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Weniger Bruchkorn – die beste Einstellung finden

Getreideernte

von Dr. Andrea Feiffer

Kurzinfo

Getreideernte - weniger Bruchkorn

Juni 2016

Brennpunkt Kornqualität
Bruchkorn, als ein wesentliches Merkmal der Qualität, rückt immer mehr ins Visier nicht nur bei der Gemeinschaftsarbeit zwischen Landwirt und Lohnunternehmer. Bruchkorn verringert die Keimfähigkeit, das Hektolitergewicht, beeinflusst im Lager die Fallzahl, fördert die Krankheitsbildung und die Ausbreitung von Pilzen. Die Abzüge sind empfindlich für den Landwirt, kein Wunder also, dass immer stärker auf die Qualität geschaut werden muss.

Bruchkorn stärker im Visier

Die Bruchkorngefahr hat im Laufe der Jahrzehnte sehr stark zugenommen. Woran liegt das?


Bruchkornanteil steigt
Höherer Ertrag – größere Körner
Weniger Spelzensorten
Kurzes Stroh
Mehrtrommeldreschwerke

Die Sorten werden immer ertragreicher, die Körner größer und der Spelzenanteil geringer. Somit bieten die Körner den Abscheide- und Förderorganen mehr Angriffsfläche. Die Sorten werden im Stroh kürzer bzw. kurzgespritzt und das schützende Strohpolster wird geringer. Gleichzeitig üben die neuen Dreschwerkskonzepte mit Mehrtrommeldreschwerken eine immer größere mechanische Belastung aus.

Wie und wo entsteht Bruchkorn?

Bei Automatisierungsversuchen in den frühen 70erJahren baute FEIFFER, P. ein „Gläsernes Dreschwerk“. Ein herkömmliches Dreschwerk wurde in einen Glaskasten gesetzt, mit Kaltlichtlampen ausgeleuchtet und mit Überzeitlupenkameras der Druschprozess im Inneren gefilmt. Man stellte fest, dass die An- und Abprallvorgänge des Korns an den Schlagleisten die entscheidende Ursache von Bruchkorn sind. Das Korn wird von der Schlagleiste beschleunigt und erreicht etwa 100 km/h. Prallt das elastische Korn von der Korbleiste mit etwa 80 km/h zurück und wird erneut von der Schlagleiste getroffen, so zersplittert es.

Ungesehene Verluste

Zerbrechen Körner im Dreschwerk oder an Förderorganen, wie Ketten und Schnecken, so entsteht neben den großen Bruchstücken, auch das sogenannte Spalt- und Splitterkorn. Während die großen Bruchstücke im Bunker ankommen, werden die Kleinkornanteile über die Reinigung ins Schwad befördert und gehen verloren. Dieser Anteil wird nicht als Verlust wahrgenommen, weil er nicht keimt und keinen "Grünstreifen" bildet. Gerade die ungesehenen Verluste machen Bruchkorn so gefährlich, denn bei 3 % Bruchkorn im Bunker liegen schon 1 - 2 % Verlust im Schwad.

Keimfähigkeit erhalten

Ein enger Zusammenhang besteht auch zwischen dem Bruchkornanteil und der Keimfähigkeit. Generell nimmt die Empfindlichkeit gegenüber mechanischem Einfluss von Gerste über Weizen und Roggen zur Triticale hin zu. Wird nun noch die mechanische Beanspruchung erhöht, z. B. durch zu scharfen Drusch, kann die Keimfähigkeit bis zu 70 % verlieren. Gerade Saatguterzeuger von Roggen oder Triticale wissen, wie schnell die Ware wegen fehlender Keimfähigkeit abgewiesen werden kann.

MechanischeBeanspruchung/Druschschärfe Keimfähigkeit in %
Gerste Weizen Triticale Roggen
0 89 92 92 83
1 88,5 87 89 73
2 87 82 81 69
3 86 79 73 49
4 84 77 53 30

Quelle: KWS LOCHOW GMBH

Sorten und Erntetermin beachten

Die Bruchkornanfälligkeit ist eine sortentypische Eigenschaft. Es gibt Weizensorten, die müssen mit "Glaceehandschuhen" angefasst/gedroschen werden, andere Sorten sind dagegen unempfindlicher. Beerntet man die empfindlichen Sorten nicht im optimalen Erntefenster, sondern etwas später, kann sich die Bruchanfälligkeit nochmals deutlich erhöhen. Diese Sorten dürfen nicht aus dem optimalen Erntefenster fallen. Das kostet hohe Verluste und Qualität. Auch innerhalb eines Erntetages schwankt die Bruchkorngefahr. Sie steigt mit zunehmender Abtrocknung des Korns. Dies ist nicht neu und die Landwirte wissen das. Aber auch die Mähdrescherfahrer müssen das beachten und in diesen Stunden bewusst schonender dreschen und bewusst schneller fahren, um mehr Stroh als Polster in das Dreschwerk zu fördern.

Das Strohpolster schützt das Korn

Landwirte und Lohnunternehmer wissen, dass der Bruchkornanteil sinkt, je schneller man mit dem Mähdrescher fährt. Das zunehmende Strohpolster schützt das Korn vor den An- und Abprallvorgängen im Dreschwerk. Eine höhere Fahrgeschwindigkeit kollidiert jedoch oft mit dem Wunsch des Landwirts nach geringsten Schüttler-/Rotor- und Reinigungsverlusten. Hier muss man umdenken, denn Schüttler-/Rotor- und Reinigungsverluste unter 1 % sind insgesamt unökonomisch. Landwirt, wie auch Lohnunternehmer, kommen nicht auf Leistung und Fläche und der Landwirt hat das, was er an Verlusten eingespart wähnt, in Form von Bruchkorn sowie Spalt- und Splitterkorn oft mehrfach daneben gelegt. Erhöht man bei einem Schüttlermähdrescher den Verlustwert von 0,5 % auf beispielsweise 1 %, hat man diese Zugabe in Form der geringeren Bruch-, Spalt- und Splitterkornverluste wieder wettgemacht.

