Roggenfütterung liegt voll im Trend

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Dr. Heike Engels

Warum immer nur Weizen und Gerste an Schweine füttern? Roggen hat ungeahnte Qualitäten für die Schweinefütterung durch seine einzigartige Kohlenhydratzusammensetzung. Untersuchungen haben gezeigt, dass Roggen einen sehr hohen Ballaststoffgehalt aufweist. Dabei stehen die Nicht-Stärke-polysaccharide (NSP) im Vordergrund. Sie verlangsamen die Passagerate des Darminhaltes durch den Darmtrakt. Es führt zu einer gewünschten langanhaltenden Sättigung. Die NSP‘s punkten bei Tiergesundheit, Salmonellenbekämpfung und Ebergeruch. Speziell die Fruktane und die Arabinoxylane, die zu den NSP gehören, haben besondere Eigenschaften.

Sie gelangen unverdaut in den Dickdarm und werden dort durch die Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert. Es entsteht hauptsächlich Butyrat, das Salz der Buttersäure.

Butyrat hat sehr viele Vorteile, Aufgaben und Funktionen:

- Butyrat ist die Energiequelle für die Zellen der Darmschleimhaut. Die Zellen werden nicht über die Blutbahnen des Darms ernährt, sondern durch das Substrat was im Darm selbst vorkommt oder produziert wird.
- Der Zelluntergang wird weniger aufgrund einer verbesserten Stabilität und Lebensdauer der Darmschleimhaut.
- Die Zwischenzellkontakte werden gestärkt. Die Krankheitserreger haben es schwerer die Darmwand zu passieren.
- Der Stoffwechsel von pathogenen Keimen wird durch Butyrat verändert besonders die Invasionsfähigkeitsgene der Salmonellen.
- Auch der Ebergeruch könnte durch den Roggeneinsatz reduziert werden.
- Butyrat soll auch positive Effekte auf das Verhalten der Tiere haben. Aus der Praxis wird von ruhigeren Tieren im Stall berichtet.

Zudem ist das Aminosäurenmuster im Roggen vergleichsweise günstig. Der Rohproteingehalt und die praecaecale Verdaulichkeit im Roggen sind zwar etwas geringer gegenüber dem Weizen. Letztendlich kommt es auf die Aminosäuren an, die dem Schwein für die Fleischbildung und Wachstum zur Verfügung stehen. Der Anteil verdauliches Lysin im Roggen liegt bei 3,2g/kg TS. Es ist nur geringfügig weniger als beim Weizen, der es auf 3,4g bringt. Aufgrund des niedrigen Proteingehalts passt der Roggen sehr gut in eine N/P-reduzierte Fütterungsstrategie.

Zusätzlich besitzt Roggen einen bis zu viermal höherem Gehalt an nativer Phytase als Weizen. Die Verdaulichkeit des Phytat-Phosphors im Korn wird dadurch verbessert.

Auch aus ackerbaulicher Sicht ist der Hybridroggenanbau sehr interessant. Die große Wurzelmasse befähigt den Roggen zu einer sehr guten Wassereffizienz. Er verbraucht ca. 20% weniger Wasser pro kg Trockenmasse als Weizen. Vor allem bei hohen Temperaturen und weinig Niederschlag hat diese Eigenschaft eine große Bedeutung. Zusätzlich benötigt der Roggen ca. 20% weniger Stickstoff pro 100kg Korn gegenüber Weizen. Auswertungen von Landessortenversuchen zeigen, das Hybridroggen ertraglich mit den anderen Getreidearten sehr gut mithalten kann bzw. überlegen ist und das nicht nur auf sandigen Böden.

Keine Angst vor Mutterkorn:

Früher war mit Roggen die Gefahr der Verfütterung von Mutterkorn verbunden, weshalb der Roggen nur in geringen Mengen eingesetzt wurde. Mutterkorn ist die Überdauerungsform des Pilzes Claviceps purpurea und enthält Toxine, die sich negativ auf die Sauenfruchtbarkeit auswirken können. Doch neueste Züchtungen mit PollenPluls Technologie sind nur noch wenig anfällig für Mutterkorn. Sie produzieren mehr Pollen, die die Narbe bestäuben, so dass sich der Pilz dort nicht festsetzen kann .

Kurzgefasst:

  • Roggen punktet durch hohe Effizienz bei Wasser, Stickstoff und Phosphor
  • Hohe Gehalte an Fruktane und Arabinoxylanen trotz niedrigem Rohfasergehalt
  • Diese werden im Dickdarm zu Butyrat umgebaut mit günstigen Effekten auf Schleimhautgesundheit und Wohlbefinden
  • Salmonellen und Ebergeruch werden zurückgedrängt
    Roggen hat eine hohe korneigene Phytase damit kann das Schwein den Phytatphosphor gut verwerten.
  • Das Mutterkornrisiko ist gering, wenn Hybridroggensorten mit PollenPlus Technologie verwendet werden.

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