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CR+ Die Innovation für ein erfolgreiches Cercospora-Management

Autoren: Sören Seebode, Dr. Werner Linzmeier, Ernst von Stockhausen

06.04.2022

Blattgesundheit ist ein zentraler Faktor für einen erfolgreichen Zuckerrübenanbau: Nur mit einem gesunden Blattapparat kann das genetische Leistungspotenzial der Zuckerrübe von der Aussaat bis zur Ernte voll genutzt werden.
Der Wegfall von fungiziden Wirkstoffen, eine geringere Wirksamkeit der vorhandenen Mittel sowie neue politische Zielsetzungen werden zunehmend zu Herausforderungen für die Kontrolle von Blattkrankheiten, speziell Cercospora beticola. Tolerante Zuckerrübensorten sind hier der Schlüssel zum Erfolg.

Cercospora ist bei Zuckerrüben die Blattkrankheit mit der größten wirtschaftlichen Bedeutung in Deutschland und weltweit. Vor allem in den Intensivanbaugebieten und in wärmeren Regionen, z. B. an Rhein und Donau sowie auf Standorten mit Beregnung, kann der Schadpilz sehr hohe Verluste im Zuckerertrag verursachen.
In den vergangenen Jahren hat der Befallsdruck deutlich zugenommen: 2021 waren viele Rübenanbauregionen in Deutschland von einem mittleren bis starken Befall mit Cercospora betroffen. Auch in Regionen mit sonst geringerem Befallsdruck waren braune Bestände ab Mitte September ein häufiges Bild. Trotz passend terminierter Fungizidmaßnahmen konnte die Krankheit oft nicht ausreichend kontrolliert werden.
Es zeigt sich der zunehmende Wirkungsverlust bei den verfügbaren Fungiziden – vor allem bei den Strobilurinen. Durch den Wegfall weiterer Fungizidwirkstoffe wird die chemische Kontrolle von Blattkrankheiten im Jahr 2022 noch stärker eingeschränkt.

Klassische Sorte und CR+ Sorte bei starkem Befallsdruck, Kandel, Sept. 2021

Klassische Sorte und CR+ Sorte bei starkem Befallsdruck, Kandel, Sept. 2021

CR+ Sorten: Mehr Schutz + Mehr Leistung

Die Züchtung blattgesunder und leistungsstarker Sorten wird schon seit Jahrzehnten von Zuckerindustrie und Verbänden gefordert. Bisher mussten Rübenanbauer einen geringeren Ertrag in Kauf nehmen, wenn sie sich für Sorten mit einem hohen Grad der Cercospora-Toleranz entschieden haben. Lediglich unter Starkbefall konnten diese Sorten eine relative Anbauwürdigkeit erlangen. Jetzt wird mit der Zulassung der sogenannten CR+ Sorten ein ganz neuer Meilenstein in der Toleranzzüchtung gesetzt.

Diese neue Generation kombiniert erstmals einen sehr hohen Cercospora-Schutz mit einem sehr hohen Ertragsniveau. Genau diese Kombination aus Cercospora-Schutz bei gleichzeitig sehr hoher Ertragsleistung unter allen Anbaubedingungen stellte die größte Herausforderung für die Züchtung dar. Die CR+ Sorten sind das Ergebnis jahrelanger Züchtungsentwicklung. Mit klassischen Züchtungsmethoden ist es den KWS Züchtern gelungen, eine neue Cercospora-Resistenzquelle zu identifizieren und Zuckerrübensorten mit verbessertem Cercospora-Schutz auf den Markt zu bringen.
Im Februar 2021 wurden die beiden ersten CR+ Sorten - INSPIREA KWS und BLANDINA KWS (+ Nematodentoleranz) - vom Bundessortenamt für Deutschland zugelassen. Nun erfolgte im Februar 2022 die Zulassung zweier neuer Sorten aus dem CR+ Segment, kombiniert mit weiteren Toleranzeigenschaften. Diese vier CR+ Sorten decken ein sehr breites Spektrum von Standortbedingungen in Deutschland ab und können für viele Landwirte die passende Lösung darstellen. Die Züchtung solcher CR+ Sorten mit hoher Leistung und vielfältigen Toleranz-Kombinationen läuft kontinuierlich weiter.

