Biostimulanzien

als Zusatzbeizung am Getreidesaatkorn

Autorin Wenke Haase, Ferdinand-von-Lochow-Stipendiatin

Kurzinfo

29.03.2021

Die zunehmenden Heraus­forderungen im Pflanzenbau erfordern besonders robuste und stresstolerante Pflanzen. Zusätzlich zu der innovativen Züchtung von Sorten, die sich den Gegebenheiten bestmöglich anpassen, beschäftigt sich KWS mit biologischen Beiz­zusätzen. Wenke Haase, Ferdinand-­von­-Lochow­-Stipendiatin der KWS, hat während ihres Praktikums das erwartete Potenzial von Bio­stimulanzien bei Landwirten und Experten untersucht. Bei einer Online­Umfrage mit 713 Antworten wurden die bisherigen Erfahrungen und die Erwartungen der Landwirte an eine solche biologische Beize erfasst. Daneben hat Wenke Haase Interviews mit firmeninternen und einigen externen Experten geführt.

Innovation?

Biostimulanzien sind nicht neu im Ackerbau, stellten jedoch in der Vergangenheit eher eine Nische dar. Die Herausforderungen im Ackerbau durch veränderte Rahmenbedingungen, wie die klimatischen Veränderungen und die zunehmenden politischen Restriktionen, rücken sie jetzt aber weiter in den Fokus. 30 % der Teilnehmer der Umfrage haben bereits Erfahrungen mit Biostimulanzien gesammelt, davon überwiegend bei Mais und Getreide. Biostimulanzien bilden, neben Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, eine eigene Gruppe, die in der Pflanze bestimmte Reaktionen auslöst. Sie enthalten beispielsweise Bakterien, Pilze, Pflanzenextrakte oder Enzyme. Ihre Wirkung ist allerdings sehr komplex und wird von vielen Faktoren beeinflusst. Weiterhin werden diese oft mit Mikronährstoffdüngern angeboten, die die Wirkung ergänzen können.

Aufgabe der Biostimulanzien:

Diese Substanzen stärken die Pflanze mit natürlichen und naturnahen Inhaltstoffen. Sie fördern die Vitalität der jungen Pflanzen und unterstützen sie in ihrem Wachstum mit dem Ziel, das Ertragspotenzial der Genetik unter eingeschränkten Wachstumsbedingungen besser auszuschöpfen. Als die wichtigste Eigenschaft einer Biostimulanz wählen die meisten Befragten die verbesserte Stresstoleranz gegenüber abiotischen Faktoren, wie z. B. Trockenstress, aus. Darauf folgen „verbesserte Ertragsstabilität unter erschwerten Anbaubedingungen“ und „verbesserte Nährstoffverfügbarkeit und -aufnahme“.

Kurz erklärt: Biostimulanzien – Komponenten und deren Nutzen

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Einsatzstandorte und Wirkintensität.

In der Umfrage wurde nach dem Standort mit der besten Wirkung gefragt (Abbildung 1). Hier kristallisiert sich vor allem der Vorteil an Grenzstandorten heraus. Standorte der „Roten Gebiete“ werden von mehr als der Hälfte der Teilnehmer ebenfalls als Zielflächen ausgewählt. Über 30 % der Befragten erwarten auch auf Hochertragsstandorten ein Nutzungspotenzial von Biostimulanzien. Demnach können alle Standorte von den Produkten profitieren. Die Wirkintensität der Biostimulanzien hängt von vielen Faktoren ab. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei Witterung, Bodenart und -versorgungszustand. Hinzu kommen kulturtechnische Unterschiede.

Abbildung 1: Standortfrage

An welchem Standort hat Saatgut mit Biostimulanzien nach Ihrer Meinung die beste Wirkung? (Mehrfachnennungen möglich)

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Leistungsbeurteilung

Durch die komplex zusammenspielenden Faktoren gestalten sich Leistungsbeurteilung und reproduzierbare Ergebnisse als eine Herausforderung. Jedoch machen neue Umfrage Ergebnisse (KWS Getreide, 2020) Techniken und Langzeitversuche die Leistung besser belegbar. KWS hat Testsysteme entwickelt, um die spezifischen Wirkungen solcher Produkte selbst zu überprüfen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis darüber zu erlangen, wann und wie ein solches Produkt wirkt und was dessen Chancen und Grenzen sind. Die Genetik als wichtiger Erfolgsfaktor kann seine Eigenschaften nicht ausschöpfen, wenn der Boden im Ungleichgewicht ist. Die Biostimulanz kann die Pflanze schon in der Auflaufphase unterstützen. Nachhaltig entscheidend ist aber der Oberboden, der die Pflanzenentwicklung teilweise steuert und Wetterextreme und Schädlingsdruck abfedert. Denn hier ist die Pflanzenwurzel verankert, die die Pflanze ernährt. Eine Betrachtung des Gesamtsystems ist also unerlässlich, um das Sortenpotenzial auszuschöpfen.

