China: Wie Pflanzenzüchtung die Maisernte revolutioniert

Landwirt Zhanwu Wang steht mit einem KWS-Saatgutberater auf einem Maisfeld.

Hohe Anbaudichte, Standfestigkeit bei schwierigem Klima und kleinere Maiskolben: Pflanzenzüchtung und die gezielte Nutzung von Saatgut bringen chinesischen Bauern eine ertragreichere Ernte und ermöglichen den steigenden Einsatz von Maschinen. Damit endet für viele die mühevolle Arbeit auf dem Feld.

Der Strohhut wirft einen dunklen Schatten ins Gesicht von Zhanwu Wang, die Sonne scheint ihm in den Rücken. Der Landwirt steht auf seinem Feld nahe Gongzhuling, einer Stadt im Nordosten Chinas, die in der Fläche fünfmal so groß wie Hamburg ist, doch nur halb so viele Einwohner hat. Zhanwu Wang erinnert sich: „Die körperliche Arbeit war zu viel.“ Nur einen Hektar konnte seine Familie damals bewirtschaften, als er noch ein Kind war. Es sei nicht einfach gewesen, mehr Fläche zu bearbeiten. Es fehlte an Maschinen und dem geeigneten Saatgut. „Alles wurde mit der Hand erledigt“, sagt Zhanwu Wang. Heute ist er vierzig Jahre alt und die Zeiten haben sich geändert. Der Maisanbau hat sich geändert. Gezielte Pflanzenzüchtung hat die Landwirtschaft ertragreicher und die Ernte durch Maschinen möglich und damit erheblich einfacher gemacht.

Die anstrengende Ernte ist vorbei

Heute steht der Vater von zwei Kindern neben seinen hochgewachsenen Pflanzen, die ihn bei Weitem überragen. Für den Bauern sei seine Heimat im Nordosten der Volksrepublik ein guter Ort für den Anbau von Mais. Auch hier wird das Getreide mittlerweile zum größten Teil mit Maschinen ausgebracht und vom Feld eingeholt. In entlegenen Regionen wird durchaus noch per Hand geerntet, doch die Mechanisierung sei in vollem Gange, sagt Zhanwu Wang zufrieden. „Vor 2007 lag der Anteil der maschinell bestellten Anbauflächen noch bei sieben Prozent – heute bei 75 Prozent“, berichtet Changzheng Zhang, Leiter der Produktentwicklung KWS China. Der Mann in kariertem Hemd weiß nur zu gut, was in den vergangenen Jahren in der Volksrepublik passiert ist. Er war einer der ersten Angestellten der KWS und maßgeblich beteiligt beim Aufbau der dortigen Produktentwicklung, von deren Arbeit Landwirte wie Zhanwu Wang nun profitieren.

„Es ist leicht geworden, Saat auf zehn bis zwanzig Hektar am Tag auszubringen und mehr als zehn Hektar täglich abzuernten“, sagt der Bauer. Diese neue Effizienz durch Züchtung erleichtert seinen Arbeitsalltag und bringt ihm mehr Zeit für andere Aufgaben in seinem Betrieb. Schon seine Eltern waren Landwirte, doch ihre Zeit war bei Weitem beschwerlicher, schließlich mussten sie noch jeden Maiskolben mit der Hand ernten. Das sei nun zum Glück vorbei, sagt er. Das anstrengende Abschlagen in gebückter Haltung, das mühevolle Schleppen und Aufreihen der Maispflanzen am Rand des Feldes, bei dem alle mitanpacken mussten, ist aber noch lange nicht vergessen.

Der meiste Mais fürs Futter

Heute ziehen Häcksler und Mähdrescher von Hektar zu Hektar durch die akkurat gesetzten Pflanzenreihen, die mancherorts bis zum Horizont zu reichen scheinen, und fahren die Ernte ein. Der Anteil von Körnermais macht dabei nur einen geringen einstelligen Prozentsatz der Gesamtmaisproduktion in China aus. Auch wenn der Teil noch recht klein ist, haben „fast ausschließlich die frühen Hybridsorten von KWS, die in Xinjiang und Heilongjiang in Nordchina vertrieben werden, dazu beigetragen“, sagt Changzheng Zhang.

Mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern und stetig besser werdenden Lebensumständen steigt die Nachfrage nach Fleisch und damit auch nach Mais. „Denn der Großteil der Maiskörner wird an das Vieh verfüttert“, sagt Hong Zhang, General Manager KWS China. Der Mais werde zudem in der Lebensmittelindustrie genutzt oder zu Bioethanol verarbeitet.