Es ist sozusagen ein Verlusttausch von gesehenen zuungesehenen Verlusten. Unterm Strich bleibt als Vorteil die höhere Leistung und die bessere Kornqualität.

Druschverlust <-> Bruchkorn    
Fahrgeschwindigkeit 4 km/h 6 km/h
Schüttler- und Reinigungsverluste 0,5 % 1 %
Bruchkorn 3 % 2 %
Spalt- und Splitterkorn 2 % 1 %
Verluste Gesamt 5,5 % 4 %

Druschkonzept entscheidet

Saatguterzeuger bevorzugen für die Beerntung ihrer Saatgutpartien gern einen Axialmähdrescher. Bei diesem Druschkonzept sind die Anforderungen an Erntetermin, Tageszeit und optimaler Dreschwerkseinstellung nicht ganz so anspruchsvoll – Dieses Druschkonzept ist fehlertoleranter. Axialmähdrescher lösen mit einem bzw. zwei Rotoren die Körner nicht schlagend sondern eher reibend aus der Ähre. Das Druschgut wird schraubenförmig durch den Rotor gedreht und es erfolgt ein konsequenter und zugleich schonender Ausdrusch bei guter Entgrannung und Entspelzung.

Schüttler- bzw. Hybridmähdrescher sind aggressiver zum Korn. Das liegt in der Natur der Sache bei Tangentialdreschwerken mit mehreren Trommeln.

Die Einstellung macht’s

Mit einer optimierten Einstellung kann man den Bruchkornanteil in fast jeder Situation beherrschen, egal in welcher Sorte, unter welchen Bestandesbedingungen und mit welchem Mähdreschertyp.

Mähdrescherfahrer müssen gerade bei Schüttlermähdreschern noch genauer auf die Einstellung achten. Insbesondere die Dreschtrommeldrehzahl spielt hierbei die größte Rolle. Sie hat einen etwa dreimal so großen Einfluss auf den Bruchkornanteil wie der Korb. Trotzdem agieren die meisten Mähdrescherfahrer eher mit dem Korb als mit der Trommel. Bei hohem Bruchkornanteil ist jedoch zuerst die Dreschtrommeldrehzahl zu reduzieren und dann erst der Korb zu erweitern.

Was tun bei zu hohem Bruchkornanteil?

Generell ist ein weiterer Korb positiv zu sehen – gegenüber dem Richtwert der Grundeinstellung können das durchaus 2 - 8 mm mehr sein. Bei schwer druschfähigen Sorten, wie manche Triticale, wird dagegen die notwendige Druschschärfe lieber mit dem engeren Korb erzeugt als mit höheren Trommeldrehzahlen. Die Fahrgeschwindigkeit und Einstellung folgt dabei dem Tagesverlauf der Abtrocknung und insgesamt der Abreife, wobei die Bruchkorngefahr deutlich zunimmt.

Bei empfindlichen Sorten und Saatgutpartien wird die Überkehr so wenig wie möglich genutzt. Ein doppelter Rundlauf des Korns erhöht die Bruchkorngefahr deutlich – insbesondere, wenn die Körner zur Dreschtrommel zurückgeführt werden. Die Untersiebe sind weiter zu öffnen und die Gebläseaktivität zu verstärken. Auch bei der Reinigung ist man oft zu zaghaft – ein Zuschlag von 20 % gegenüber dem gewohnten Wert ist meist von Vorteil. Die Einstell-App "feiffer combine" zeigt nicht nur die optimale Einstellung des Mähdreschers für jeden speziellen Erntefall, sondern gibt auch Einstellhinweise bei allen Druschverlusten.

Und natürlich soll eine Saatgutpartie nicht mit brandneuen Schlagleisten beerntet werden – in 100 ha müssen sie "eingelaufen" sein. Ebenso sind schlagende Förderketten ein Faktor für erhöhten Bruchkornanteil.

App "feiffer combine" zur optimalen Mähdreschereinstellung und Verlustabhilfe

App "feiffer combine" zur optimalen Mähdreschereinstellung und Verlustabhilfe

Bald Gummidreschwerke?

Die steigende Nachfrage nach Axialtechnik liegt zum Teil auch in der Kornschonung begründet. Das Ziel sauber und kornschonend zu dreschen ist nicht neu. Schon in den 70er Jahren gab es im Osten Deutschlands ein "Gummidreschwerk". Die Schlag- und Korbleisten wurden durch Hartgummielemente ersetzt.

Was heute keiner mehr weiß: Das Dreschwerk hielt eine Saison (damals ca. 150 ha) und arbeitete durch die Vibration mit sehr hohen Abscheideleistungen und fast Null Prozent Bruchkorn. Aber nach einer Saisonwaren die Leisten verschlissen und weil man das Material mit Devisen im Westen erkaufen musste, weil man die Mischung nicht selbst zustande brachte, fiel das Projekt wieder in die Versenkung. Aber manchmal erleben ja Ideen, die ihrer Zeit voraus waren, eine Renaissance.

Gummidreschwerk

Gummidreschwerk

Autor:

Dr. Andrea Feiffer
feiffer-consult
beratung@feiffer-consult.de

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Dr. Malte Finck
Dr. Malte Finck
Leiter Marketing Getreide Deutschland
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