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Zulassung chemischer Saatgutbehandlungsmittel
im Getreide

Dr. Anke Kühl, Fachberatung Pflanzenbau, BAT Agrar GmbH & Co KG

13.07.2022

Chemische Beizmittel zur Behandlung von samen- und bodenbürtigen Krankheiten im Getreide haben sich seit vielen Jahren bewährt. Die Gründe sind naheliegend. Samenbürtige Krankheiten, wie z. B. Stein- oder Flugbrand können nur über die Saatgutbeizung erfasst werden.

Das gilt auch für bodenbürtige Krankheiten wie z. B. Schwarzbeinigkeit oder durch Fusarium spp. verursachte Auflaufkrankheiten. Ein Vorteil chemischer Beizen ist außerdem, dass die Produkte sehr gezielt und mit vergleichsweise niedriger Dosierung direkt an das Saatkorn gebracht werden.

Seit 2019 sind mit den Carboxamiden Sedaxane und Fluxapyroxad zwei neue Wirkstoffe für die Saatgutbehandlung im Getreide dazugekommen. Sedaxane hat vor allem eine gute Wirkung auf Rhizoctonia und Typhula, Fluxapyroxad zeichnet sich vor allem durch die gute Wirkung gegen Typhula und Rhynchosporium aus.

Allerdings nimmt die Anzahl der zugelassenen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe auch im Bereich der Beizmittel im Getreide insgesamt weiter ab. Nach Widerruf der Zulassungen für die Wirkstoffe Cyproconazol, Prochloraz und Triazoxide stehen die Produkte Zardex G, Rubin TT, Orius Universal oder Efa Universalbeize nach Beendigung der Aufbrauchfristen nicht mehr zur Verfügung. Weitere Einschränkungen sind in den nächsten Jahren zu erwarten. So stehen einige Wirkstoffe auf der Liste der Substitutionskandidaten, wie z. B. Tebuconazol und Fludioxonil. Wie lange sie noch zugelassen bleiben, ist zurzeit nicht absehbar.

Alternativen?

In der Diskussion um Alternativen zu chemischen Wirkstoffen werden derzeit vor allem Biostimulanzien diskutiert. Je nach Produktgruppe können sie zur Saatgutbehandlung
oder zur Spritzung im Blattbereich eingesetzt werden. Biostimulanzien stärken Pflanzen in ihrem Wachstum, indem sie die Nährstoffaufnahme verbessern und die Pflanzen gegen abiotischen Stress schützen. Eine direkte Wirkung gegenüber Krankheiten und Schädlingen geht von Biostimulanzien nicht aus. Somit sind Biostimulanzien keine direkte Alternative zur chemischen Saatgutbehandlung, aber sie können als Ergänzung durchaus einen Beitrag zur Förderung der Jugendentwicklung und der Wurzelausbildung leisten.

Zur Saatgutbehandlung eignen sich vor allem Algenpräparate und Mikroorganismen, wie Rhizobakterien. Sie fördern die Nährstoffmobilisierung und das Wurzelwachstum und unterstützen dadurch die Jugendentwicklung der Pflanzen. Die gute Bestandesetablierung im Herbst ist eine Grundvoraussetzung für sichere Erträge.
Unter dem Gesichtspunkt, dass mit einem weiteren Wegfall chemischer Wirkstoffe zu rechnen ist, kommt neuen Produkten wie Biostimulanzien eine größere Bedeutung, auch bei der Saatgutbehandlung zu. Auch wenn sie keine direkte Wirkung auf samen- oder bodenbürtige Krankheiten besitzen, können sie durch die Verbesserung der Wurzelleistung und der Förderung der Jugendentwicklung einen wichtigen Beitrag zur Bestandesetablierung leisten.

In unseren eigenen Feldversuchen konnten wir bereits erste Erfahrungen mit Biostimulanzien sammeln. In der Grafik sind die Ertragsergebnisse verschiedener Varianten im Winterweizen an zwei Standorten dargestellt.

Am Standort Bäk konnten nach Vorfrucht Ackerbohne, auf mildem Boden, sehr guten Aussaatbedingungen und hohem Ertragsniveau keine zusätzlichen, positiven Ertragseffekte durch die Anbeizung der Biostimulanzien erreicht werden.

In Bandow, auf einem leichteren Standort nach Vorfrucht Raps und bei trockeneren Bedingungen, waren durchaus Ertragseffekte messbar. Es ist daher absolut zu empfehlen, sich in der Praxis rechtzeitig damit zu beschäftigen und eigene Erfahrungen mit den Produkten zu sammeln. Die Kenntnis zur Funktionsweise der einzelnen Produktgruppen und die Zuordnung der Produkte in diese Gruppen hilft bei der Auswahl geeigneter Produkte. Die oben stehende Tabelle gibt hierzu eine Übersicht.

Autor:

Dr. Anke Kühl

Fachberatung Pflanzenbau
BAT Agrar GmbH & Co KG

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