Klima stellt Züchter vor schwierige Aufgabe

Damit die Maisernte überhaupt ein Erfolg wird, braucht es eine auf das Klima abgestimmte Sorte. Gerade in China ist das eine Herausforderung für Pflanzenzüchter und Landwirte, denn im Reich der Mitte gibt es Klimazonen in jeder erdenklichen Art: vom gemäßigten Norden bis wüstenähnlich und subtropisch im südlicheren Teil. Für die Arbeit hat sich KWS mit dem chinesischen Saatgutspezialisten Kenfeng in einem Joint Venture zusammengeschlossen. Gemeinsam arbeitet man sich vom gemäßigteren Norden mit frühen Reifegruppen in südlichere Regionen mit späteren Reifegruppen vor.

Welche Hürden abseits des Wetters und der Bodenbeschaffenheit noch auf die Landwirte warten, weiß Landwirt Zhanwu Wang zu berichten: Die größten Feinde des Maises in seiner Region seien ein Blattpilz und der zerstörerische Maiszünsler – ein Schmetterling, der dem Mais stark zusetzt. Letzterer sei eine regelrechte Pest, sagt Zhanwu Wang. „Das Klima mit einem sehr trockenen Frühling und einem sehr windigen Herbst begünstigt die Ausbreitung von derartigen Schädlingen.“

Standhafte Pflanzen, kleinere Kolben

Die Sorten von KWS seien resistent gegen die meisten Krankheiten und die Qualität sei wirklich gut. Weitere Vorteile der Pflanzen liegen auf der Hand: Sie sind nicht nur standhafter, auch die Kolben haben eine andere Größe, wie Hong Zhang erklärt. „Sie sind kleiner als die Hybridsorten von den lokalen Anbietern“, wodurch sie mit der Maschine einfacher zu ernten sind und anschließend schneller trocknen. Das habe den Vorteil, dass weniger schimmeln. All das macht den Bauern in China das Leben leichter. „Das Pflanzen und die Ernte mit Maschinen nimmt den Landwirten viel Arbeit ab, garantiert eine stabile Leistung und hebt die Qualität des Maises.“

Ein Feldhaecksler fährt in der Dämmerung durch ein Maisfeld.

Durch die maschinelle Ernte ist es leicht geworden, Saat auf zehn bis zwanzig Hektar am Tag auszubringen und mehr als zehn Hektar täglich abzuernten.

Von einer geringen zu einer hohen Anbaudichte

KWS unterstützt die Landwirte mit Sorten, die auch in Gebieten wachsen, in denen ursprünglich kein Mais gedieh. „Damit bieten wir Bauern eine gute Möglichkeit für den Maisanbau, der profitabler als der Anbau von Sojabohnen ist“, sagt Changzheng Zhang. Auch in Xinjiang, einer Region im Nordwesten der Volksrepublik, ist der Fortschritt zu spüren. Die Hybridsorten dort hätten die Art und Weise der Landwirtschaft in der Region komplett verändert, sagt er, von einer ursprünglich niedrigen Anbaudichte zu einer sehr hohen. „Natürlich hoffen wir, dass es für die Bauern in Zukunft noch mehr neue Möglichkeiten zum Maisanbau in mehr Gebieten des Landes geben wird“, sagt Changzheng Zhang.

„Weniger Arbeitskraft, mehr Maschinen“

Wie sich der Maisanbau in Zukunft entwickeln wird? „Weniger Arbeitskraft auf dem Feld, mehr Maschinen, bessere Qualitätskontrollen, mehr Silomais“, sagt Hong Zhang. So sei es in den USA und so werde es mehr und mehr in China werden. China steht mit zuletzt rund 257 Millionen Tonnen Mais jährlich auf dem zweiten Platz der Maisproduzenten weltweit – nach den Vereinigten Staaten.

Weniger Bauern mit mehr Land

Seit der Reformpolitik Chinas vor einigen Jahren hat sich auch die Landwirtschaft verändert. Vor der Öffnung dem Westen gegenüber waren noch rund achtzig Prozent der Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, mittlerweile seien es nur noch vierzig Prozent, sagt Changzheng Zhang. „Das zeigt, dass sich der Prozess der Urbanisierung beschleunigt und der Bevölkerungsanteil im ländlichen Raum abnimmt.“ Währenddessen aber bleibt die landwirtschaftliche Fläche gleich. Das wiederum bedeutet, dass weniger Landwirte mittlerweile erheblich mehr Fläche bewirtschaften müssen. Und mit der Ernte per Hand wird das ganz sicher nicht zu leisten sein.

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