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Innovation aus der Züchtung

Mit neuer Phoma-Resistenz und Schotenplatzfestigkeit Sicherheit in den Rapsanbau bringen

BlickPunkt, Frühling 2026

Die Anforderungen an landwirtschaftliche Betriebe und an den Ackerbau steigen stetig an. Neben der reinen Ertragsleistung spielen auf vielen Betrieben immer häufiger besondere Eigenschaften der Sorten eine größere Rolle, um mehr Sicherheit in den Anbau zu bekommen. Wie können Schotenplatzfestigkeit und Phoma-Resistenzgene dazu im Rapsanbau beitragen?

Phoma lingam – eine bedeutende Krankheit

Im Winterraps spielen viele Krankheiten eine Rolle, die weltweit bedeutendste Krankheit ist allerdings die Wurzelhals- und Stängelfäule Phoma lingam. Sie tritt in nahezu allen Anbauregionen auf. Unter Starkbefall bei ungünstiger Witterung können Ertragsverluste von bis zu 20 % oder mehr auftreten. Ertragsverluste entstehen dabei hauptsächlich durch eine eingeschränkte Versorgung der Pflanzen mit folgender Notreife und geringem TKG und/oder durch lagernde Bestände. Der Erreger kann bis zu 4 Jahre auf den Pflanzenrückständen und bis zu 10 Jahre im Boden überdauern und ist damit selbst in weiten Rapsfruchtfolgen ein Thema.

Die Wurzelhals- und Stängelfäule zeigt sich sowohl im Herbst als auch im Frühjahr mit Symptomen. Der Herbstbefall ist zwar grundsätzlich Ausgangspunkt für eine Symptomatik im Frühjahr, beides muss aber nicht korrelieren. So kann der Erreger besonders bei feucht milder Witterung im Herbst und Winter über den Blattstiel an den Wurzelhals wandern. Das Schadbild zeigt sich im Herbst über rundliche, helle Läsionen auf den Blättern, in deren Innerem sich die kleinen schwarzen Fruchtkörper (Pyknidien) befinden. Im Frühjahr findet man am Wurzelhals der Pflanze braune bis schwarze Flecken, die im weiteren Verlauf vermorschen und die Wasser- und Nährstoffversorgung der Pflanze stören.

Phoma Symptome im Herbst

Phoma Symptome im Herbst

Phoma Symptome im Frühjahr

Phoma Symptome im Frühjahr

Wie lässt sich Phoma lingam regulieren – was leistet die Züchtung?

Grundsätzlich ist der Einsatz von Fungiziden im Raps möglich und nach wie vor verbreitet. Die Wirkungsgrade auf die Wurzelhals- und Stängelfäule sind dabei nicht zuverlässig. Vorbeugende Maßnahmen wie zum Beispiel eine sorgfältige Ackerhygiene, das sichere Einarbeiten infizierter Pflanzenreste und eine weit gestellte Rapsfruchtfolge bieten eine gewisse Grundabsicherung.

Die einfachste Maßnahme stellt allerdings die Sortenwahl dar. Bei Phoma lingam ist die Züchtung tatsächlich schon sehr weit und konnte in der Vergangenheit gute Arbeit leisten. Der Erfolg liegt dabei in zwei Bereichen begründet. Der erste ist eine sehr starke Basistoleranz der Rapssorten, die den Befall zwar nicht komplett verhindern können, der Pflanze aber eine Grundabwehr gegen alle Pathotypen des Erregers geben. Diese Basistoleranz wird mit gezielten Resistenzgenen erweitert. Diese sind dann in der Lage, den Befall nahezu komplett zu verhindern. Dieses lässt sich jedes Jahr in angelegten Phomaprüfungen des Amtlichen Versuchswesens der Länder beobachten. Hier zeigen unter Befallsbedingungen zwar Sorten mit einer Resistenz den geringsten Befall, es gibt aber auch immer wieder solche Sorten, die nur dank einer starken natürlichen Toleranz vorn mitspielen können. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist stets die Kombination aus hoher Basistoleranz und speziellem Resistenzgen.

Warum ist eine stetige Weiterentwicklung nötig?

Ähnlich zum Pflanzenschutz treten auch bei Resistenzgenen immer häufiger Resistenzbrüche auf. So gibt es einzelne Pathotypen des Erregers, gegen die das Resistenzgen keine Wirkung mehr hat. Das passiert oft in Folge der Verwendung von Sorten mit immer dem gleichen Resistenzgen. Daher ist es unabdingbar, dass es immer wieder neue Resistenzgene gibt, die die Wirksamkeit nachhaltig sichern. Im deutschen Rapsportfolio überwiegt neben Sorten mit rein natürlicher Toleranz das Phomaresistenzgen Rlm7, welches zunehmend unter Wirksamkeitsdruck gerät.

Zeitliche Entwicklung der Resistenzen gegen Phoma lingam

Zeitliche Entwicklung der Resistenzen gegen Phoma lingam

Ist die Schotenplatzfestigkeit in Deutschland relevant?

