• headerbild_zuechtung_made_in_germany.jpg
    Züchtung made in Germany

Meilensteine der KWS Züchtung

Pflanzenzüchtung leistet mit der Entwicklung leistungsstarker Sorten einen zentralen Beitrag für die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus.

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Meilensteinen der KWS Resistenz- und Toleranzzüchtung geben:

Broschüre "Züchtung made in Germany"

Rizomania (RZ)

Rizomania – auch „Viröse Wurzelbärtigkeit“ genannt – ist eine wirtschaftlich sehr bedeutende Viruserkrankung, die den Blattapparat, besonders aber den Rübenkörper sowie das Wurzelsystem der Zuckerrübe schädigt.

In 1970er und -80er Jahren hat sich die Krankheit von Italien kommend deutschlandweit sehr schnell ausgebreitet und hat die Existenz des Zuckerrübenanbaus in ganz Europa bedroht. Eine direkte Bekämpfung, beispielsweise über Pflanzenschutzmittel, ist nicht möglich. Ertragsverluste bis zu 50 % und absolute Zuckergehalte von 5 bis 10 % führten schon Mitte der 1960er-Jahre zur Schließung der ersten Zuckerfabriken in Italien.

1983 wurde die erste Rizomania-tolerante Zuckerrübensorte von KWS gezüchtet und in Deutschland zugelassen. Damit wurde der Grundstein für die moderne Resistenzzüchtung gegenüber Krankheiten und Schädlingen in Zuckerrüben gelegt. Heute ist die Toleranzeigenschaft gegenüber Rizomania in allen in Deutschland zugelassenen Zuckerrübensorten Standard. Damit hat die Pflanzenzüchtung bewiesen, dass sie in der Lage ist existenzielle Probleme des Zuckerrübenanbaus zu lösen, gegen die pflanzenbaulichen Maßnahmen wirkungslos sind.

Nematoden (NT)

Rübenzystennematoden (Heterodera schachtii) können auch ohne sichtbare Symptome bis zu 10% Ertragsverlust verursachen. Bei starkem Befall kann der Ertragsverlust auf 50% ansteigen.
In den Kernanbaugebieten um die Zuckerfabriken führten die engen Rübenfruchtfolgen dazu, dass Anfang der 2000er Jahre ein wirtschaftlicher Zuckerrübenanbau nicht mehr möglich war.
Anfang der 90er Jahre wurde von der KWS ein eigenes Zuchtprogramm ins Leben gerufen, welches 2006 in der Zulassung der ersten Nematoden-toleranten Sorte Deutschlands mündete. Heute stehen leistungsfähige Nematoden-tolerante Sorten zur Verfügung und helfen Erträge langfristig abzusichern.

Vorteile von Nematoden-toleranten Sorten:

  • höchste Leistungen auf Flächen mit und ohne Nematoden
  • stabile und verlässliche Erträge unter verschiedenen Anbaubedingungen durch die Kombination mit anderen wichtigen Toleranzen und Resistenzen (z.B. CR+, RZ 2.0, ...)
  • hoher züchterischer Fortschritt von rund 2 % jährlich
  • sie sind ein wesentlicher Baustein für das Nematodenmanagement

Der Anbau Nematoden-toleranter Sorten empfiehlt sich, sobald der geringste Nematoden-Besatz auf Ihrer Fläche nachgewiesen ist. Mehr zu diesem Thema finden Sie auf unserer Internetseite zu Nematoden.

Rhizoctonia (RHC)

Der bodenbürtige Pilz Rhizoctonia solani ist weltweit verbreitet, kommt in nahezu allen Böden vor und ist einer der bedeutendsten Schaderreger an Kulturpflanzen. Die von der Späten Rübenfäule betroffene Fläche wird in Deutschland auf jährlich ca. 15.000 ha geschätzt, das entspricht etwa 5 % der Anbaufläche – die Fläche mit latentem Befall dürfte noch größer sein.

Ein Ausbruch der Krankheit wird durch das Zusammenspiel verschiedener äußerer Faktoren wie Strukturschäden der Böden, mangelnde Durchlüftung, ungünstige Witterungs-kombinationen, hohe Bodenfeuchtigkeit, hohe Bodentemperaturen und die Fruchtfolge begünstigt. Enge Mais-Rüben-Fruchtfolgen bürgen ein besonderes Risiko, da Mais ein weiterer Wirt des Erregers ist.

