Zuckerrüben-Ernterekord trotz Dürrejahr

Landwirt Christian Flögel geht an einer Zuckerrübenmiete entlang. Miete nennt man eine Lagerform von Schüttgütern.

Ein Landwirt mit Leidenschaft und ein Berater mit bestem Saatgut – ein Erfolgsduo, das im Dürrejahr 2018 eine Rekordernte für einen in elfter Generation geführten Hof einspielte.

Romantisch klingt Christian Flögel nicht, wenn er von seinem Boden spricht: „Mein Boden ist meine Produktionsgrundlage – er ist das Kapital.“ Aber Flögel ist ein leidenschaftlicher Landwirt. Schon als Kind stand für ihn fest, dass er den Hof der Familie übernimmt. „Wir überlassen nichts dem Zufall“, sagt er, „ich drehe an kleinen Schräubchen, damit was Großes dabei herauskommt.“ Er sei nicht besser als andere Bauern, die würden sich auch überlegen, wie sie bewirtschaften. Aber: „Vielleicht mache ich mir noch mehr Gedanken.“

Diese kleinen Rädchen, an denen Flögel dreht, bringen ihm hier und da vielleicht ein bis zwei Prozent mehr Ertrag, „unterm Strich können dann aber zehn Prozent dabei herauskommen“. Neben dem ganzen Großgerät setzt Flögel vor allem auf eines der ältesten landwirtschaftlichen Werkzeuge – den Spaten. „Ich prüfe im Frühjahr damit, ob der Boden reif ist, ob ich Rüben säen kann. Wie ist der Feuchtegrad und die Form der Bodenbestandteile? Ist der Boden klumpig, bröckelig oder doch eher krümelig?“

Flögel schärft seinen Blick, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, und sticht den Spaten tief in die kalte Erde, hebelt behutsam die Bodenprobe aus und lässt sie aus einem Meter Höhe wieder fallen. „Die Erde muss sich leicht vom Spaten lösen und beim Aufprall in gleichmäßige Krümel zerfallen.“ Flögel wiederholt das Prozedere an unterschiedlichen Stellen seines Ackers. Erst wenn überall der Boden den richtigen Krümelgrad erreicht hat, denkt Flögel an die Aussaat.

Das Zusammenspiel aus Handwerk und Technik führt zum Erfolg

Zudem muss der Acker tischeben sein oder wie er es fachlich ausdrückt: „Hundertprozentig rückverfestigt.“ So lasse sich das Saatgut besser ablegen, das wiederum ergebe einen gleichmäßigeren Feldaufgang, was zu einer höheren Bestandsdichte führe. Am Ende könne deswegen fast verlustfrei gerodet werden. „So habe ich das von unserem damaligen Betriebsleiter gelernt“, sagt Flögel, „je sauberer und gründlicher die Arbeit im Vorfeld ist, desto einfacher gestalten sich die Folgeschritte.“

Neben seiner Erfahrung setzt Landwirt Flögel auf moderne Technik. Der Traktor ist mit Real-Time-Kinematic (RTK) ausgestattet, einem satellitengestützten Navigationssystem, das sein Feld präzise vermisst und den Schlepper bei der Aussaat bis auf zwei Zentimeter genau die Spur halten lässt. „Ich lasse keinen Zentimeter ungenutzt liegen“, sagt Flögel. Es sei genau dieses Zusammenspiel aus Handwerk und Technologie, das zum Erfolg führe.

„Mehraufwand macht sich bezahlt“

Flögel musste früh lernen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Sein Vater verstarb jung, seine Mutter und sein Stiefvater erzogen ihn nach dem Motto „Wenn wir was machen, dann machen wir es gut“. Und der Betriebsleiter war Perfektionist. So was prägt. Würde sich das alles aber nicht lohnen, wäre Flögel der Erste, der es bleiben lässt. Aber, so sagt er: „Der Mehraufwand macht sich bezahlt.“ Vermutlich hat ihn seine Detailverliebtheit auch besser durch das Dürrejahr 2018 gebracht. 2018 war nicht nur das zweittrockenste Jahr in Niedersachsen seit 1881, sondern auch das zweitwärmste. 4600 Bauern beantragten Dürrehilfe, die Politik stellte insgesamt mehr als 35 Millionen Euro zur Verfügung.

Klimawandel macht erfinderisch

Flögel ist es wichtig, nicht überheblich zu klingen. Das tut er auch nicht. Aber der 41-Jährige ist von dem, was er macht, überzeugt. Und sein Erfolg gibt ihm recht. Das für die deutsche Landwirtschaft aufgrund von Witterungsextremen schwierige Dürrejahr 2018 war sein absolutes Rekordjahr. Während andere Bauern in der Region mit ihren Zuckerrüben einen Betriebsschnitt von rund 16 Tonnen Zucker pro Hektar erzielen konnten, standen bei Flögel 19 Tonnen unterm Strich. „Ich konnte das gar nicht glauben“, erinnert sich der Landwirt. Nach der ersten Lieferung habe er sofort bei Nordzucker angerufen. „Ich habe mich im Rübenbüro erkundigt, ob die Werte auf meinem Tablet stimmten.“ Sie stimmten, und die beste Ernte in der Geschichte des Hofes war eingefahren.

Langfristige Bindung statt kurzfristigen Erfolgs

Den Ernteerfolg von 2018 schreibt Flögel zum einen dem Boden zu. „Der Bördeboden kann sehr viel Wasser speichern und an Pflanzen weitergeben“, sagt er. So hätte man sich über das Dürrejahr 2018 und teilweise auch über das noch schwierigere Jahr 2019 gerettet. Zum anderen weiß Flögel aber auch, dass er mit KWS Saatgutberater Fritz-Jürgen Lutterloh einen verlässlichen Partner an seiner Seite hat. 15 Jahre ist Flögel jetzt schon Landwirt, und seit 15 Jahren setzt er auf die Beratung von Lutterloh.

„Langjährige Bindung ist mir wichtiger als kurzfristiger Erfolg“, sagt Flögel. Beide, die oft zusammen über Felder fahren oder bei einer Tasse Kaffee fachsimpeln, beschreiben ihre Beziehung mit dem gleichen Wort: Vertrauen. Lutterloh kennt den Landstrich und seine Bauern. Seit 27 Jahren berät er Landwirte in Sachen Saatgut. Dabei wurde er zu Beginn misstrauisch beäugt. „Ich stamme aus dem Landkreis Celle, schmunzelt Lutterloh, „da, wo ich herkomme, sind die Böden ganz leicht.“ Kein Vergleich zu den dunkelbraunen bis tiefschwarzen Böden der Hildesheimer Börde. Da galt es, Vertrauen durch verlässliche Beratung und Betreuung zu erreichen.

Wie geht’s weiter mit Witterungsextremen?

In den kommenden Wochen steht die nächste Aussaat an. „Wir werden mit mehr Witterungsextremen zu tun haben“, sagt Landwirt Flögel. Die Zuckerrübe habe aber ein großes Potenzial, denn „sie kann mit wärmeren Temperaturen umgehen“. Daher werde er sie auch weiterhin anbauen. Nach einer Bauernregel gefragt, sagt Flögel: „Wir haben 2020 ein Schaltjahr. Und eigentlich heißt es ›Schaltjahr, Kaltjahr‹.“ Kälte verträgt die Zuckerrübe nicht gut. Es wird sich zeigen, ob Bauernregeln im 21. Jahrhundert auch noch stimmen. So oder so: Flögel ist gut vorbereitet – und gut beraten.

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Stephan Krings
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