Versuche bestätigen die Vorteile

In umfangreichen Versuchen werden Sorten dieses Zuchtprogramms schon seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit diversen Institutionen – u.a. dem Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) und den regionalen Arbeitsgemeinschaften – geprüft. Züchtung und pflanzenbauliche Forschung sowie Beratung arbeiten Hand in Hand, um die optimale Cercospora-Management-Strategie mit CR+ Sorten zu entwickeln.

Bei CR+ Sorten ist neben der Befallshäufigkeit auch die Befallsstärke geringer, d. h. mehr grüne Blattfläche bis zur Ernte, mit der die Rübe Photosynthese betreiben kann. So können die zuwachsstarken Tage im Herbst noch voll ausgeschöpft werden. Diese grünen Bestände haben insgesamt weniger Stress und sind produktiver mit positiven Auswirkungen auf Zuckergehalt und Ertrag. Zuckerrüben mit einem gesunden, intakten Blattapparat lassen sich darüberhinaus besser roden und verarbeiten, da weniger abgestorbene Blattreste behindern.

Die richtige Cercospora-Management-Strategie

Die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen mit CR+ bieten hervorragende Ansätze für eine erfolgreiche und nachhaltige Cercospora-Kontrollstrategie. In Anlehnung an das etablierte summarische Bekämpfungsschwellensystem (5/15/45) sollte auch bei CR+ Sorten die erste Spritzung bei Erreichen der jeweiligen Behandlungsschwelle erfolgen. Die erste Schwelle wird allerdings in vielen Fällen 1-2 Wochen später erreicht als bei klassischen Sorten. Auch die Krankheitsentwicklung verläuft wesentlich langsamer. Dies bietet Einsparpotenzial bei den Fungizidmaßnahmen und gleichzeitig die Möglichkeit, den Befall bis zur Ernte zu verringern oder zu vermeiden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Verlauf der Befallshäufigkeit von Cercospora (schematisch)

Abbildung 1: Verlauf der Befallshäufigkeit von Cercospora (schematisch)

Cercospora-Management mit CR+ Sorten

Cercospora-Management mit CR+ Sorten

Ob am Ende eine oder mehrere Behandlungen eingespart werden können, hängt stark vom Jahr und dem jeweiligen Befallsdruck ab. Im letzten Jahr konnte in den CR+ Sorten auf vielen Versuchsstandorten mindestens eine Maßnahme entfallen - im Vergleich zu einer klassischen Sorte.
Ein erfolgreiches Cercospora-Management wird in Zukunft umfassender gedacht werden müssen. Eine höhere Bedeutung gewinnt dabei die Feldhygiene bzw. das Inokulumpotenzial der Bestände. Das Inokulum wird gebildet von den mit Cercospora befallenen Blättern. In ihnen ruhen die Überdauerungsorgane der Krankheit. Mit der Ernte gelangen sie zurück in den Boden und bilden von dort den Ausgangspunkt für den Cercospora-Befall im nächsten Anbaujahr. Je geringer das Inokulum ausfällt, umso kleiner wird das Infektionspotenzial für die nächste Cercospora-Epidemie.

Eine nachhaltige Cercospora-Strategie muss also in mehreren Jahren gedacht werden und darauf abzielen, den Cercospora-Befall bis zur Ernte abzuwehren. Die hoch protektiven CR+ Sorten bilden dafür die Basis, kombiniert mit einem gezielten, ergänzenden fungiziden Schutz. Durch den geringeren Befall helfen die CR+ Sorten den Selektionsdruck auf die Fungizide zu verringern. Gleichzeitig reduziert der angepasste Einsatz von Fungiziden den Selektionsdruck auf die Sorten. Damit könnte der fortschreitende Wirkungsverlust abgebremst werden. Bei der schon jetzt sehr begrenzten Auswahl an Wirkstoffen wäre auch das ein sehr wichtiges Teilziel eines ganzheitlichen Cercospora-Managements.

Fazit

Die neuen CR+ Sorten sind ein wichtiger Baustein im zukünftigen Cercospora-Management und eine bedeutende Innovation für die Nachhaltigkeit des Rübenanbaus im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes und auch des Green Deals.

CR+ Sorten bieten bei sehr hohem Ertragspotenzial einen sehr hohen Schutz gegen Cercospora über den gesamten Vegetationszeitraum. Eingebettet in ein intelligentes, angepasstes Cercospora-Management, ermöglichen sie eine neue Option zur Kontrolle der Cercospora.

Autoren
Sören Seebode, Dr. Werner Linzmeier, Ernst von Stockhausen

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