Schaut man sich das deutsche Rapsportfolio an, dann ist der Anteil der Sorten mit einer genetisch fixierten Schotenplatzfestigkeit deutlich geringer geworden. Dagegen ist sie in anderen Ländern wie z.B. Polen eine Grundanforderung der Landwirte. Ähnlich zu Phoma gibt es auch hier nicht schwarz und weiß. Die Schoten einer Rapspflanze benötigen eine definierte Kraft, um sie zum Aufplatzen zu bringen. Diese Kraft kann im Labor unter definierten Bedingungen gemessen werden. Auch hier gibt es gewisse Sortenunterschiede, die nicht nur zwischen Sorten mit einer genetisch fixierten Schotenplatzfestigkeit und solchen ohne bestehen. Sondern die Sorten können auch über eine hohe natürliche Schotenplatzfestigkeit verfügen.

Nun stellt sich die Frage, ob die genetisch fixierte Platzfestigkeit überhaupt notwendig ist. Sorten mit dieser besonderen Eigenschaft spielen nur dann ihren vollen Vorteil aus, wenn sie in Extremsituationen gefordert werden. Ertragssicherheit bei sehr späten Druschterminen ist dabei das Stichwort und diese Anforderung wird in den letzten Jahren aus der Praxis immer lauter. Es gibt heutzutage deutlich mehr sehr frühe Weizensorten, dessen Qualität durch einen frühen Drusch gesichert werden muss. Wechselhaftes Wetter und begrenzte Maschinenkapazitäten tun ihr Übriges. Wie oft wird der Raps gezielt nach Regenereignissen gedroschen, und andere Kulturen erhalten den Vorrang. Eine Sorte, die in und nach der Abreife durch z.B. Starkregen oder Hagel weniger zum Ausfallen neigt, ermöglicht ein sehr weites Erntefenster mit minimierten Risiko. Diese Anforderung hat besonders die vergangene Ernte an vielen Standorten eindrucksvoll bestätigt.

Sorte mit genetisch fixierte Schotenplatzfestigkeit (links) und ohne (rechts) nach Hagel

Sorte mit genetisch fixierte Schotenplatzfestigkeit (links) und ohne (rechts) nach Hagel

Was gilt es zu beachten?

Wähle ich bewusst eine Sorte mit genetisch fixierter Schotenplatzfestigkeit, dann gilt es deutlich mehr Augenmerk auf den Reifezustand des Bestandes zu legen. Die Erntefeuchte ist hierfür als Indiz zur Druschreife nicht ausreichend. Habe ich Schoten, die deutlich mehr Kraft zum Aufbrechen benötigen, desto weniger kann ich unreife Schoten tolerieren. Sie lassen sich nicht ausdreschen und die Ertragsleistung kann nicht ausgeschöpft werden. Behalten Sie dieses stets beim Erntezeitpunkt und der Einstellung der Maschine im Hinterkopf. Die Kombination aus einer Sorte mit und einer ohne genetisch fixierter Schotenplatzfestigkeit innerhalb eines Betriebes ermöglicht mir die maximale Flexibilität bei reduziertem Risiko.

Weiterer Vorteil genetisch fixierter Schotenplatzfestigkeit:

  • Geringere Ertragsverluste bei Unwetterereignissen kurz vor der Ernte
  • Dabei weniger Ausfallsamenpotenzial für Folgekulturen

Ertragseinfluss von genetisch fixierter Schotenplatzfestigkeit

Ertragseinfluss von genetisch fixierter Schotenplatzfestigkeit

Welche Sorte vereint diese Eigenschaften?

Die zur Aussaat 2026 neu auf den Markt kommende Sorte KWS MERINOS vereint beide oben thematisierten Eigenschaften und punktet besonders bei Gesundheit und spätem Erntezeitpunkt. Diese Sorte verfügt über das neu am Markt befindliche Phoma Resistenzgen LepR1 und trägt damit aktiv zur Bewahrung der Resistenzleistung bei.

Darüber hinaus ist diese Sorte im aktuellen KWS Rapsportfolio die einzige mit einer genetisch fixierten Schotenplatzfestigkeit. Das rundet die übrigen KWS Sorten, die eine ohnehin geringe natürliche Neigung zum Ausfallen der Schoten haben, nach oben ab.

Fazit

Neben dem reinen Kornertragspotenzial spielen Sorteneigenschaften, die den Ertrag nicht nur maximieren, sondern vor allem auch stabil halten, eine immer wichtigere Rolle. Die Züchtung hat dabei in den vergangenen Jahren sehr viel dazu beigetragen und in moderne Sorten investiert.

Ein Beispiel dafür ist die neue Sorte KWS MERINOS, die das neue Phoma-Resistenzgen LepR1 mit einer genetisch fixierten Schotenplatzfestigkeit kombiniert. Der Landwirt profitiert von stabilen Erträgen bei Phomabefall und bei einem spätem Erntezeitpunkt.

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Lukas Bartsch
Lukas Bartsch
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