Schadbild - Springschwänze

Springschwänze (Collembolen) werden als wichtiges Faunenelement des Bodens angesehen. Sie sind maßgeblich an der Umsetzung organischer Substanz beteiligt – und haben damit eine wichtige Aufgabe. Trotzdem können sie im Zuckerrübenanbau Schaden verursachen.

Befall erkennen - Springschwänze

Gefährlich können Collembolen vor allem im frühen Stadium der Zuckerrübe werden. Dabei wird bereits der Keimling zerstört. Als nächstes tritt Schadfraß an den Keimblättern auf.Später findet man am Hypokotyl und an den Keimwurzeln kleine punktförmige Fraßstellen und Fraßrinnen, den so genannten Schabefraß. Der Feldaufgang ist in der Folge unregelmäßig lückig. Etwa ab dem ersten Laubblatt werden auch Seitenwurzeln von der Hauptwurzel abgetrennt.

Die Pflanzen bleiben dann üblicherweise im Wachstum zurück, oder verwelken bei starkem Befall. Bei Massenbefall an jungen Rüben kann es bei gleichzeitiger Trockenheit zu Welke- und Absterbe-Erscheinungen kommen. Die durch den Fraß hervorgerufenen Gewebeschäden schwächen die Keimlinge, die in der Folge umknicken und oft nicht mehr in der Lage sind, die Bodenoberfläche zu durchstoßen.

Die vollentwickelten Rüben-Collembolen verursachen stärkeren Fraßschaden, das heißt auch größere und tiefere Fraßstellen als die Larven. Der vom Kugelspringer verursachte Schaden wird zwar meist nicht ertragswirksam, kann aber auch ein Ausmaß erreichen, das einen Umbruch und eine Neuaussaat erforderlich macht.

Die von Collembolen verursachten Schäden sind den Springschwänzen nicht immer eindeutig zuzuordnen. Das vom Blindspringer am Hypokotyl verursachte Schadbild ist mit dem des Tausendfüßlers zu verwechseln, teils auch mit dem des durch schwachen Moosknopfkäferbefall ausgelösten.

Kugelspringer werden oft mit der Schwarzen Bohnenlaus verwechselt, unterscheiden sich aber durch ihr Sprungvermögen von dieser. Das Schadbild ähnelt den Fraßstellen des Erdflohs. Diese sind jedoch in der Regel umfangreicher.

Vorkommen des Schädlings - Springschwänze

Die vor allem in Mitteleuropa nachgewiesenen Springschwanz-Arten (lat. Onychiurus armatus) - unterschieden wird zwischen Kugelspringern, Blindspringern und Gleichringlern - befressen nach bisherigen Erkenntnissen vor allem das Hypokotyl, die Keimwurzel und die Keimblätter der Zuckerrüben.

Den typischen, von der Blattunterseite ausgehenden Lochfraß findet man vorwiegend an tiefstehenden Blättern. Oft ist bei kleinen Fraßstellen die Blattoberhaut noch erhalten. Besonders der Fraß in der aufgesprungenen Samenhülle ist für die Rüben schädlich. Blattrandfraß und Stängelfraß kommen hingegen seltener vor.

Obwohl auch die Blindspringer weltweit verbreitet sind, wurden Schäden bisher vor allem aus Mittel- und Westeuropa gemeldet. Dort traten sie zumeist an feuchten Standorten auf, an denen es zu einer frühen Aussaat gekommen war. Der Gleichringler tritt vor allem in humusreichen Böden in den oberflächennahen Schichten auf. Seine Bedeutung als Rübenschädling ist allerdings nicht eindeutig geklärt.

Zeiträume für den Befall - Springschwänze

Collembolen ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzenteilen, Bakterien, Pilzmyzelen und Pilzsporen, Algen, Ausscheidungen von Bodenbewohnern und abgestorbenen Bodentieren. Finden die Springschwänze in ihrer Umgebung davon nicht genug, werden auch lebende Pflanzen angegriffen - darunter auch Zuckerrüben. Das allein muss allerdings noch keine ernsthafte Bedrohung darstellen. Empfindlicher Schaden an den Zuckerrüben kann nur während des Keimling- und Keimblattstadiums zustandekommen.

Auslöser und Gründe für den Befall - Springschwänze

Boden/Ackerbau

Zum einen wird die gezielte und bewusste Entfernung der als Nebenwirtspflanzen dienenden Unkräuter verantwortlich gemacht. Collembolen ernähren sich in erster Linie von abgestorbenen Pflanzenteilen, stehen diese aber nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, werden auch lebende Pflanzen angegriffen. Auch die Ablage von pilliertem Monogermsaatgut auf Endabstand wird für die stark gestiegene Bedeutung der Springschwänze im Rübenbau verantwortlich gemacht. Dazu wird ein Zwischenfruchtbau mit vermehrten Collembolen-Schäden an Rüben in Verbindung gebracht. Ein günstiges Angebot an organischer Substanz, wie es zum Beispiel Stallmistgaben, eingepflügte Strohreste und der Zwischenfruchtanbau mit sich bringen, fördern die Vermehrung nachweislich. Auf Rübenfeldern, auf denen vorher Zwischenfrüchte angebaut wurden oder andere organische Substanz in größerer Menge in den Boden gelangt ist, besteht somit erhöhte Gefahr von Collembolen-Schäden, sofern die im Boden vorhandene Nahrung im Frühjahr für die Springschwänze nicht mehr ausreicht.

Wetter

Der Springschwanz ist allerdings ein echter Überlebenskünstler: Bei ausreichender Feuchtigkeit und einer Temperatur von 15 °C kommen 90 Prozent der Collembolen zwei Monate lang ohne Nahrung aus. Bei höheren Temperaturen wird es für sie allerdings unangenehm. Bei 35 bis 40 °C tritt die Wärmestarre ein, noch höhere Temperaturen sind tödlich. Bei Trockenheit wandern die Tiere in tiefere Bodenschichten ab.

Maßnahmen gegen den Befall – Springschwänze

Boden/Ackerbau

Die Collembolen verschonen die Zuckerrüben, wenn ausreichend alternative Nahrung zur Verfügung steht. Der Befallsdruck kann vor allem durch im Keimblattstadium befindliche Unkräuter erheblich gemindert werden. Mit der chemischen Unkrautbekämpfung sollte deshalb bis nach dem Auflaufen gewartet werden. Vor den Vor- und Zwischenfrüchten sollte nicht zu viel organische Substanz eingepflügt werden und der Aussaatzeitpunkt nicht zu früh liegen. Nach anderen Angaben führt aber nur frühzeitiges Einbringen vom Stroh zwischen Juli und September zu einer Förderung der Collembolen.

Auch ein zu lockeres Saatbett erleichtert den Collembolen die Vermehrung und ist deshalb zu vermeiden. Um einen raschen Auflauf sicher zu stellen, wird vor allem an kalten, feuchten Standorten zur frühzeitigen Aussaat geraten. Dazu senken mechanische Unkrautbekämpfung mit einem Restunkrautbesatz und Mulchsaat den Befallsdruck.

Chemische Maßnahmen

Die Anwendung von Granulaten auf Carbofuran- oder Imidacloprid-Basis beziehungsweise die Aussaat mit diesen Mitteln behandelter „Pillen" ist nicht zugelassen.

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