Mais und Stangenbohnen vereint: Gut fürs Futter und für Insekten

Landwirt Friedrich-Wilhelm Klopp und KWS-Fachberater Philip Jung stehen auf einem Feld von Mais und Stangenbohnen.

Mais- und Bohnenpflanzen gemeinsam auf dem Feld: Was in Südamerika schon seit 2000 Jahren praktiziert wird, versuchen auch hierzulande immer mehr Landwirte. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Nahrung für Bienen, bis zu zwei Prozent mehr Protein in der Silage. Doch am Ende ist es vor allem eine Frage der Bohnensorte.

Ich habe immer gedacht, dass die Maispflanze sehr stark darunter leidet, wenn ich die Bohne daruntersetze“, erzählt Friedrich-Wilhelm Klopp, Landwirt aus dem Landkreis Gifhorn. Doch seine Zweifel an einem Mischanbau haben sich als unbegründet erwiesen. Beim Durchstreifen seines dicht bewachsenen Feldes findet er vollständig gefüllte Maiskolben. Während beim reinen Maisanbau die Pflanzen wie in Reih und Glied stehen, wirkt das Mais-Bohnen-Feld von Klopp wie ein ineinander verwachsener Urwald. Auch, weil der standfeste Mais den rankenden Bohnen Halt gibt.

Klopp bewirtschaftet einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit Ferkelerzeugung und Schweinemast. Weiterhin ist er an einer Biogasanlage beteiligt. Seit diesem Jahr testet er nun, wie Mais und Stangenbohnen zusammen funktionieren. Die Idee ist aber nicht neu. Im Gegenteil: In Mittel- und Südamerika bewirtschaften Landwirte bereits seit mehr als 2000 Jahren ihre Felder auf diese Weise. Dort gedeiht seitdem der Mais „zusammen mit anderen Pflanzen wie Bohnen, Kürbis oder Andenlupinen“, erklärt der ehemalige KWS Maiszüchter Walter Schmidt. „Aber wir haben das System in einer Vielzahl von Versuchen auf den aktuellen Stand gebracht und bieten jetzt eine praxistaugliche Lösung an.“

Mit der Bohne steigt der Eiweißanteil

Auch für viele andere Landwirte liegen die Vorteile vom Mais-Bohnen-Mischanbau als Alternative zum reinen Maisanbau auf der Hand. Ein entscheidender Punkt beim Gemisch aus acht Mais- und vier Bohnenpflanzen auf einem Quadratmeter ist die höhere Eiweißkonzentration der Silage. Der Proteingehalt von reiner Maissilage liegt bei etwa sieben Prozent und kann im Mischanbau mit Stangenbohnen auf bis zu neun Prozent ansteigen. „Daher können Landwirte mitunter etwas vom vielfach importierten Sojaschrot sparen, das dem Futter zugemischt wird“, erklärt Benjamin Simon, Gebietsberater für Mais und Raps bei KWS.

Gefahr von Bodenerosion wird reduziert

Ein weiterer Vorteil: Die Stangenbohne beschattet den Boden, unterdrückt dadurch Unkraut und reduziert das Risiko der Bodenerosion. Darüber hinaus laufen bei der Saatzuchtanstalt Hohenheim zurzeit weitere Versuche zu den Eigenschaften der Bohne. Es gilt herauszufinden, ob die Fähigkeit der Bohne, den Luftstickstoff zu binden – in einem Anbausystem mit verringerter mineralischer und organischer Düngung – besonders vorteilhaft ist.

Mehr Nahrung für Bienen

Insekten profitieren enorm vom Mais-Stangenbohnen-Anbau, denn Bienen und Hummeln können ein größeres Nahrungsangebot finden, und das über einen längeren Zeitraum. Denn während der Mais nur wenige Tage blüht, blühen die Stangenbohnen später als der Mais und dann auch gleich über mehrere Wochen. Somit ist die Mischkultur ganz nebenbei ein Beitrag zu einer vielfältigeren Landwirtschaft und ein Gegenentwurf zu Monokulturen auf den Feldern.

KWS Infografik: Mischkultur von Mais und Bohnen von KWS

Trotz der vielen Punkte auf der Habenseite hat der Mischanbau auch einen kleinen Haken. Manche Bohnensorten haben einen höheren Phasin-Gehalt. Dieses Protein ist in höheren Konzentrationen schädlich für Mensch und Tier. Deshalb werden Bohnen für den menschlichen Verzehr gekocht, um das Phasin dadurch zu denaturieren und unschädlich zu machen. Welchen Einfluss es auf die Gesundheit und die Leistung der Tiere hat, dazu liegen allerdings kaum Ergebnisse vor. „Um auf der sicheren Seite zu sein, haben wir nach Sorten mit geringem Phasin-Gehalt gesucht“, erklärt Walter Schmidt, ehemaliger Maiszüchter bei KWS und heutiger Berater.

Mehr als 250 Sorten wurden am Institut für Tierernährung an der Universität in Weihenstephan getestet. Mit Erfolg: Eine geeignete Bohnensorte wurde gefunden. Sie hat einen „extrem geringen Gehalt von weniger als fünf Gramm Phasin pro Kilogramm organische Trockensubstanz“, sagt Schmidt. Entsprechende Versuche am Institut für Tierernährung in Weihenstephan haben gezeigt, dass der Verdauungssaft aus dem Kuhpansen sogar Phasin abbaut.

Mais-Stangenbohnen-Silage für Biogasanlagen kein Problem

Eine Silage aus Mais und der passenden Bohnensorte kommt also den Tieren als Futter zugute. Auch die Erzeugung von regenerativer Energie ist mit einer Mais-Stangenbohnen-Silage sehr gut möglich. Ein wichtiger Punkt für Landwirt Klopp und seine Biogasanlage. Diese kann ohne Probleme mit einer Mais-Bohnen-Silage betrieben werden.
Das Fazit von Klopp: „Die Alternative mit der Bohne und dem Mais ist gut, und es sieht so aus, als würde sich das in Zukunft bei uns etablieren.“

Weitere Infos zum Mais-Bohnen-Mischanbau
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Max Goerner
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