Wachsender Markt

Der momentane Einsatz von Getreidesaatgut mit Biostimulanzien liegt bei circa 5 % Gesamtmarktanteil in Deutschland. Über 90 % der Umfrage-Teilnehmer sind sich einig, dass der Marktanteil in Zukunft wächst (Abbildung 2). Niemand geht von einer sinkenden Tendenz aus. Das können die befragten Experten einstimmig bestätigen. Biostimulanzien werden sich mit dem Fokus auf nachhaltigen Ackerbau bzw. spätestens mit dem Verbot der chemischen Behandlungen etablieren. Eine Marktbereinigung ist durch steigende Produktqualität und neue gesetzliche Verordnungen vorauszusehen.

Abbildung 2: Prognostizierte Marktanteile

Momentan liegt der Einsatz von Getreidesaatgut mit Biostimulanzien bei ca. 5 % Gesamtmarktanteil in Deutschland. Wie schätzen Sie dessen zukünftige Entwicklung ein?

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Großes Interesse

Die Informationsbereitstellung ist ein wichtiges Instrument, um Entscheidungen zu treffen. Die Befragten wünschen sich zukünftig von Seiten der KWS eigene Versuchsergebnisse (Abbildung 3). Ebenfalls stark nachgefragt werden Ergebnisse der Offizialberatung und wissenschaftliche Belege. Für die Zukunft wünschen sich die Befragten außerdem Versuchsanbauten auf Feldtagen und weitere Informationen über Fachartikel/Fachvorträge zu diesem Thema. Ein weiterer Teil interessiert sich für die Beratung durch den Außendienst. Viele der Befragten wollen eigene Erfahrungen sammeln und sich somit selbst überzeugen lassen bzw. setzen auf Empfehlungen der Berufskollegen. Gar kein weiteres Interesse haben lediglich < 1 % der Teilnehmer. Abschließend hatten die Teilnehmer der Umfrage die Möglichkeit, weitere Anregungen zu diesem Thema mit auf den Weg zu geben. Knapp 100 Personen haben diese Möglichkeit genutzt. Es gab viele positive Kommentare und den Zuspruch, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen

Abbildung 3: Informationsbeschaffung

Was wünschen Sie sich in Zukunft zu dem Thema Biostimulanzien von Seiten der KWS? (Mehrfachnennungen möglich)

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Bitte gehen Sie das Thema unbedingt an. Ich bin überzeugt, dass dies die Zukunft ist.
Zitat Umfrageteilnehmer aus letzter Frage mit Freitext Antwortmöglichkeit

Biostimulanzien wurden hier teilweise als Zukunftsmarkt beschrieben, dem die KWS „offener gegenüber sein sollte“. Es wurde benannt, dass umgedacht werden muss und Biostimulanzien ein Teil einer Lösung sein können. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass ein reales Preis-Leistungs-Verhältnis erforderlich ist, damit sich der Einsatz für den Landwirt lohnt. Die Mehrausgaben für die Zusatzbeize seien also vom gesamten Nutzen abhängig. Mehrfach wurde nach Auswirkungen für die Umwelt und die Pflanzengesundheit sowie nach dem Potenzial, chemische Beizen zu ersetzen, gefragt. Einige Befragte merkten an, dass sich die Wirkung der Biostimulanzien am besten entfaltet, wenn auf chemische Produkte verzichtet wird bzw. diese verringert werden. Gefordert wurde außerdem keine breite Produktpalette, sondern einige wenige Produkte mit herausragenden Eigenschaften. Es ist zu erkennen, dass teilweise schon sehr spezielles Wissen vorhanden ist und die Befragten über das Themenfeld der Biostimulanzien weiter aufgeklärt werden möchten.

Roggenpflanzen rechts mit und links ohne Biostimulanzien

Roggenpflanzen rechts mit und links ohne Biostimulanzien

INITIO

KWS hat ein einzigartiges System entwickelt, bei dem mehrere Inhaltsstoffe im Zusammenspiel die bestmögliche Wirkungsweise ermöglichen. Die Wirkstoffe setzen sich in Abhängigkeit von regionalem Schädlingsdruck, den klimatischen Bedingungen und den Anforderungen der Landwirte zusammen. KWS INITIO bietet praxiserprobte Lösungen für Saatgutbehandlungen, um den landwirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen. KWS INITIO verbessert nachhaltig die Entwicklung, Effizienz und Gesundheit von Nutzpflanzen.

Fazit

Biostimulanzien werden aufgrund der sich ändernden Bedingungen im Pflanzenbau weiter an Aufmerksamkeit gewinnen. Die besten Sorten können ihr volles Potenzial nur in gesunden und vitalisierten Böden erreichen. Der Fokus wird verstärkt auf Boden- und Pflanzeninteraktionen gelegt, welche sehr komplex sind. Es ist wichtig, gegenüber neuen Praktiken aufgeschlossen zu sein. Landwirte beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren verstärkt mit wichtigen Themen wie Fruchtfolgeerweiterung, Humusaufbau, permanente Bodenbedeckung, regelmäßige Bodenanalysen etc. Ein weiterer Baustein im Gesamtsystem, um auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren, können die Biostimulanzien sein. KWS hat das Potenzial von Biostimulanzien wahrgenommen, so wie das große Interesse der Landwirte. Wir werden an dem Thema arbeiten und euch auf dem Laufenden halten.

Autorin:

Wenke Haase (24 Jahre)
Ferdinand-von-Lochow-Stipendiatin

Aufgewachsen bin ich auf einem landwirtschaftlichen Mischbetrieb
in Schleswig-Holstein.

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