der Fritfliege schützt, damit das Infektionsrisiko mit Maisbeulenbrand verringert und auch den Fraß des Saatgutes durch Vögel verringert. „Aber der Trend geht zu weniger Chemie auf dem Acker“, sagt Jorek. „Zudem ist Nachhaltigkeit eines der grundlegenden KWS Unternehmensziele.“ KWS bietet Landwirten viele verschiedene Nutzpflanzen, darunter auch Zwischenfrüchte für eine optimale und nachhaltige Fruchtfolge. Hinzu kommen zahlreiche Sorten speziell für den Öko-Landbau. Damit unterscheidet sich das Unternehmen in Einbeck von vielen anderen Züchtern, die sich auf nur wenige Arten von Nutzpflanzen konzentrieren.

Zusammenspiel vieler Experten

Bei der Arbeit mit den Pflanzenextrakten kooperiert KWS unter anderem mit einigen Wirbeltierforschern am Julius Kühn-Institut (JKI), mit Experten der FH Bielefeld sowie der Firma Phytoplan in Heidelberg, einem Spezialisten für pflanzliche Wirksubstanzen. Phytoplan gewinnt und liefert Extrakte oder einzelnen Fraktionen davon. Das JKI ist für die Projektkoordination und für Fütterungsversuche in Volieren zuständig. Die FH Bielefeld entwickelt Formulierungsmöglichkeiten für eine bessere Haltbarkeit und Wirkung des Beizmittels am Saatgut. Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Welche Extrakte wie und wie gut wirken, verraten die Beteiligten nicht, um mögliche Patente auf diesem Gebiet nicht zu gefährden. „Wir besitzen bereits jetzt gut wirkende, repellente Extrakte, die auch im Feld positive Effekte haben und den Keimling nicht schädigen. Nun müssen die Substanzen aber auch noch bestmöglich am Korn haften – und ihre Wirkung auch nach drei Wochen im Boden noch konzentriert im Vogelschnabel entfalten“, erklärt Jorek die Aufgabe. Immer um den ersten Mai herum säen sie und ihr Team den mit aussichtsreichen Pflanzenextrakten versehenen Mais aus und beobachten danach die Versuchsflächen und die Vögel exakt.

Keine Angst vor Vogelscheuchen

Wie in den vergangenen Jahren werden sie dabei auch künftig ihrerseits aus hunderten Augen genau beobachtet. Besonders die intelligenten Krähen haben gelernt, mit den Menschen umzugehen. Sie wissen scheinbar, dass sie nicht bejagt werden dürfen. Auch von großen Vogelscheuchen-Drachen in rund 30 Metern Höhe lassen sich nicht verschrecken, weiß Jorek. Runde, sich im Wind bewegende Vogelscheuchen (Marke: „Böser Blick“) auf dem Feld ignorieren die Krähen ebenfalls. Mehr noch: „Krähen scheinen in ihren Reihen ‚Botschafter‘ zu haben, die erkennen, wenn der Landwirt auf dem Feld arbeitet. Dann verständigen sie ihre Artgenossen“, hat Jorek immer wieder beobachtet. Das Forscherteam bleibt aber dran: Am Ende eines jeden Tests wissen die Forscher daher wieder etwas mehr darüber, was den Vögeln nicht schmeckt.

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