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Expertenwissen

Fruchtfolge: Ein wichtiger Baustein zur wirksamen Ackerfuchsschwanzkontrolle

Christian Schüler, Market Development Manager, Bayer CropScience Deutschland GmbH

Ackerfuchsschwanzbefall

Foto: Bayer CropScience Deutschland GmbH

BlickPunkt, Frühling 2026

Beim Herbizid-Resistenzmanagement spielen die Fruchtfolge, aber auch pflanzenbauliche Maßnahmen eine zentrale Rolle: Variierte Herbizidstrategien, Unterbrechung des Lebenszyklus von Ungräsern, gezielte Bodenbearbeitung sowie späte Saattermine für Wintergetreide können den Ackerfuchsschwanz-Besatz reduzieren.

Ungräser wie Ackerfuchsschwanz, Weidelgras, Gemeiner Windhalm oder Trespen haben sich in vielen Regionen zu einem der limitierenden Faktoren im Ackerbau entwickelt. Milde Winter, lange Vegetationsperioden und enge Fruchtfolgen begünstigen ihre Ausbreitung. Gleichzeitig sinkt die Wirksamkeit chemischer Maßnahmen durch zunehmende Resistenzen sowie den Wegfall zentraler Wirkstoffe und Wirkmechanismen.

Mit dem Wegfall des Wirkstoffs Flufenacet verliert der Ackerbau einen wichtigen Baustein der Herbstbekämpfung in Wintergetreide. Damit wird deutlich: Die alleinige Fokussierung auf Herbizide greift zu kurz. Ungrasbekämpfung muss heute im System gedacht werden, über die gesamte Fruchtfolge hinweg. Um die Kulturen bestmöglich zu schützen, ist der ganzheitliche Ansatz aus einer Kombination von ackerbaulichen Maßnahmen und einem optimierten Herbizid-Einsatz unverzichtbar.

Steigende Resistenzen

Resistenzen sind grundsätzlich natürliche, vererbbare Merkmale einzelner Biotypen innerhalb einer Unkraut- bzw. Ungrasart. Ihr Auftreten und ihre Ausbreitung werden jedoch maßgeblich durch einseitige pflanzenbauliche und pflanzenschutztechnische Strategien begünstigt. Insbesondere der wiederholte Einsatz derselben Wirkstoffklasse erhöht den Selektionsdruck auf weniger empfindliche Individuen und verschafft ihnen einen deutlichen Überlebensvorteil.

Auch pflanzenbauliche Faktoren spielen eine entscheidende Rolle: enge Fruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil, reduzierte Bodenbearbeitung sowie sehr frühe Saattermine fördern die Etablierung und Ausbreitung resistenter Unkräuter und Ungräser zusätzlich. Problematisch ist dabei vor allem, dass sich Resistenzen zunächst unauffällig entwickeln. Werden resistente Pflanzen im Bestand sichtbar, ist der Prozess meist bereits weit fortgeschritten.

Die Resistenzentwicklung erstreckt sich in der Regel über mehrere Pflanzengenerationen. Während zu Beginn lediglich einzelne resistente Schadpflanzen auftreten, nimmt die Besatzdichte mit jeder Vegetationsperiode zu. Nach einigen Jahren kann es schließlich zur sogenannten Feldresistenz kommen, bei der sich die Unkräuter oder Ungräser flächig etablieren (siehe unten). Verstärkt wird diese Entwicklung durch den Aufbau eines langlebigen Samenpotenzials im Boden: Samen resistenter Biotypen können über Jahre keimfähig bleiben und auch in späteren Anbausaisons erneut auflaufen.

Die Folgen sind gravierend und reichen von deutlichen Ertragsverlusten bis hin zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Zwar arbeiten Forschung und Entwicklung kontinuierlich an neuen Wirkstoffgenerationen, doch die Entwicklung bis zur Marktreife erfordert einen langen Zeitraum. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Wirkstoffklassen durch einen verantwortungsvollen und integrierten Einsatz möglichst lange wirksam zu erhalten.

Prävention durch vielfältige Fruchtfolgen

Zugleich zeigen Erfahrungen aus Praxis und Versuchswesen, dass Betriebe mit vielfältigen Fruchtfolgen deutlich geringere Ungrasprobleme aufweisen. Der Wechsel von Winter- zu Sommerungen, variierende Bodenbearbeitung und flexible Saattermine unterbrechen den Lebenszyklus der Ungräser wirkungsvoll.

Der Fokus verlagert sich daher von der Reaktion zur Prävention. Ziel ist es, Ungräser gar nicht erst zur Samenreife kommen zu lassen und den Samenpool im Boden langfristig zu reduzieren. Chemische Maßnahmen bleiben dabei ein wichtiger Bestandteil. Sie entfalten ihre Wirkung jedoch nur dann nachhaltig, wenn sie in ein funktionierendes ackerbauliches Gesamtkonzept eingebettet sind.

Gezielte Herbizidmaßnahmen führen zum Erfolg

Ein wirksames Resistenzmanagement im Wintergetreide und fruchtfolgeübergreifend erfordert die strategische Auswahl und Rotation von Herbiziden mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (HRAC-/WSSA-Gruppen), um den Selektionsdruck auf Unkräuter und Ungräser zu minimieren und die Entstehung resistenter Populationen zu verzögern. Wiederholter Einsatz derselben Wirkstoffklasse begünstigt selektiv die Überlebensfähigkeit resistenter Biotypen und sollte daher vermieden werden.