Neben ackerbaulichen Maßnahmen ist vor allem die Sortenwahl ein wichtiger Baustein zur Vermeidung bzw. Minderung von Schäden durch Rhizoctonia. Für Flächen mit mittlerem Rhizoctonia-Befall ergeben sich mit NOVATESSA KWSRZ 2.0#RHC#CR+ neue Perspektiven. Der Sortentyp der neusten Generation kombiniert erstmals höchste Blattgesundheit bei Cercospora (CR+) mit einer Rhizoctonia-Toleranz - und bringt gleichzeitig eine deutlich höhere Leistung, als die üblichen Rhizoctonia-Spezialsorten auf das Feld.

Weitere Informationen zu Rhizoctonia und anderen Wurzelfäulen der Zuckerrübe finden Sie in unserer Broschüre:

  • Rhizoctonia und andere Wurzelfaeulen der Zuckerruebe

    pdf | 946 kB

Rizomania PROTECT 2.0 (RZ 2.0)

RZ 2.0 – Was ist das?

Herkömmliche Zuckerrübensorten beziehen ihre Resistenz gegenüber Rizomania nur aus einer genetischen Quelle (Rz1). Die RZ 2.0 Sorten der KWS haben mehrere unterschiedliche Resistenzquellen gegenüber Rizomania. Dadurch können Sie sowohl bei sehr hohem Rizomania-Druck als auch bei Resistenzüberwindung höchste Leistungen erbringen, leisten aber auch unter Nicht-Befall auf hohem Niveau. Dies ist von Bedeutung, da bei nesterweisem Auftreten von Rizomania, selbst innerhalb eines Schlages, vom Nicht- bis zum Starkbefall alle Abstufungen auftreten können.

RZ 2.0 – Warum ist das wichtig?

Dieses Thema ist von besonderer Relevanz, da die Virusstämme einer Entwicklung unterliegen und bereits in den Nachbarländern Deutschlands Rz 1 Sorten aufgrund des Befallsdrucks nicht mehr ausreichen. Hier ist ein flächendeckender Anbau von Rizomania-mehrfachtoleranten Sorten (RZ 2.0) notwendig. Aber auch in Deutschland wurden Flächen mit Rizomania-Starkbefall und erste Resistenzüberwindungen nachgewiesen. Hier empfiehlt es sich, RZ 2.0 Sorten von KWS anzubauen – diese weisen heute die gleiche Vielfalt in den Toleranzausstattungen auf wie einfach Rizomania-tolerante Sorten und sind somit für unterschiedliche Standortansprüche geeignet:

RZ 2.0 Sortenangebot

Für Flächen ohne Nematoden Für Flächen mit Nematoden Für Flächen mit Rhizoctonia
CALLEDIA KWSRZ2.0#CR THADDEA KWSRZ2.0#NT NOVATESSA KWSRZ2.0#RHC#CR+
JELLERA KWSRZ2.0#CR CAPRIANNA KWSRZ2.0#NT  

CONVISO® SMART

Innovative Unkrautregulierung in Zuckerrüben

CONVISO® SMART bietet neue Möglichkeiten zur Unkrautregulierung in Zuckerrüben und ist die erste Einführung neuer Wirkstoffe in Zuckerrüben seit Jahrzehnten.

Das System ermöglicht neue Strategien der Unkrautkontrolle in Zuckerrüben.

Erste mehrfach-tolerante Sorten sind durch das Bundessortenamt in Deutschland zugelassen (RZ#NT, RZ#CR, RZ2.0#CR).

Neue CR+ Genetik

Mehr Schutz und mehr Leistung bei Cercospora

2021 wurden die beiden ersten Cercosporatoleranten Sorten der neuen Generation CR+, BLANDINA KWS und INSPIREA KWS, vom Bundessortenamt zugelassen. Ihre sehr hohe Blattgesundheit in den Versuchen und auf Praxisflächen ist beeindruckend.

