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Wassereffizienz in der Landwirtschaft

Möglichkeiten und Perspektiven

Autorin Katharina Behne, Ferdinand-von-Lochow-Stipendiatin der KWS

18.08.2021

Seit einigen Jahren beschäftigt ein Thema den Pflanzenbau zunehmend: Trockenheit. Die Folge sind sinkende Erträge teilweise geringerer Qualität. Es gibt bereits verschiedene Ansätze in der Praxis, die Wassereffizienz zu steigern, aber wo liegen dabei die Chancen und Probleme? Und wie stehen die Landwirte und Landwirtinnen dazu? Dies herauszufinden war das Ziel des Projektes der Ferdinand-von-Lochow-Stipendiatin Katharina Behne. Als Grundlage diente eine anonyme Umfrage in Deutschland und dem Vereinigten Königreich, an der in Summe über 400 Personen teilnahmen, sowie Experteninterviews und Literaturrecherche. Im Artikel erfahren Sie mehr über die Umfrage-Ergebnisse aus Deutschland.

Klimatische Veränderungen

Mit durchschnittlich geringeren Niederschlägen bei höheren Temperaturen ist das Jahr 2018 als Extremjahr im Gedächtnis geblieben. Der Deutsche Wetterdienst stellt jährlich meteorologische Daten zur Verfügung, darunter auch die klimatische Wasserbilanz, definiert als „Niederschlag abzüglich Verdunstung“. Wird der Referenzzeitraum 1961 – 1990 mit dem Jahr 2018 in Bezug auf die Wasserbilanz verglichen, ist der Unterschied schnell sichtbar. Insbesondere der Nord-Osten erscheint in der grafischen Darstellung nicht mehr blassrot oder gelb, sondern dunkelrot, die Wasserbilanz liegt in Bereichen von ≤ -200 mm. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Skala zur Bewertung der Wasserbilanz sogar in den negativen Bereich erweitert wurde – das „Dunkelrot“ des Jahres 2018 gab es vor 30 Jahren also noch gar nicht. Obgleich 2018 als Ausnahmejahr heraussticht, sind sich Meteorologen einig, dass durch den Klimawandel zunehmend mit solchen Wetterextremen zu rechnen ist.

Wirtschaftliche Bedeutung

An der Umfrage nahmen in Deutschland 169 Personen teil, davon befinden sich 35 % noch in der Ausbildung und 20 % gaben an, Betriebsleiter/-in zu sein. Passend zu der Teilnehmerstruktur in Deutschland zeigt sich, dass der Großteil der Teilnehmer jünger als 35 Jahre ist. Knapp die Hälfte der Teilnehmer/-innen befindet sich in einer Region mit im Schnitt 30 - 50 Bodenpunkten und 40 % geben an, auf einem Betrieb mit mehr als 200 ha Betriebsgröße zu arbeiten.

Eindrücklich zeigt sich die wirtschaftliche Bedeutung der klimatischen Entwicklung bei der Frage nach bisherigen Ertragsausfällen durch Trockenheit. 19 % der Teilnehmer/-innen geben an, dass bisherige monetäre Ertragsausfälle bei über 20 % liegen, der Großteil schätzt die Verluste zwischen 5 und 20 %.

Möglichkeiten der Landwirte und Landwirtinnen

Die Teilnehmer/-innen wurden gefragt, welcher Kulturart sie die höchste Trockenheitstoleranz zuordnen würden. Roggen und Mais wurden hier mit Abstand am meisten gewählt, während sich nur 7 % der Teilnehmer/-innen für die noch relativ wenig etablierte, aber trockenheitstolerante Art Sorghum entschieden.

Dass verschiedene Kulturen das verfügbare Wasser unterschiedlich gut nutzen, lässt sich zum Beispiel mit dem Transpirationskoeffizienten beschreiben, der die gebildete Trockenmasse in kg pro Liter Wasser angiebt. Demnach ist schon die Artenwahl als Teil der Fruchtfolgegestaltung eine der möglichen Maßnahmen, die Wassereffizienz zu steigern. Dieser Bereich wird von den Teilnehmern/Teilnehmerinnen der Umfrage nach der Bodenbearbeitung als zweitwichtigste Maßnahme, die generelle Wasserversorgung zu verbessern, bewertet. Obgleich eine reduzierte Bodenbearbeitung zum Beispiel durch eine Verbesserung der Bodenstruktur das Wasserhaltevermögen des Bodens steigert, hat diese Form der Bodenbearbeitung auch Nachteile. Knapp 40 % der Teilnehmer/-innen sehen die Unkrautproblematik hier als am gravierendsten. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Beschränkungen im Herbizideinsatz ist dieser Punkt nicht zu vernachlässigen. Die Bewässerung wird als drittbeste Möglichkeit für bessere Wasserversorgung eingestuft. Ihr Einsatz wird den Ergebnissen der Umfrage zufolge hauptsächlich durch Kosten sowie Wasserkontingente begrenzt, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass Kulturen mit hohen Deckungsbeiträgen als am beregnungswürdigsten eingestuft werden. Pflanzenhilfsstoffe sowie der Bereich der Düngung werden nur jeweils zu 2 % als vielversprechende Maßnahme zur Sicherung der Wasserversorgung gewählt.

