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Zwerg-Hybridroggen statt Weizen?

Anbau mit weniger Risiko und stabilerem Ertrag

BlickPunkt, Sommer 2025

Zwerg-Hybridroggen ist ein neues Roggensegment. Welche Vorteile diese Zwerg-Hybriden neben ihrer ausgeprägten Standfestigkeit bieten und warum sich ihr Anbau lohnt, erklärt Tim Rother, Produktmanager für Hybridroggen.

Häufigere Extremwetterlagen mit Starkregen und Stürmen rücken das Merkmal Standfestigkeit bei Getreide und damit auch bei Roggen zunehmend in den Mittelpunkt. Obwohl Hybridroggen im Vergleich zu Populationsroggen schon deutlich kürzer ist, zählt der Einsatz von Wachstumsreglern oft zum Standard. Allerdings erfordern diese Maßnahmen im Getreide viel Fingerspitzengefühl, denn der zusätzliche Pflanzenstress kann auch Mindererträge zur Folge haben. Mit standfesten Zwerg-Hybriden gelingt es, auf Wachstumsregler zu verzichten und den Roggenanbau insgesamt noch nachhaltiger zu machen.

Die kurze Wuchshöhe beim Weizen ist auch heute noch eine Voraussetzung für Höchsterträge. Im Roggen wurde durch Kreuzung ein Kurzstrohgen in die KWS Hochleistungsgenetik eingezüchtet. Das Kurzstrohgen vermindert die Zellstreckung und sorgt so für einen Zwergwuchs. Wie damals im Weizen revolutionär, besitzen die neuen Zwerg-Hybridroggen dadurch eine außerordentlich hohe Standfestigkeit – auch unter schwierigen, unberechenbaren Umweltbedingungen, guten Böden und bei Höchsterträgen. Dabei kommen sie komplett ohne chemischen Wachstumsregler aus.

Durch die verringerte Spross-Biomasse haben sie einen ähnlichen Harvest-Index wie Weizen. Der gleichmäßige Wuchstyp und das verringerte Strohaufkommen sorgen weiterhin für bessere Ernte- und Nacherntebedingungen.

Der Weg zum Zwerg-Hybridroggen

1881

Start der Roggenzüchtung in Petkus unter Ferdinand v. Lochow III.

1891

erste Sorte: "F.v. Lochow’s Petkuser Winterroggen"

1938

erste Kurzstrohsorte: "F.v. Lochow’s Kurzstrohroggen"

1970

Beginn der Hybridzüchtung im Roggen (Geiger & Schnell)

1972

Entdeckung und Beschreibung des dominanten Kurzstrohgens "Ddw1" durch Kobylianski

2025

EU Zulassung des ersten KWS Zwerg-Hybridroggens

„Züchterisch wünschenswert ist eine Verbesserung der Standfestigkeit, sodass auf chemische Wachstumsregulatoren verzichtet werden kann und, insbesondere an hochproduktiven Standorten, das volle Potenzial des Hybridroggens ausgeschöpft wird.“

Jakob Eifler, Hybridroggen Züchter

Das Thema Standfestigkeit spielt im Roggen seit Anbeginn der Züchtung eine große Rolle. Die Entdeckung des Kurzstrohgens und dessen erfolgreiche Nutzbarmachung in der Hybridzüchtung trägt zu einer wesentlichen Verbesserung bei und stellt die Grundlage für weiteren, züchterischen Ertragszuwachs dar.