Im Wintergetreide stehen in Deutschland, nach dem Wegfall von Flufenacet, zugelassene Wirkstoffe wie Aclonifen, Prosulfucarb und Diflufenican im Herbst zur Verfügung, die gegen Ungräser und Unkräuter wirken. Durch die Kombination dieser Wirkstoffe im Mateno Trio Set konnten durch langjährige Versuchsaktivitäten gute Wirkungsgrade erzielt werden (siehe Abbildung).

Fruchfolgeübergreifendes Resistenzmanagement

Um resistenten Ackerfuchsschwanz optimal fruchtfolgeübergreifend bekämpfen zu können, sollte Winterraps in der Fruchtfolge angebaut werden. Hier müssen andere Wirkmechanismen wie Carotinoidsynthesehemmer (HRAC 12), Zellwachstumshemmer (HRAC 15) und synthetische Auxine (HRAC 4) genutzt werden.

Weiterhin ist der Anbau von Hackfrüchten wie Zuckerrüben und Mais empfehlenswert, um die anderen zur Verfügung stehenden Wirkstoffklassen sowie mechanische Bodenbearbeitung zu kombinieren. In Zuckerrüben können die Wirkmechanismen der Photosynthese- (HRAC 5), der Zellwachstums- (HRAC 15) oder der Lipidsynthesehemmer genutzt werden. Im Mais kann auf Carotinoidsynthese- (HRAC 12-13) und Zellwachstumshemmer (HRAC 15) sowie auf die synthetischen Auxine (HRAC 4) zurückgegriffen werden.

Forschung und Entwicklung arbeiten kontinuierlich an neuen Wirkstoffgenerationen

Forschung und Entwicklung arbeiten kontinuierlich an neuen Wirkstoffgenerationen (Bayer CropScience Deutschland GmbH)

Ackerbauliche Maßnahmen

Aus fachlicher Sicht reicht ein noch so sorgfältig durchgeführtes Herbizidmanagement allein nicht aus, um die Resistenzentwicklung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm zuverlässig zu verhindern.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass zwischen resistenten und empfindlichen Biotypen dieser beiden Ungrasarten kein nennenswerter Unterschied in ihrer Konkurrenzkraft oder Überlebensfähigkeit besteht. Ackerbauliche Maßnahmen führen daher nicht automatisch zu einer Verdrängung resistenter Individuen aus der Population. Nicht-chemische Strategien zielen deshalb in erster Linie darauf ab, die Gesamtentwicklung und Samenproduktion beider Ungrasarten möglichst stark zu begrenzen. Gleichzeitig haben viele ackerbauliche Verfahren der vergangenen Jahrzehnte ungewollt Rahmenbedingungen geschaffen, die das Auftreten und die Ausbreitung von Ungräsern begünstigen. Die Einführung wirksamer nicht-chemischer Maßnahmen zur Resistenzminderung steht somit häufig im Gegensatz zu stark rationalisierten und auf Effizienz ausgerichteten Produktionssystemen.

Ökonomische Überlegungen sollten in diesem Zusammenhang nicht nur kurzfristig erfolgen. Vielmehr sind entsprechende Maßnahmen als Investition in die langfristige Ertragsfähigkeit und Stabilität landwirtschaftlicher Produktionssysteme zu bewerten. Für eine möglichst effektive Unterdrückung von Ackerfuchsschwanz und Gemeiner Windhalm empfiehlt es sich daher, folgende Bausteine in ein standortangepasstes und betriebsspezifisches Anbaukonzept zu integrieren:

  • Vielfältige Fruchtfolgen mit einem auf maximal 50 % begrenzten Anteil Wintergetreide
  • Wendende Bodenbearbeitung durch Pflugeinsatz
  • Mechanische Maßnahmen zur Unkrautregulierung, insbesondere im Rahmen der Stoppelbearbeitung
  • Spätere Aussaattermine für Wintergetreide
  • Das Ausnutzen verschiedener Wirkstoffklassen über die gesamte Fruchtfolge
  • Förderung dichter und konkurrenzstarker Getreidebestände
  • Konsequente Vermeidung der Einschleppung resistenter Ungrassamen, etwa über Erntemaschinen oder Saatgut

Fazit

Ungrasbekämpfung ist eine Systemfrage. Einzelmaßnahmen reichen nicht mehr aus.

Der Wegfall von Flufenacet erhöht den Handlungsdruck, eröffnet aber auch neue Denkansätze. Nachhaltiger Erfolg ist nur durch ein integriertes Resistenzmanagement möglich, das Herbizidstrategien mit vielfältigen ackerbaulichen Maßnahmen kombiniert. Entscheidend sind vielfältige Fruchtfolgen, angepasste Bodenbearbeitung, flexible Saattermine sowie konkurrenzstarke Bestände, um den Lebenszyklus der Ungräser zu stören und den Samenpool im Boden zu reduzieren. Gleichzeitig muss der Einsatz von Herbiziden gezielt durch verschiedene Wirkmechanismen und fruchtfolgebezogen erfolgen, um den Selektionsdruck zu minimieren. Auch wenn manche Maßnahmen kurzfristig mit Mehraufwand verbunden sind, sichern sie langfristig Erträge, Wirtschaftlichkeit und die Wirksamkeit vorhandener Wirkstoffe. Prävention statt Reaktion ist damit der zentrale Schlüssel für einen zukunftsfähigen und ertragreichen Ackerbau.

Autor:

Christian Schüler

Market Development Manager
Bayer CropScience Deutschland GmbH

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