Zukunft kritisch

Nachdem anfangs nach der bisherigen ökonomischen Bedeutung von Trockenheit gefragt wurde, wurden die Teilnehmer/-innen am Ende der Umfrage nach ihrer Einschätzung bezüglich der zukünftigen Entwicklung gefragt. Hierbei sieht weniger als 1 % der Teilnehmer/-innen die Zukunft der Landwirtschaft in Bezug auf die Wasserverfügbarkeit als „problemlos“. Knapp 60 % hingegen schätzen sie als „sehr kritisch“ ein.

«Wasser» ist noch bedrohlicher als alles in Bezug auf Pflanzenschutzmittel-Wegfälle oder Nährstoff-Beschränkungen.
Zitat aus einem persönlichen Gespräch

Ökonomie, Ökologie oder Wassersparen?

Die verschiedenen Ansätze, die Wassereffizienz im Pflanzenbau zu verbessern, wurden analysiert und bewertet. Bewertungskategorien waren dabei Ökonomie, Ökologie sowie das „Wassersparpotential“. Dabei kam heraus, dass die Sortenwahl und Düngung ökonomisch betrachtet das größte Potential besitzen. Die Erklärung dafür ist einfach: Beides sind Maßnahmen, die von jedem/jeder Landwirt/-in jedes Jahr getroffen werden.
Eine Entscheidung in diesen Bereichen bedeutet keinen oder nur wenig finanziellen Mehraufwand, kann aber unter Umständen Vorteile auf anderen Gebieten mit sich bringen. Vom ökologischen Standpunkt aus sind die Artenwahl, Zwischenfrüchte und Untersaaten am besten zu bewerten. Alle haben positiven Einfluss auf die Biodiversität und das Landschaftsbild, Zwischenfrüchte stellen zusätzlich ein Habitat für die Fauna der direkten Umgebung dar.
Im Gegensatz zum Bereich der Ökonomie führt die Sortenwahl nicht zu einem ökologischen Vorteil, denn innerhalb einer Art hat die Sorte keinen allzu großen Einfluss auf die Umweltwirkung. Wie auch die Teilnehmer/-innen der Umfrage angeben, steckt größtes „Wassersparpotenzial“ im Bereich der Bodenbearbeitung und Artenwahl. Die Beregnung musste von einem anderen Blickwinkel aus bewertet werden, da sie im Gegensatz zu den anderen Ansätzen keine präventive, sondern eine kurative Maßnahme darstellt. Ökonomisch ist Beregnung herausfordernd und bringt wenig ökologischen Nutzen. Durch Anpassung der Technik und Beregnungsplanung lässt sich die Effizienz der Beregnung aber enorm steigern, das „Wassersparpotenzial“ ist hoch.

Wassereffizienz Umfrage-Ergebnisse

Fazit

Landwirte und Landwirtinnen sehen der Zukunft unsicher entgegen. Dies verdeutlichen nicht nur die Ergebnisse der Frage nach der Einschätzung der Zukunft, sondern auch die vielen Freitext-Antworten am Ende der Umfrage. Eine allumfassende Empfehlung für Maßnahmen gegen die Auswirkungen von Trockenheit kann aber nicht gegeben werden, zu groß sind die Wechselwirkungen untereinander sowie der Einfluss individueller Gegebenheiten. Schon der Blick auf die grafische Darstellung der Wasserbilanz zeigt die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands. Die Zukunft wird in individuellen, standortangepassten Kombinations-Lösungen liegen, bei denen sich die verschiedenen Maßnahmen in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Wassersparpotential gegenseitig ergänzen. Trotz erschwerender klimatischer Bedingungen sind Experten jedoch optimistisch: „Landwirte und Landwirtinnen wissen, wie man sich anpasst. Das haben sie schon öfter gemacht und das werden sie wieder tun.“

Autorin:

Katharina Behne (23 Jahre)

Bachelorstudium Landwirtschaft im 6. Semester an der Hochschule Osnabrück

"Mein Ziel ist, den verpachteten Familienbetrieb nach dem Studium wieder selbst zu bewirtschaften."

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