Standfestigkeit und Stickstoffeffizienz

In einem Feldversuch mit differenzierten Stickstoffapplikationen – von keiner Düngung bis hin zu einem stark überhöhten Angebot von 340 kg N/ha inkl. Nmin – wurde gezielt versucht, Lager im Zwerg-Hybridroggen zu provozieren. Trotz dieses extrem hohen Stickstoffangebots konnte in keiner der Varianten Lagerbildung bonitiert werden (Abb. 1). Dieses Ergebnis unterstreicht eindrucksvoll die herausragende Standfestigkeit, die durch das Zwerg-Gen im Hybridroggen erzielt wird. Darüber hinaus zeigt der Versuch die bemerkenswerte Stickstoffeffizienz von Hybridroggen: Der maximale Kornertrag wurde bereits bei einer Stickstoffgabe von 140 kg N/ha erreicht – also deutlich unterhalb des allgemein angenommenen Bedarfswertes von 170 kg N/ha. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass durch die genetische Wachstumsregulation nicht nur die Standfestigkeit signifikant verbessert wurde, sondern gleichzeitig das hohe Ertragspotenzial und die Effizienz in der Stickstoffnutzung erhalten bleiben.

Einfluss der genetischen Halmlängenverkürzung auf das Wurzelwachstum

Die Frage, ob eine genetisch bedingte Verkürzung des Halms auch mit einer Einschränkung des Wurzelwachstums einhergeht, wird häufig gestellt. Daher wurde im Rahmen mehrerer Versuche untersucht, ob das Kurzstrohgen im Hybridroggen Auswirkungen auf das Wurzelsystem hat (Abb. 2 und Abb. 3). In den durchgeführten Studien wurden sowohl die Wurzeltiefe als auch die Wurzelbiomasse von Zwerg-Hybridroggen im Vergleich zu normalem Hybridroggen erfasst und ausgewertet. In keinem der Versuche konnte ein signifikanter negativer Einfluss des Kurzstrohgens auf die Wurzelentwicklung festgestellt werden. Diese Ergebnisse belegen, dass die genetische Halmlängenverkürzung beim Zwerg-Hybridroggen nicht zulasten des Wurzelsystems geht. Die für Hybridroggen charakteristische hohe Effizienz in der Wasser- und Nährstoffaufnahme bleibt somit auch bei zwergwüchsigen Genotypen vollständig erhalten.

Strohertrag und agronomische Vorteile

Hybridroggen zeichnet sich aufgrund seines Wuchses typischerweise durch eine höhere Strohleistung im Vergleich zu anderen Getreidearten wie Weizen oder Gerste aus. Vor dem Hintergrund der genetischen Halmlängenverkürzung stellt sich die Frage, inwieweit sich diese Eigenschaft beim Zwerg-Hybridroggen verändert.

In einem Feldversuch wurde der Strohertrag von Zwerg-Hybridroggen mit dem von Populationsroggen sowie dem konventionellen Hybridroggen KWS TAYO verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Zwerg-Hybridroggen im Mittel etwa 25 % weniger Strohertrag im Vergleich zu Populationssorten und rund 18 % weniger im Vergleich zu KWS TAYO aufweist.

Diese Reduktion bringt mehrere agronomische Vorteile mit sich: Zum einen wird die Ernte durch das geringere Strohvolumen erleichtert, was sich in einem reduzierten Dieselverbrauch und einer geringeren mechanischen Belastung der Erntetechnik niederschlägt. Zum anderen führt der geringere Strohanfall zu einem niedrigeren C/N-Verhältnis der Ernterückstände, was sich positiv auf die Nährstoffverfügbarkeit und die Entwicklung nachfolgender Kulturen – insbesondere von Raps – auswirken kann.

Fazit

Zwerg-Hybridroggen zeichnet sich aus durch:

  • sehr hohe Standfestigkeit
  • kein Wachstumsreglereinsatz erforderlich
  • hohen Harvest-Index (Korn zu Biomasseverhältnis)
  • hohe Trockenstresstoleranz
  • gleichmäßigen Bestand, dadurch leichter Drusch und niedriger Dieselverbrauch
  • hohe Stickstoff- und Wassernutzungseffizienz, dadurch sehr gute CO2-Bilanz
  • sehr gesunde Fruchtart, dadurch geringer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • hohes Ertragspotenzial

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Ihr Ansprechpartner

Tim Philipp Rother
Tim Philipp Rother
Produktmanager Hybridroggen / Zwischenfrüchte
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