Mehr Schutz

Sehr hohe Blattgesundheit bei Cercospora

  • Krankheitsverlauf verlangsamt
  • verringerte Befallshäufigkeit und -stärke
  • gesunde und produktive Blattfläche über einen langen Zeitraum
  • Einsparpotenzial bei den Fungizidmaßnahmen gegen Cercospora
  • bessere Feldhygiene durch geringeres Inokulumpotenzial

Mehr Leistung

Sehr hohes Ertragspotenzial bei Cercospora

  • sehr hohe Rüben- und Zuckererträge
  • stabile und hohe Zuckergehalte
  • hohe Ertragsstabilität
  • gesunde, weniger gestresste Rüben

Verlauf der Befallshäufigkeit von Cercospora (schematisch)

Quelle: KWS SAAT SE & Co. KGaA, internationaler AgroService, schematische Darstellung

Quelle: KWS SAAT SE & Co. KGaA, internationaler AgroService, schematische Darstellung

Quelle: KWS, Standort Kandel 2021

Quelle: KWS, Standort Kandel 2021

Unsere CR+ Sorten

INSPIREA KWSRZ#CR+ LUDOVICA KWSRZ#CR+
BLANDINA KWS RZ#NT#CR+ NOVATESSA KWSRZ2.0#RHC#CR+

Mehr zum Thema CR+ finden Sie hier.

VergilbungsViren (VV)

Viröse Vergilbung – Status Quo

  • Seit dem Verbot der neonicotinoiden Beize hat die Viröse Vergilbung in vielen Anbaugebieten erheblichen Schaden verursacht.
  • Folgende Virenarten besitzen dabei das größte Schadpotenzial:
    • BMYV (Beet Mild Yellowing Virus)
    • BYV (Beet Yellows Virus)
    • BChV (Beet Chlorosis Virus)

Monitoringaktivitäten

  • Monitoring mit der KWS SEAD-App (Sample Evaluation and Documentation)
  • KWS betreibt intensives Monitoring mit einer eigens entwickelten App, die eine
  • georeferenzierte Probenahme mit Dokumentation und Auswertung ermöglicht
  • Monitoringaktivitäten sind ein wichtiges Hilfsmittel, um die Dynamik von Krankheiten und Schädlingen zu verstehen und daraus Ableitungen für züchterische Aktivitäten zu ziehen.

Züchterische Lösung von KWS

  • MARUSCHA KWSRZ#VV ist die erste vom Bundessortenamt zugelassene Vergilbungsvirus-tolerante Zuckerrübensorte und stellt einen Meilenstein in der Toleranzzüchtung bei Viröser Vergilbung dar.

Syndrome Basses Richesses (SBR)

Krankheitserreger und Vektor

  • SBR ist eine Zuckerrübenkrankheit, die durch ein Proteobacterium (Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus) und ein Phytoplasma (Candidatus Phytoplasma solani) übertragen wird
  • Als Hauptvektor gilt die wärmeliebende Schilf-Glasflügelzikade
  • Nach milden Wintern steigt die Wahrscheinlichkeit eines frühen Zuflugs

Symptomausprägung

  • Erste Symptome sind im Spätsommer am Blatt und im Rübenkörper sichtbar:
  • ältere Blätter vergilben zwischen den Blattadern
  • krankhafter, lanzettähnlicher Blattneuaustrieb
  • häufig Verbräunung der Gefäßleitbündel im Rübenkörper

Dieses führt zu drastisch verringerten Zuckergehalten

Möglichkeiten der Kontrolle

  • Durch den Anbau einer standortangepassten Sorte können Ertragsverluste bei Befall reduziert werden
  • Die bewährte Sorte LUNELLA KWSRZ#NT zeigt auch bei Befall mit SBR stabile Leistung auf hohem Niveau
  • Die Neuzulassungen JOSEPHINA KWSRZ#NT#plus und BARONIKA KWSRZ#NT sind in den offiziellen Prüfungen positiv aufgefallen und werden in diesem Jahr intensiv auf ihre Leistung unter Befall mit SBR geprüft
  • Zukünftig wird bei der Lösung des Problems SBR die Züchtung eine maßgebende Rolle spielen

Züchtung made in Germany

Wir arbeiten seit über 160 Jahren kontinuierlich an der Steigerung des Ertrages, des Zuckergehalts und der Verbesserung der Resistenzen und Toleranzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Aktuelle leistungsstarke Sorten kombinieren bereits mehrere Toleranzen und Resistenzen gegenüber Blattkrankheiten, Wurzelfäulen und Nematoden.

Durch intensive jahrzehntelange Forschung und Entwicklung ist der Zuchtfortschritt bei der Zuckerrübe so groß wie bei kaum einer anderen Kulturart.

Er hat wesentlich zum Anstieg der Produktivität im Rübenanbau beigetragen und liegt bei ca. 2 Prozent jährlich, d.h. bis zu 2 Tonnen mehr Rüben pro Hektar und Jahr.

Damit schaffen wir beste Voraussetzungen, dass Sie auch in Zukunft die optimale standortangepasste Sorte für Ihre Anforderungen auswählen können.

Jetzt Berater finden